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29-Jähriger vor Münchner Hauptbahnhof verprügelt

Weil er schwul ist 
iboys.at
© Getty Images
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Weil er sich gegenüber einer Freundin beim Münchner Hauptbahnhof etwas tuntig gegeben hatte, wurde ein 29-Jähriger am hellichten Tag verprügelt. Das berichtet die Münchner „tz“. Besonders bedenklich: Keiner der vorbeigehenden Passanten half dem jungen Mann.

Er wollte seine Freundin unterhalten – und wurde stattdessen beschimpft und verprügelt

Shahin Shah war am Sonntag gegen Mittag mit einer Freundin in der Münchner Innenstadt unterwegs. Bei einer Bank gegenüber des Hauptbahnhofes wollte er Geld abheben. Vor dem Eingang vertreibt sich eine Gruppe von Männern die Zeit auf den Stufen. „Ich habe dann das Tuntige aus mir herausgeholt. Damit bringe ich meine Freundin immer gerne zum Lachen“, erinnert sich der geborene Münchner. Doch das gefiel zwei der Männer nicht.

„Sie haben mich als Schwuchtel beschimpft. Das wollte ich mir nicht gefallen lassen. Deshalb habe ich den Mann angesprochen und ihm gesagt, dass ich mich gedemütigt fühle“, erinnert sich der 29-Jährige im Gespräch mit der „tz“. Doch statt einer Antwort bekommt Shah einen Schlag ins Gesicht.

Auch der zweite Mann greift ein, verpasst ihm einen Schlag auf die Nase. Der junge Mann stürzt zu Boden und fällt die Treppe herunter – doch die beiden Männer hören nicht auf, ihn zu verprügeln. Sie treten ihr wehrloses Opfer noch mit den Füßen in die Rippen und gegen die Beine. Danach laufen sie weg.

Er läuft seinen Schlägern nach, kann einen von ihnen noch fast erwischen

Aber Shahin Shah gibt nicht so schnell auf: Er rennt den Schlägern Richtung U-Bahn hinterher, erwischt einen der beiden kurz vor dem Abgang am Oberteil. Doch dieser windet sich aus dem T-Shirt, steigt in die nächste U-Bahn und fährt mit seinem Kumpel einfach davon. Auch die U-Bahn-Wache und die Polizei vor Ort konnten Shah nicht mehr helfen.

Mittlerweile hat das Opfer Anzeige erstattet und das T-Shirt des mutmaßlichen Täters der Polizei übergeben. Die Videobänder wurden von der Münchner Kriminalpolizei gesichert. Der 29-Jährige muss ärztlich versorgt werden. Die Bilanz des Angriffs: Eine gebrochene Nase, ein blaues Auge, Prellungen und Schürfwunden – nur, weil er schwul ist.

Shahin Shah beschreibt die mutmaßlichen Täter auf seinem Facebook-Profil: Beim ersten handelt es sich um einen südländischen Typen, etwa 174-180 cm groß, kurze Haare, dunkle Hose – und nach dem Angriff ohne T-Shirt unterwegs. Der andere Mann ist ein mittel- bis südosteuropäischer Typ, 178-184 cm groß, mollig und hat braun-blonde Haare. Beide sind zwischen 30 und 40 Jahre alt.

Keiner der umstehenden Passanten hat dem Mann geholfen

Geholfen hat ihm übrigens keiner der zahllosen Passanten, die rund um den Münchner Hauptbahnhof unterwegs waren. „Ich habe mir Zivilcourage erhofft – aber ich bin enttäuscht worden“, sagt er resignierend. „Ich habe um Hilfe gefleht. Entweder hat es die Leute nicht interessiert, oder sie hatten Angst, selbst Opfer zu werden“, erinnert sich der 29-Jährige.

Er will über den Vorfall nicht schweigen, wie es so viele andere tun. „Die Gesellschaft muss endlich akzeptieren, dass es Schwule gibt und immer geben wird“, sagt er selbstbewusst dem „tz“-Reporter. „Wir müssen alle zusammenhalten gegen jegliche Gewalt – ob schwul oder nicht. Mehr Zivilcourage zeigen, denn zusammen ist man stark. Lasst euch mal einfach nochmal durch den Kopf gehen, was wohl wäre, wenn ihr in dieser Situation stecken würdet…“, schreibt er auch auf Facebook.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein schwuler Mann in den letzten Wochen in München wegen seiner sexuellen Orientierung angegriffen wurde: Im Mai wurde der 30-jährige Gregor P. mitten im Glockenbachviertel, dem Zentrum der schwulen Szene Münchens, von drei Männern angegriffen und dabei schwer am Auge verletzt.
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