Der Weg zum Ich

schwule Geschichte

Dass er nächste Woche Geburtstag hatte, wollte er wohl richtig ausnutzen. Seine Wünsche bestanden dieses Jahr hauptsächlich aus teuren Videospielen und CDs. Irgendwann lächelte ich aber doch wieder. Ethan war eben mein Sohn und ich liebte ihn über alles. Auch, wenn es mit seiner Mutter nicht geklappt hatte. Doch als ich beim letzten Punkt seiner Liste angekommen war hustete ich meinen Kaffee über den Tisch.
‚Ich will mit dir, Jessica und Mama in den Urlaub fahren! Aber Leonard soll auch mitkommen.’, stand da in seiner krakeligen Kinderschrift.

Gut, es war sein zehnter Geburtstag und ich tat eigentlich alles damit es meinen Kindern gut ging. Doch in den Urlaub fahren? Dass Jessica, seine große Schwester, und seine Mutter mitkommen sollten, verstand ich ja noch. Aber auch noch mit Leonard? Nein, das würde einfach nicht gut gehen! Leonard war… Ja was war er eigentlich für mich gewesen? Mein Freund? Eine Stütze bei meinem, zugegeben späten, Coming Out? Ein Vertrauter, den ich in dieser Form vorher nie hatte? Mein Liebhaber? Ich seufzte, irgendwie war das alles wohl zutreffend. Bevor ich Leonard getroffen hatte, war mein Leben eigentlich in Ordnung. Na ja, was man so ‚in Ordnung’ nennt. Ich hatte eine Frau, diese war glücklich mit ihrem Job als Leiterin einer Werbeagentur, meine Kinder, meinen Beruf als freier Versicherungsvertreter, ein Haus und Spooky, unseren kleinen Labrador. So komisch es vielleicht klingt, aber gerade dieser Hund war für die entscheidende Wendung in meinem Leben verantwortlich. Es war an einem lauen Sommerabend, als niemand Lust hatte, mit Spooky spazieren zu gehen. Somit nahm ich meine Sachen und die Hundeleine und machte mich mit ihm auf den Weg in den nahe gelegenen Wald. Spooky hatte dort seinen Spaß und tobte durch das Unterholz, während ich mich auf eine Bank setzte und ihm zusah. Plötzlich kam nun aber ein zweiter Hund angerannt. Als ich mich daraufhin umsah, bemerkte ich einen jungen Mann, der den Weg entlang lief. An seinem Arm hing noch die Leine, die er seinem Hund wohl abgenommen hatte. Nur langsam kam er schließlich näher. Wie ich mir heute eingestanden habe, hatte ich mich schon damals in ihn verliebt. In seine blonden Locken, die ihm über die Schulter fielen und so weich aussahen und in seine meerwasserblauen Augen.

„Hallo!“, lächelte er, als er nahe genug war.

Dann stieß er einen kurzen Pfiff aus, woraufhin sein Hund angerannt kam.

„Argos, Platz!“, meinte er dann und legte dem American Eskimo die Leine an. „Ich hoffe mal, dass Argos ihren Hund nicht zu sehr erschreckt hat. Aber er spielt eben gerne.“, versuchte er schließlich zu erklären.

„Ist kein Problem“, antwortete ich.

„Dann ist es gut.“

Schon kurze Zeit später hatte er sich neben mich gesetzt. Da ich nun von einem längeren Gespräch ausging, streckte ich ihm die Hand hin.

„Jack!“

Lächelnd schüttelte er meine Hand. „Leonard! Und das ist Argos. Nicht über den Namen wundern, mein Ex-Freund hatte ein Faible für griechische Heldensagen.“

Ich schluckte in diesem Moment einfach und sah ihn an. Hatte Leonard gerade einfach so zugegeben schwul zu sein? Irgendwie verwirrte mich seine Offenheit wirklich. Schließlich kannte er mich nicht und da outete er sich so einfach? Da Leonard jedoch bald wieder weiter musste, verabredeten wir uns für den nächsten Abend an derselben Stelle. Eigentlich war das total untypisch für mich, doch ich wusste nur, dass ich Leonard wiedersehen wollte. Warum auch immer. Der nächste Abend war dann wirklich schön, wir saßen zusammen, redeten und lachten. Doch gleichzeitig war er auch der Auftakt für viele schöne Wochen, in denen wir uns regelmäßig trafen. Anfangs war es von meiner Seite einfach eine schöne Freundschaft. Nur ein Abend veränderte wieder alles. Leonard war an diesem Abend schon die gesamte Zeit sehr schweigsam gewesen, obwohl er sonst sehr viel redete.

Somit hatte ich dann nachgefragt, was los war. Daraufhin ‚beichtete’ er mir, dass er sich in mich verliebt hatte. In diesem Moment machte ich wohl einen der größten Fehler, die ich machen konnte.

Ich beleidigte ihn und rannte dann einfach davon. Dieses Geständnis hatte mich einfach völlig aus der Bahn geworfen. Schon seit unserer ersten Begegnung damals war etwas in meinem Kopf, dass ich nicht genau beschreiben konnte. Es war so etwas wie der Wunsch Leonard so nahe wie möglich zu sein. Doch ich redete mir immer wieder ein, dass dieses Gefühl einfach irrsinnig war. Und mit seiner Liebeserklärung hatte Leonard mein eigenes Konstrukt zum Einsturz gebracht. Wochenlang war ich daraufhin nicht mehr ansprechbar. Meine Frau und meine Kinder wunderten sich über meine Veränderung, da ich mich sehr zurückgezogen hatte. Doch ich nahm diese Sorge genauso wenig wahr, wie die endlosen Versuche mit mir zu sprechen. Leonard hatte in dieser Zeit auch immer wieder angerufen. Nur ich wollte nicht mit ihm sprechen, entweder ließ ich mich verleugnen oder ich ignorierte das Handy einfach. Schließlich schaffte es Tom, mein bester Freund, mich wieder einmal vor die Türe zu bringen. Er lud mich einfach auf ein Bier in seine Kneipe ein und ‚drohte’ mir damit, mich aus dem Haus zu tragen, wenn ich nicht mitkommen würde. Somit folgte ich ihm missmutig und mit entsprechender Laune. Nachdem er dann lange versucht hatte mit mir zu sprechen ließ er mich einfach sitzen und kümmerte sich um seine anderen Gäste. Doch gerade diese Geste machte mich sauer. Sicher, ich wollte nicht reden, nur die Tatsache, dass er mich einfach alleine ließ, ärgerte mich doch. Nach ungefähr einer halben Stunde kam er dann wieder, setzte sich neben mich und schwieg. In diesem Moment habe ich dann den ersten heftigen Streit begonnen den wir jemals hatten. Nur Tom sagte nichts dazu, somit redete ich sehr lange einfach auf ihn ein, bis ich irgendwann völlig erschöpft ruhig wurde. Daraufhin sah mich Tom an.

„Wenn du jetzt deinem Ärger Luft gemacht hast, dann kannst du mir doch jetzt auch sagen, was wirklich mit dir los ist. Vielleicht erkennst du es ja wirklich nicht, aber wir machen uns alle Sorgen um dich, deine Frau, deine Kinder und ich auch.“

Warum wusste ich eigentlich nicht so genau, doch in diesem Moment redete ich einfach. Tom saß daneben und hörte sich alles an. Was mich nur irritierte, war die Tatsache, dass er dabei nicht erkennen ließ, was in ihm vorging. Denn sonst konnte ich immer an seiner Mimik erkennen, was er dachte.

„Weiß Larissa davon?“

„Bist du wahnsinnig? Natürlich weiß sie nichts davon! Wie stellst du dir das auch vor? Soll ich zu ihr gehen. ‚Schatz, tut mir leid, aber ich habe mich in einen Mann verliebt?!’“

Nachdem ich geendet hatte sah ich Tom einfach nur an, dieser lächelte.

„War es jetzt so schwer das zuzugeben?“

„Wie?“, völlig perplex starrte ich ihn an.

Erst als ich nochmals darüber nachdachte was ich gerade gesagt hatte, wurde mir bewusst was ich eigentlich eingestanden hatte.

„Sprich mit Larissa, Jack. Sie hat es nicht verdient, dass du sie hintergehst.“

„Das ist so einfach gesagt Tom. Ich weiß nicht wie Larissa reagieren wird. Und ich will die Kinder nicht verlieren…“

„Du wirst es nie erfahren, wenn du nicht mit ihr sprichst. Und ich kenne sie ja nun auch ein paar Jahre. Eines kann ich dir da sagen, Larissa wird wohl verletzt sein, das bleibt nicht aus. Aber sie wird euren Streit niemals so ausdehnen, dass sie dir die Kinder nimmt.“

An diesem Abend redete ich noch sehr lange mit Tom. Die gesamte Zeit versuchte er mir gut zuzureden und mir Mut zu machen. Doch es gab eigentlich eher eine andere Sache. die mir nicht wirklich klar war.

„Sag mal warum unterstützt du mich eigentlich so?“

„Was meinst du?“, verständnislos sah Tom mich an.

„Ich dachte eigentlich, dass du mir Vorwürfe machen würdest oder dich von mir abwenden oder was auch immer.“

Tom schlug mir daraufhin mit der flachen Hand gegen die Stirn. Diese Geste hatte bei uns nicht viel zu bedeuten. Er tat das eigentlich seit wir uns kannten, meistens wenn ich ihm nicht zuhörte oder Dummheiten machte.

„Trottel!“, grinste er daraufhin. „Wie lange kennen wir uns jetzt?“

„20 Jahre, ungefähr. Stimmt wir haben uns kennen gelernt als ich 15 war.“

„Siehst du. Seit dieser Zeit bist du mein bester Freund. Und warum sollte ich mich aufregen, wenn mein bester Freund glücklich ist?“

„Du hast mir zugehört?“

„Ja!“, plötzlich seufzte Tom nur und starrte auf die Tischplatte.

„Tom?“, irritiert und besorgt sah ich ihn an. „Was ist los?“

„Ich kenne die Situation in der du jetzt steckst sehr genau, wobei mein Blickwinkel etwas anders ist.“

Genau in diesem Moment verstand ich eigentlich überhaupt nichts mehr.

„Du weißt, wie die Situation mit Bella damals war?“

Überrascht beobachtete ich Tom, dieser blickte immer noch auf die Tischplatte. Sicher kannte ich die Umstände, wie es zur Scheidung von seiner ersten Frau kam. Bella war eben Italienerin die in ihre Heimat zurück wollte. Doch Tom hatte sich mit seiner Kneipe eine Existenz aufgebaut, die er nicht zurücklassen wollte. Somit hatten sie sich immer heftiger gestritten. Eines Abends kam er schließlich nach Hause und Bella war verschwunden. Mit ihr auch ihre Kleidung und andere persönliche Dinge. Tom hatte daraufhin eine Vermisstenanzeige aufgegeben, doch diese hatte auch keine Ergebnisse gebracht. Erst zwei Monate später hatte er einen Brief von einem Anwalt aus Messina erhalten. Bella war in ihre Heimat zurückgekehrt und hatte dort die Scheidung eingereicht. Tom war damals einfach nur entsetzt gewesen. Wenn ich ihn damals nicht aufgehalten hätte, wäre er nach Sizilien geflogen und hätte Bella zur Rede gestellt. Bei der Scheidung war sie noch einmal nach Deutschland gekommen. Doch dieses Aufeinandertreffen führte nur zu einer großen Scheidungsschlacht. Selbst Wochen danach ging es Tom deswegen sehr schlecht. Erst mit der Zeit legte sich das wieder. Aber die Scheidung war inzwischen fast vier Jahre her.

„Sicher weiß ich was damals passiert ist.“, ich nickte. „Warum?“

Plötzlich sah er an die Decke. „Weil es jemanden gab, der mir in dieser Zeit beigestanden hat und mir geholfen hat die Dinge klarer zu sehen. Genau wie Leonard dir diese neue Perspektive aufgezeigt hat.“

Da Toms Ausführungen immer noch nicht wirklich logisch waren, sah ich ihn an und wartete darauf, dass er weiter sprach.

„Du weißt wer Raffael ist?“

„Dein Kellner!?“

„Ja!“, erwiderte er leise.

Je länger wir damals zusammen saßen, desto weniger verstand ich eigentlich, was Tom mir sagen wollte. Plötzlich atmete er tief ein, hob den Kopf und sah mir in die Augen.

„Raffael ist die Liebe meines Lebens, Jack. Wir sind seit drei Jahren ein Paar.“

In diesem Moment war ich so überfordert wie noch nie in meinem Leben.

„Vielleicht klingt es lächerlich Jack, aber ich kann dir nur einen Rat geben. Folge deinem Herzen.“

Mit diesem Gespräch hatte Tom damals wirklich dafür gesorgt, dass ich zu meinen Gefühlen stand. Ich wollte, so egoistisch es klingen mag, die Person an meiner Seite haben, von der ich wusste, dass sie mich glücklich machte. Somit überwand ich mich auch und sprach mit Larissa. Sie war zwar wirklich sehr verletzt und traurig, doch ich konnte ihr daraus keinen Vorwurf machen. Auch wenn es mich sehr überraschte, schafften wir es, nach ein paar Wochen Distanz einen freundschaftlichen Kontakt aufzubauen. Und genauso wie Tom es vermutet hatte, hatte mein Geständnis auch keine Auswirkung auf die Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringen konnte.

Somit war die Thematik um meine Familie also ausgestanden. Doch ein weit größeres Problem war Leonard. Seit dem Abend im Wald, an dem alles seinen Anfang genommen hatte, hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Und ich konnte ja nicht so einfach zu ihm fahren, klingeln und ihm dann meine Liebe gestehen. Nein, so würde das sicher nicht funktionieren. Somit grübelte ich wochenlang, was ich am besten tun würde. Doch mir fiel nichts wirklich Brauchbares ein. Erst Tom war es, der Leonard und mich, wenn auch unbeabsichtigt, das erste Mal seit langem wieder zusammen führte. Es hatte sich nämlich eine große Firma in Toms Kneipe angekündigt, diese wollte dort einen gelungenen Vertragsabschluss feiern. Nur war Raffael in dieser Zeit nach Spanien geflogen, um seine Schwester zu besuchen, die ihr erstes Kind bekommen hatte. Aus diesem Grund hatte Tom mich gebeten, auszuhelfen. In den letzten Jahren hatte ich das öfter getan, deshalb machte es mir auch nichts aus. Nur hatte ich nicht erwartet, bei den Feierlichkeiten Leonard in die Arme zu laufen. Er war nämlich der Rechtsanwalt, der die juristischen Belange der Verträge ausgearbeitet hatte, und wurde somit vom Firmenvorstand auch eingeladen. Wie erstarrt stand ich ihm damals gegenüber und sah ihn an. In seinen Augen lag immer noch der gesamte Schmerz, den ich ihm Wochen vorher zugefügt hatte. Er war es schließlich auch, der sich abwandte und mich einfach stehen ließ. Und ich konnte ihm deswegen nicht einmal böse sein, dazu hatte ich ihn zu sehr verletzt. Den gesamten Abend gingen wir uns daraufhin aus dem Weg. Doch zum Ende hin hielt ich diese Spannung einfach nicht mehr aus. Ich ging zu Leonard und bat ihn um ein Gespräch. Wohl auch um Aufsehen zu vermeiden willigte er schließlich ein und ging mit mir nach draußen.

„Was willst du?“, fragte er kühl. Doch das leichte Zittern in seiner Stimme konnte er nicht verbergen.

„Ich möchte mich entschuldigen, Leonard.“, erklärte ich und sah ihn an.

„Glaubst du das funktioniert so einfach?“, wollte er wissen und sah an mir vorbei in den Himmel hinauf. „Du hast mir so wehgetan Jack, dass kann ich nicht einfach vergessen!“

„Ich war so dumm Leonard. Und es tut mir Leid, wirklich.“

„Bitte spiel nicht mit mir Jack. Das würde ich nicht überleben.“

„Ich will nicht mit dir spielen, ich will dich!“, erklärte ich und machte einen Schritt auf ihn zu. Doch Leonard wich nicht zurück, vielmehr sah er mir wieder in die Augen. Erst jetzt erkannte ich auch, dass er weinte.

„Nicht, Leonard.“, meinte ich leise und strich ihm die Tränen weg.

In diesem Moment spürte ich, wie er seine Wange an meine Hand schmiegte.

„Jack ich liebe dich. Das kannst du nicht wegdiskutieren. Auch wenn du es vielleicht möchtest.“, erwiderte er traurig.

Genau in diesem Moment küsste ich ihn einfach. Es war mir egal ob jemand in der Nähe war. Nachdem ich mich jedoch von Leonard gelöst hatte, wollte ich wieder weglaufen, warum, war mir selbst nicht klar. Doch er bekam mich an meinem Handgelenk zu fassen und zog mich wieder zu sich. Kurz darauf küsste er mich wieder. Danach drückte er mich einfach an sich und sagte nichts mehr. Von diesem Abend an waren wir… Ja was waren wir eigentlich? Ich wusste und weiß es bis heute nicht. Zusammen? Ein Paar? Konnte sein. Es war einfach alles so neu für mich, ich fühlte mich, als ob man mich in eine komplett neue Welt geworfen hatte. Und ich diese erst allmählich begreifen konnte. Leonard versuchte mir dabei die größtmögliche Hilfestellung zu geben, doch ich verstand mich ja selbst nicht mehr. Wie hätte ich mir da von jemand anderem helfen lassen sollen? Ich bin auch heute noch der Meinung, dass ich Leonard in dieser Zeit oft sehr ungerecht angegangen habe. Aber schließlich war er doch für all die Veränderung in meinem Leben verantwortlich, oder? Oh Mann, was war nur aus mir geworden? Ich hatte einfach keine Ahnung mehr, was richtig oder falsch war! Dabei war doch in meinem Leben einmal alles so gelaufen, wie es sollte. Nur jetzt? Irgendwie war das alles was auf mich einbrach zu viel, viel zu viel. Ich fühlte mich einfach überfordert. In der gesamten Zeit führte ich viele Gespräche mit Tom und auch mit Larissa. Für sie war die Situation wohl genauso seltsam wie für mich, doch sie versuchte immer mich zu unterstützen. Tom meinte einfach, dass ich mir Zeit lassen und nicht zu viel von mir verlangen sollte. Seiner Meinung nach würde sich mit der Zeit alles ergeben. Eigentlich das Schönste an der gesamten Situation war, dass sowohl Ethan als auch Jessica sich direkt mit Leonard verstanden. Sicher, Ethan war noch zu jung, um wirklich zu verstehen, dafür konnte ich mich aber auf Jessica verlassen. So wie sie es ausdrückte, freute sie sich, dass ‚ihr Papa einen so tollen Typen abbekommen hatte’. Es war auch irgendwie seltsam, anfangs hatte ich solche Bedenken gehabt, mit meiner Familie zu sprechen. Nur jetzt schienen sich alle Probleme einfach aufzulösen. Larissa stand trotz allem zu mir und unterstützte mich so gut sie konnte, die Kinder mochten Leonard und Tom stand mir auch zur Seite. Eigentlich war alles perfekt. Doch dann machte ich aus Feigheit heraus die allergrößte Dummheit, die ich machen konnte.

Für Leonard war diese Situation wohl fast noch schlimmer, als die Situation damals im Wald. Zusammen mit ihm war ich auf einer Geschäftsfeier der Versicherung für die ich oft als freier Angestellter Verträge abwickelte. Der Chef hatte mich damals eingeladen und das ausdrücklich mit einer Begleitung. Eigentlich war mir klar, dass er erwartete, dass ich meine Frau mitbrachte. Doch wie hätte ich ihm denn erklären sollen, dass ich von Larissa getrennt war und jetzt mit Leonard zusammen lebte? Zudem war dieser Mann sehr konservativ und ich wusste, dass ich mit keinem neuen Auftrag mehr rechnen konnte, wenn ich Leonard als meinen Freund vorstellte. Nur was sollte ich dann tun? Irgendwann am Abend stand ich mit Leonard an einem der aufgebauten Tische und wollte einfach mit ihm besprechen, was ich tun sollte. Nur war es leider so, dass gerade in diesem Moment Herr Jesper, der Chef der Versicherung, zu uns kam. Ich sah ihm genau an wie sein Lächeln langsam verblasste als er beobachtete, dass Leonard und ich zusammen an dem Tisch standen. Zögernd kam er schließlich zu uns herüber, dabei lag ein sehr künstliches Lächeln auf seinem Gesicht.

„Ach guten Abend Herr Davis! Das ist aber schön, dass sie es einrichten konnten, bei unserer kleinen Feierlichkeit anwesend zu sein. Und wer ist ihre Begleitung?“

Mit einem sehr seltsamen Gesichtsausdruck sah er Leonard an. „Ich glaube, wir wurden uns noch nicht vorgestellt.“, daraufhin streckte er ihm die Hand hin.

Leonard nahm sie eher zögernd. „Leonard Benson.“, erwiderte er schließlich.

„Freut mich, freut mich.“, meinte Herr Jesper nur kühl. Dann wand er sich wieder mir zu. „Eigentlich hatte ich ja erwartet, dass sie ihre bezaubernde Frau mitbringen würden.“

In diesem Moment blieb mir die Luft weg. Mir war von Beginn an klar, dass diese Frage irgendwann kommen musste, doch jetzt wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich wusste nur, dass ich mich in die Ecke gedrängt fühlte. Und ohne, dass ich darüber nachdachte sagte ich zwei Sätze. Zwei Sätze die alles zerstörten, was ich im Begriff war, mir aufzubauen.

„Ach wissen Sie, meine Frau ist leider verhindert. Deshalb habe ich auch einen Freund mitgebracht.“

Erst nach dem diese Worte langsam in mein Gehirn gekrochen waren wurde mir bewusst, was ich da getan hatte. Ich hatte Leonard verleugnet. Im ersten Moment traute ich mich nicht einmal in seine Richtung zu sehen.

„Dann wünsche ich ihnen noch viel Spaß.“, meinte Herr Jesper plötzlich und ging wieder davon. Für einen kurzen Moment glaubte ich, Erleichterung auf seinen Zügen zu erkennen. Langsam drehte ich mich schließlich zu Leonard um. Dieser stand neben mir und hatte seine Finger in das Sakko gekrallt das er in der Hand hielt.

„Ich hätte es wissen müssen!“, sagte er nur. Dann drehte er sich um und ging aus den Räumlichkeiten.

Ein paar Sekunden starrte ich ihm einfach hinterher. Doch dann nahm ich schnell meine Sachen und folgte ihm. Mein Problem war nur, dass der Parkplatz vor dem Festsaal sehr weitläufig und verwinkelt war. Somit konnte ich das Gelände nicht auf einmal überblicken. Schließlich rannte ich in die Richtung, in der wir geparkt hatten. Da wir mit seinem Wagen gekommen hatten, wusste ich auch, dass Leonard die Wagenschlüssel in der Tasche hatte. Also war es doch nur eine logische Schlussfolgerung, dass er mit dem Auto fahren würde. Oder nicht? Als ich näher kam sah ich ihn auch wirklich vor dem Auto stehen.

„Leonard! Warte!“, rief ich als ich nahe genug war.

„Warum sollte ich das noch tun Jack? Warum?“

„Ich hätte das nicht sagen dürfen. Ich hätte ehrlich sein müssen.“, versuchte ich zu erklären. Doch Leonard schnitt mir mit einer Handbewegung das Wort ab.

„Du musst mir nichts mehr erklären Jack. Nie mehr! Ich habe dich einmal gebeten, nicht mit mir zu spielen. Scheinbar sind dir deine Aufträge aber wichtiger als ich.“

Völlig perplex starrte ich ihn an. Wie konnte es sein, dass er wusste was meine Überlegungen waren?

„Sieh mich nicht so überrascht an. Ich bin zwar erst seit kurzem Jurist, aber ich weiß auch trotzdem wie die Branche funktioniert. Und ich kenne auch Herrn Jesper. Obwohl er es ablehnt mich zu kennen. Da du dir ja sicherlich selbst erklären kannst, warum er nichts mit mir zu tun haben will, muss ich dir das nicht auch noch erklären.“

Ohne zu antworten sah ich Leonard für ein paar Sekunden an. Als ich jedoch einen Schritt auf ihn zumachen wollte, blockte er mich aber ab.

„Das funktioniert nicht, Jack. Du kannst nicht von mir erwarten, dass du mich vorher zutiefst verletzt und dann mit ein paar Zärtlichkeiten alles aufwiegst.“, traurig schüttelte er den Kopf.

„Aber…“

„Werd dir erstmal klar, was du willst.“, erklärte er nüchtern, stieg in seinen Wagen und fuhr davon.

Voller Wut trat ich damals gegen einen der Metallmülleimer, die überall auf dem Parkplatz standen, dieser fiel scheppernd zu Boden. Doch es interessierte mich nicht, es war mir einfach egal. Ich hatte nur eine schreckliche Wut in mir, die ein Ventil brauchte. Auf wen ich eigentlich sauer war, wusste ich nicht. Einerseits ärgerte ich mich über mich selbst. Ich wollte sein wer ich wirklich war, wollte mit Leonard glücklich werden. Doch meine eigene Dummheit hatte mir diese Chance zerstört. Andererseits war ich verärgert, weil Leonard mich scheinbar nicht verstehen wollte! Er wusste doch wie neu das alles für mich war. Konnte er da nicht verstehen, dass mir manches noch fremd war was für ihn zum Alltag gehörte? Wie ich an diesem Abend schließlich nach Hause kam wusste ich nicht. Das Einzige, an das ich mich erinnere ist, dass ich am Morgen durch Jessicas laute Musik geweckt wurde. Da das Haus in dem ich mit meiner Familie wohnte eigentlich aus zwei Wohnungen bestand, hatten Larissa und ich beschlossen, dass ich meine Räumlichkeiten in der oberen Wohnung hatte. Doch in dieser Nacht war ich wohl auf dem Sofa eingeschlafen. Und ich fühlte mich schrecklich. Zum einen schmerzte mein Rücken, wohl durch die seltsame Schlafposition, die ich gehabt hatte. Das andere Problem war viel tiefer in mir. Mein Herz schrie nach Leonard. Ich vermisste einfach die Art, wie er mich morgens geweckt hatte, oder wie wir in den Tag gestartet waren. Eben die Kleinigkeiten fehlten mir, dabei waren wir erst eine Nacht voneinander getrennt. Schließlich kam Ethan in das Wohnzimmer gerannt und sah mich auf dem Sofa sitzen, als ich versuchte den Schmerz aus meiner Wirbelsäule zu vertreiben.

„Papa, was machst du hier?“, fragte er mich fast schon vorwurfsvoll. Scheinbar war er es gewohnt, dass ich morgens nicht zu Hause war, sondern bei Leonard. Dann sprang er zu mir auf das Sofa und kuschelte sich an mich.

„Oder ist Leonard auch da?“, war dann die hoffnungsvollere Frage. Bevor ich antworten konnte quasselte er schon weiter. „Weißt du, der hat nämlich versprochen, mit mir Fußball zu spielen.“

Genau in diesem Moment wurde mir bewusst, was ich eigentlich zerstört hatte. Nicht nur ich hatte Leonard wohl für immer verloren. Nein, auch meinen Kindern hatte ich einen Freund genommen.

„Nein, Leonard ist nicht hier, Ethan, und ich weiß auch nicht wann er wieder einmal her kommt.“

„Papa du bist doof!“, erwiderte er da nur, sprang vom Sofa und rannte zur Wohnzimmertüre. Von dort drehte er sich nochmals um. „Der Leonard war voll cool! Mach, dass er wieder kommt und mit mir spielt!“, dann drehte er sich endgültig weg von mir und rannte davon.

Kurz darauf sackte ich in mir zusammen. Toll, mein Sohn war sauer auf mich, weil ich Leonard vertrieben hatte. Leonard war sowieso sauer auf mich. Und auch Jessica würde ärgerlich sein, wenn sie von alle dem erfuhr. Denn ich wusste, dass sie mit Leonard endlich jemanden gefunden hatte, der ihr größtes Hobby, die Fotografie, mir ihr teilte. Oft hatte ich beobachten können, wie sie stundenlang zusammen saßen und über Objektive, Linsen und all diese Dinge fachsimpelten. Doch das hatte sich mit meinem Auftreten wohl auch erledigt.

„Würdest du mir bitte verraten, was mit Ethan los ist?“

Erschreckt fuhr ich herum, als ich plötzlich Larissas Stimme hinter mir hörte. Da ich sie nie besonders gut anlügen konnte, erzählte ich ihr einfach was passiert war.

„Weißt du eigentlich, wie mich deine Feigheit manchmal ankotzt?“, wollte sie wissen nachdem sie mir einfach zugehört hatte.

Überrascht sah ich sie an, sagte aber nichts.

„Ich mache dir keine Vorwürfe, dass du dich für Leonard entschieden hast Jack. Liebe passiert, und als einfacher Mensch kommt man auch nicht gegen diese Gefühle an. Aber eine Sache ärgert mich in den letzten Wochen und Monaten wirklich maßlos. Sag mir, was empfindest du für Leonard?“

Schwierige Frage! War ich bereits so weit zu sagen, dass ich Leonard liebte? Aber warum eigentlich nicht? Es war doch so! Diese Gefühle lagen doch seit langem in meinem Herzen. Nur war es für mich so, als ob ich sie nicht zulassen durfte.

„Ich liebe ihn.“, ich musste zugeben, dass dieser Satz mich selbst überraschte. Ich hatte das ausgesprochen, was ich mich bei Leonard nie getraut hatte. Immer war ich im entscheidenden Moment wieder zu feige gewesen.

„Warum zeigst du ihm das dann nicht? Ich hab in den letzten Monaten so oft gesehen, wie er sehnsüchtig darauf gewartet hat, nur eine kleine Geste von dir zu bekommen, die ihm zeigt, dass er dir wichtig ist.“

„Aber ich habe doch…“, ich konnte meinen Satz nicht beenden da mich Larissa direkt wieder unterbrach.

„Was hast du, Jack? Ich werde es dir sagen, nichts hast du getan! Gar nichts! Nicht einmal habe ich gesehen, dass du öffentlich für ihn eingetreten bist, obwohl es manchmal Situationen gab, in denen er dich dringend gebraucht hätte. Aber du warst nur mit der Pflege deines Selbstmitleids beschäftigt! Weißt du eigentlich, dass du Leonard nie gezeigt hast, dass du ihn liebst? Mit mir hat er gesprochen. Ja! Mit mir! Du brauchst mich gar nicht so komisch ansehen. Leonard brauchte und braucht genauso wie du jemanden, der ihm einfach einmal zuhört und ihn unterstützt. Und soll ich dir etwas sagen? Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft er völlig fertig mit mir in der Küche saß und fast geheult hat. Willst du wissen wieso? Weil er glaubt, dass er für dich nur Mittel zum Zweck ist! Du gibst ihm das Gefühl, dass er gerade eine Hilfe ist mit deiner neu entdeckten Homosexualität umzugehen. Aber sonst ist von deiner Seite aus nichts da!“

„Aber… Aber kannst du dir nicht vorstellen, dass die Situation auch für mich schwer ist?“, erwiderte ich matt.

„Wird man durch die Schwierigkeiten, vor die man im Leben gestellt wird, eigentlich blind oder was soll das Jack?“, schrie Larissa schon fast. „Ich habe mich damals in dich verliebt, gerade weil du in dieser Thematik so anders warst als alle anderen die ich kannte. Für dich waren die Gefühle der anderen immer genauso wertvoll wie deine eigenen. Und was tust du jetzt? Du hältst dich und deine Probleme, Schwierigkeiten und Gefühle für die größten Themen, die es gibt. Dabei merkst du gar nicht mehr, wie alles um dich herum langsam zerbricht.“

„Was meinst du damit?“, wollte ich fassungslos wissen.

„Wie es mit dir und Leonard weiter geht kann ich nicht beurteilen. Aber merkst du nicht, dass du kurz davor bist, die Liebe deiner Kinder zu verspielen? Ethan wird erst zehn, der versteht noch nicht richtig, was hier gerade passiert. Aber kannst du dir nicht vorstellen, dass er auch unter der Situation leidet? Für ihn ist es unvorstellbar gewesen, dass sich Mama und Papa nicht mehr lieb haben. Und dann hast du Leonard vorgestellt. Leonard ist in dieser, für Ethan so unübersichtlichen Situation, zu einer weiteren Bezugsperson für ihn geworden. Nur du reißt ihm diese Person auch wieder weg. Wie soll er sich denn darauf verlassen können, dass irgendetwas von Dauer ist? Für Jessica ist es doch genauso schwer. Sicher sie ist die Ältere der beiden. Doch was heißt das schon? Für sie war es genauso schlimm, dass wir uns scheiden lassen wollen. Nur hat sie dafür in Leonard einen Freund gefunden, jemand der ihre Interessen mit ihr teilt und der für sie da ist. Was glaubst du wie sie sich fühlt, wenn du ihr diesen Freund jetzt wieder nimmst? Steh doch endlich dazu wer du bist!“

Betreten und völlig beschämt sah ich auf den Boden vor mir. Ich war so blind gewesen! Irgendwie waren diese klaren Worte von Larissa, dass was ich gebraucht hatte um wieder klar zu sehen. Ich kann gar nicht in Worte fassen wie sehr ich sie für ihre Stärke bewundere. Ohne meine Antwort abzuwarten, ging sie schließlich zur Türe.

„Klär das! Schon alleine um deiner Kinder Willen.“, meinte sie nur noch zu mir und ging endgültig aus dem Raum.

Nach diesem Gespräch vergingen Wochen, in denen ich nicht wusste, was ich tun sollte. Mehrmals hatte ich versucht, Leonard zu erreichen und mit ihm zu sprechen. Doch dieses Mal war er es, der nicht wollte. Eines Abends, als ich wieder anrief, nahm schließlich jemand das Gespräch an.

„Bei Benson?“, hörte ich nur eine mir völlig unbekannte männliche Stimme.

Sollte das etwa heißen, dass Leonard mich so schnell vergessen und ersetzt hatte? Eigentlich traute ich ihm das nicht zu. Doch was wusste ich noch von Leonard, nach all dem was ich getan hatte?

Ich schluckte. „Ja,… äh hier ist Jack. Ähm, ich wollte eigentlich mit Leonard…“

„Mein kleiner Bruder ist für Arschlöcher wie dich nicht zu sprechen!“, kam nur die barsche Antwort bevor aufgelegt wurde.

Kraftlos strich ich mir über das Gesicht. Wie schwer hatte ich Leonard nur verletzt, dass die Erwähnung meines Namens reichte, um so eine Reaktion zu erzeugen? Nachdem ich lange gegrübelt hatte ging ich in die Küche, um mir etwas zu essen zu machen. Dort traf ich schließlich auch auf Larissa. Seitdem sie mir an diesem Morgen die Meinung gesagt hatte, hatte sich unser Verhältnis eigentlich wieder normalisiert. Aber das war bei ihr öfter so. Sie war, meiner Meinung nach passte dieses Bild einfach am besten, wie das Meer. Wenn ihr etwas wichtig war konnte etwas sie schnell aus der Ruhe bringen. Und dann war es wie, wenn das Wasser losbrach und seine zerstörerische Kraft freisetzte. Genauso schnell beruhigte sich Larissa oft wieder, wobei bei ihrem Gegenüber das, was sie sagen wollte wirklich ankam.

„Wusstest du eigentlich, dass Leonard einen Bruder hat?“, versuchte ich so beiläufig wie nur möglich zu fragen.

Doch Larissa rollte nur mit den Augen und sah mich leicht genervt an.

„Peer, vier Jahre älter als Leonard, somit müsste er jetzt 33 sein, gelernter Rechtsanwaltsfachangestellter, arbeitete als Angestellter in Leonards kleiner Kanzlei. Noch Fragen?“

Direkt nach dieser Antwort ging ich in eine sehr defensive Position. „Woher sollte ich das wissen?“

„Über was hast du eigentlich mit Leonard gesprochen, wenn ihr zusammen wart?“

„Äh,…“

Gut ich gebe es zu. Wir hatten eigentlich immer über meine Probleme und Ängste gesprochen. Dabei hatte ich aber die Gelegenheit verpasst, Leonard wirklich kennen zu lernen. Immer hatte er sich für mich aufgeopfert. Doch wie hatte ich es ihm gedankt? Irgendwie machte ich wohl nur Fehler in den letzten Monaten.

„Sei doch einfach wieder derselbe wie früher und interessier dich einmal für etwas anderes außer dir und deinem Ego.“, erwiderte Larissa daraufhin.

„Ich bin aber nicht mehr derselbe wie früher!“, schrie ich sie an.

Doch Larissa blieb völlig ruhig und gelassen, dann schüttelte sie ihren Kopf. „Du bist noch genau derselbe Mann wie früher, Jack. Nur, weil du dich jetzt endlich selbst entdeckt hast, glaubst du, dass du ein anderer Mann geworden bist. Aber das ist nicht so! Vielleicht hat sich deine Sexualität verändert, aber dein Charakter ist noch genau derselbe, den du vorher hattest. Gib dir doch selbst die Chance, dass du ihn wieder zeigst. Lass die anderen wissen, dass du dich nicht wesentlich verändert hast.“

„Woher willst du das wissen?“, blaffte ich zurück. „Du hast doch keine Ahnung!“

„Du bist so ein Arschloch!“, antwortete sie mir nur, bevor sie mir eine Ohrfeige gab und aus der Küche rannte.

Genau in diesem Moment wusste ich, dass ich viel zu weit gegangen war. Ach verdammt! Dabei wusste ich doch, wie sehr sie die Erinnerung an Malik immer noch quälte. Er war damals ihr bester Freund gewesen. Irgendwann hatte er sich jedoch das Leben genommen, ohne dass jemand wusste warum. Erst durch den gefundenen Abschiedsbrief wurde klar, dass Malik schwul war und nicht damit zurecht kam. Scheinbar panisch vor Angst jetzt für immer‚anders’ als alle anderen zu sein, sprang er dann von einer Brücke. Und Larissa kämpfte immer noch damit. Sie hatte zwar Freunde, aber einen besten Freund hatte es seitdem nie wieder gegeben. Ich seufzte. Was hatte ich eigentlich getan, dass mein Leben sich so verkomplizierte?

Doch der Streit mit Larissa hatte mir irgendwie gut getan. Mir wurde klar, dass sie Recht hatte. Ich wollte mein eigenes Leben wieder in der Hand haben. Somit begann ich mich aus meiner Passivität zu lösen und wieder aktiv zu werden. Als erstes entschuldigte ich mich bei Larissa und söhnte mich mit ihr aus. Dann suchte ich das Gespräch mit meinen Kindern. Ethan wollte zwar zuerst nicht mit mir sprechen, doch nachdem ich mehrere Stunden auf der Treppe vor seiner verschlossenen Türe saß, öffnete er doch noch. Somit konnten wir einfach wieder reden. Eine Sache, die mir so weit weg erschien. Das Gespräch mit Jessica war jedoch schwerer als ich es erwartet hatte. Es waren sicher mehrere Wochen, in denen ich mich darum bemühte, dass sie mich wenigstens anhörte. Nur wollte sie das scheinbar nicht, denn sie ignorierte mich völlig. Eines Abends ging ich schließlich auf die Terrasse, um ein wenig zur Ruhe kommen zu können. Doch plötzlich hörte ich etwas wie ein leises Wimmern und Schluchzen. Als ich nachsah entdeckte ich Jessica, sie saß zusammengekauert in dem Baumhaus ihres Bruders, dass wir drei Jahre zuvor gebaut hatten. In der Hand hielt sie ein altes Familienfoto von uns. Dass sie weinte erkannte ich direkt.

„Jessica?“

In dem Moment in dem ich sie ansprach, wurde sie völlig ruhig. Doch sie reagierte sonst überhaupt nicht auf mich.

„Was ist los mit dir meine Große?“, wollte ich schließlich wissen und setzte mich neben sie.

„Ich will, dass alles wieder so wird, wie es war.“, schrie sie plötzlich.

Als ich versuchte sie in den Arm zu nehmen, wehrte sie sich sehr stark. Da ich sie aber trotzdem festhielt, schlug sie mir mit den Fäusten gegen die Brust. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich wieder beruhigte.

„Warum kann nicht alles wieder so sein, wie es war?“, schluchzte sie plötzlich.

„Weil sich Situationen im Leben ändern, ohne dass wir etwas dagegen tun können.“

„Dann vertrag dich doch wenigstens wieder mit Leonard. Der hat mir wenigstens zugehört, wenn ich jemanden gebraucht habe.“

„Wie meinst du das?“

„Na ja…“, plötzlich druckste Jessica herum, dann straffte sie sich jedoch. „Weil Mama ihre eigenen Probleme hat. Ethan ist noch zu klein, um mit ihm über so etwas zu sprechen. Mit meinen Freundinnen in der Schule will ich nicht reden. Das finde ich irgendwie komisch.

Und du? Du hattest doch nie Zeit! Immer ging es nur um dich! Wenn ich mit dir sprechen wollte, hast du immer wieder gemeint, dass es gerade nicht geht. Einmal war es beruflich, dann wieder, weil du wegen irgendetwas schlechte Laune hattest. Wann soll ich dann mit dir reden? Sag mir das doch mal! Leonard war der Einzige, der mich einmal gefragt hat, wie es mir geht. Er hat sich auch für mein Hobby interessiert. Ich hab einfach den Eindruck gehabt, dass ich für ihn wichtig war. Verstehst du das nicht?“

Irgendwie bemerkte ich gerade, wie viel Jessica von ihrer Mutter hatte. Sie hatte dieselbe Gabe, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

„Jessica, ich verspreche dir, dass ich mich ändern werde. Und ich werde auch endlich mit Leonard sprechen!“

„Wirklich?“, leicht zweifelnd sah sie mich an.

„Mein Ehrenwort.“, erwiderte ich und reichte ihr die Hand.

„Ach Papa!“, seufzte Jessica und fiel mir in die Arme. „Ich hab dich lieb!“

„Ich dich auch, meine Große!“

Von da an war eigentlich alles geklärt zwischen uns. Ich verstand mich wieder mit meinen Kindern, und mit Larissa war auch alles wieder in Ordnung. Nur mein Versprechen, mit Leonard zu sprechen, hatte ich noch nicht halten können. Eine Tatsache, die mir ein sehr schlechtes Gewissen machte. So vergingen die Wochen und die Dinge gingen wieder ihren normalen Weg. Na ja, eben bis heute Morgen. Auf die Aufforderung von Larissa und mir hin hatte Ethan eine Wunschliste für seinen Geburtstag geschrieben. Und ich hatte mich noch gewundert, warum er ein solches Geheimnis um diese Liste gemacht hatte. Auf jeden Fall musste ich später mit Larissa sprechen. Vielleicht wusste sie, was ich tun sollte. Nur musste ich jetzt erstmal den Tisch wieder putzen, da ich keine Lust auf eine Diskussion mit Larissa hatte, weil der Tisch Kaffeeflecken hatte. Plötzlich hörte ich jedoch ein leises Kichern hinter mir und drehte mich herum. Hinter mir stand Larissa und grinste mich jetzt an.

„So wie der Tisch aussieht nehme ich an, dass du von deinem Sohn dieselbe Liste bekommen hast wie ich.“, meinte sie ruhig und setzte sich zu mir an den Tisch.

Auf meinen fragenden Blick hin zog sie ein gefaltetes, weißes Blatt aus der Hosentasche, dieses hatte viel Ähnlichkeit mit dem Zettel den ich bekommen hatte. Als Larissa das Blatt vorsichtig auf dem Küchentisch glatt strich, erkannte ich, dass es sich wirklich um die Wunschliste handelte die auch ich von Ethan bekommen hatte.

„Und was sagst du dazu?“, wollte ich einfach von ihr wissen.

Nachdenklich sah Larissa mich an, dann hob sie kurz die Schultern. „Ich hab keine Ahnung, was ich dazu sagen soll Jack, dieses Mal wirklich nicht. Für mich wäre dieser Urlaub nicht das Problem, mir stehen sowieso noch vier Wochen Urlaub zu. Aber ich weiß nicht wie es bei Leonard ist. Es wäre sowieso erstmal die Frage, ob er überhaupt Zeit hätte. Was aber viel wichtiger wäre ist die Frage ob er mitkommen will, wenn er weiß, dass du dabei bist. Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber ich glaube nicht, dass Leonard dir so schnell vergeben wird. Egal wie sehr er dich liebt.“

„Aber ich denke einfach, dass ich mit ihm reden muss. Ethan und Jessica vermissen Leonard.“

Als ich wieder zu Larissa sah und ihr Grinsen beobachtete war ich völlig verwirrt. „Was?“

„Jetzt erklär mir auch noch, dass Ethan und Jessica die einzigen Menschen in diesem Haus sind, denen Leonard fehlt.“

Damit hatte Larissa mich eindeutig ertappt. Eigentlich konnte ich es auch nicht leugnen, dass Leonard mir fehlte. Das sah man schon an den dunklen Augenringen und an dem rapiden Gewichtsverlust, den ich seit der Trennung von Leonard durchgemacht hatte. Wobei Außenstehende die Gründe nicht kannten und glaubten, ich sei krank.

„Du hast Recht.“, gab ich schließlich zu.

„Oh Mann! Dass ich meinem eigenen Mann einmal helfe, dass er mit einem anderen Mann glücklich wird, hätte ich auch nicht gedacht, als wir geheiratet haben.“, erklärte Larissa plötzlich und schüttelte den Kopf.

„Ich hätte das alles so auch nicht geglaubt.“

„So und jetzt werden wir nicht melancholisch, sondern aktiv und versuchen unserem Sohn seinen Geburtstagswunsch zu erfüllen und verschaffen dir die Beziehung, die dich glücklich macht.“ Plötzlich schien Larissa aber noch etwas einzufallen. „Soll ich mit Leonard sprechen oder fährst du zu ihm?“

„Lass mal, ich glaube, dass muss ich machen. Fehler machen konnte ich schließlich auch selbst.“

Plötzlich kicherte sie aber wieder. „Du solltest im Übrigen aufpassen, ob Peer da ist. Würde ich zumindest annehmen.“

„Warum denn das?“, fragte ich zurück.

„Na ja, der ist fast zwei Meter groß, trainiert seit seiner Kindheit asiatische Kampfsportarten und soweit ich weiß hat er einen sehr ausgeprägten Beschützerinstinkt seinem kleinen Bruder gegenüber.“

Ich schluckte hart, irgendwie klang das sehr gefährlich, wobei ich das wohl durchstehen musste.

„Wird schon irgendwie klappen.“, meinte ich, wobei ich nicht wirklich davon überzeugt war.

„Mach dir keine Sorgen!“

„Sagst du so einfach, ich bin so nervös wie selten.“

Somit ging ich aber doch in den Flur und nahm die Autoschlüssel vom Haken neben der Eingangstüre. Nachdem ich mich schließlich von Larissa verabschiedet hatte, lief ich zu meinem Wagen und fuhr zu Leonards Kanzlei. Doch alles was ich sah, war ein weißes Papierschild das über die eigentliche Messingtafel der Kanzlei geklebt war. Und soweit es auf dieser stand, hatte Leonard die Kanzlei für zwei Wochen geschlossen, laut dem Pappschild aus familiären Gründen. Nur war mir klar, dass ich daran nicht ganz unschuldig war. Somit setzte ich mich wieder in den Wagen und machte mich auf den Weg zu seiner Privatwohnung. Schon kurze Zeit später stand ich auch schon vor dem großen Altbauhaus. Zwar zitterten meine Hände, aber ich nahm trotzdem meinen gesamten Mut zusammen und ging in den ersten Stock, wo Leonard seine Wohnung hatte. Bevor ich noch zurückweichen konnte, hatte ich entschieden den Klingelknopf gedrückt. Zuerst war alles still in der Wohnung und ich wollte wieder gehen, doch dann wurde die Türe doch noch aufgemacht. Super! So was nennt man wohl einen Volltreffer. Das musste also Peer sein. Und was mir am meisten Sorgen machte, war die Tatsache, dass Larissa nicht übertrieben hatte. Ob der wohl in der Realität auch so barsch war wie am Telefon? Ich schluckte.

„Was ist?“, wollte er dann wissen.

„Ich wollte zu Leonard.“, erklärte ich und versuchte, meiner Stimme soviel Halt wie möglich zu geben.

Für einen kurzen Moment schien Peer schließlich unsicher zu werden.

„Komisch, der Kleine hat mir gar nicht erzählt, dass er Besuch erwartet.“, murmelte er schließlich. Dann sah er mich misstrauisch an. „Wer bist du denn?“

Ohne ihn anzusehen, antwortete ich ihm schließlich. „Ich bin Jack!“

„Ach so, ich bin Peer. Der… Moment Mal!“, unterbrach er sich plötzlich selbst. „Wer bist du?“, grollte er dann und sah mich herausfordernd an.

„Jack.“

Im nächsten Moment wusste ich, warum Larissa mich vorgewarnt hatte. Schneller als ich reagieren konnte, hatte Peer mich an die Wand des Treppenhauses gedrückt. Seinen Unterarm presste er dabei sehr schmerzhaft gegen meinen Hals, somit blieb mir die Luft weg.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du Arschloch den Mut hast, hierher zu kommen!“, zischte er dann.

Und ich war mir sicher, dass er im nächsten Moment zugeschlagen hätte, wenn Leonard nicht plötzlich in der Türe gestanden wäre.

„Lass ihn los, Peer!“, meinte er leise, aber mit Nachdruck.

„Warum sollte ich das tun? So wie der dich behandelt hat?“

„Lass ihn los Peer! Bitte!“

Und schließlich lockerte sich sein Griff auch wirklich. Da mir im ersten Moment die Beine wegsackten, rutschte ich einfach auf den Boden des Treppenhauses und versuchte wieder normal zu atmen.

„Wenn was ist, dann sag mir das aber!“, wand Peer dann plötzlich ein.

„Mach dir keine Sorgen.“, erwiderte Leonard nur.

„Mach se hänelle ei jotta herkkäuskoinen. Me soittaa!“, rief Peer ihm noch zu, bevor er die Treppen nach unten ging.

„Kyllä!“, erwiderte Leonard und nickte.

Ich saß in diesem Moment immer noch auf dem Boden und war dabei diesem Wortwechsel sprachlos gefolgt. Würde mir bitte jemand wenigstens sagen, welche Sprache das war? Irgendwie war mir klar, dass Leonard und Peer versuchten sich zu unterhalten ohne, dass ich es verstehen konnte. Es war aber trotzdem eine seltsame Situation. Erst als er Peer nicht mehr sehen konnte drehte sich Leonard zu mir um. Irgendwie konnte ich die Distanz zwischen uns fast schon spüren.

„Was willst du, Jack?“, fragend sah er mich an.

„Ich muss mit dir reden! Es ist wichtig!“

„Ich werde nicht zurückkommen!“, erklärte er entschieden. Doch irgendwie hatte ich die Meinung, dass diese entschlossene Haltung nicht ehrlich war. Für mich wirkte sie eher zum Schutz aufgesetzt.

„Darum geht es gerade auch nicht. Ich wollte wegen etwas anderem mit dir reden.“

„Ach ja?“, fragte er misstrauisch. „In Ordnung, dann komm rein.“

Mühsam rappelte ich mich schließlich hoch und folgte Leonard in seine doch sehr große Wohnung. Gemeinsam setzten wir uns ins Wohnzimmer.

„Was war das gerade eigentlich für eine Sprache?“, wollte ich dann wissen.

„Finnisch.“, antwortete er nur.

„Ah ja.“

„Würdest du mir dann bitte sagen, warum du hier bist? An der Bekanntschaft mit meinem Bruder kann es ja nicht unbedingt gelegen haben.“

„In Ordnung, ich bin wegen Ethan hier!“

Plötzlich sah Leonard mich besorgt an. „Was ist mit ihm? Geht es ihm nicht gut?“

„Es ist alles in Ordnung. Es geht vielmehr um seinen Geburtstag.“

„Ah ja.“, dieses Mal sah er mich an und sagte einfach nichts.

Schließlich zog ich die Liste aus meiner Gesäßtasche und reichte sie ihm. Nachdem er den letzten Punkt gelesen hatte, kratzte er sich nachdenklich am Kopf. Für einen Moment schien sein Blick sehr weit abzuschweifen.

„Was soll ich dazu jetzt sagen?“, diese Frage stellte Leonard einfach so in den Raum. Doch ich hatte den Eindruck, dass er eigentlich keine Antwort erwartete.

Wobei ich zugeben musste, dass ich auch nicht gewusst hätte, was ich antworten sollte.

„Leonard? Ich möchte, dass du dich nicht unter Druck setzt, weil du glaubst, dass du Ethan das schuldig bist. Tu einfach das, was du mit deiner Einstellung vertreten kannst.“

Leonard starrte mich einfach an, irgendwie machte mich das nervös.

„Ich glaube, ich habe mich verhört.“, meinte er dann und schüttelte den Kopf. „Ausgerechnet du sagst mir, dass ich tun soll, was ich für richtig halte.“

„Ja, natürlich! Warum auch nicht?“

„Warum auch nicht?“, Leonard schnaubte empört. „Weil es sonst jedes Mal, jedes verdammte Mal, darum ging, was du für richtig hieltst. Meine Meinung war dir doch nur wichtig, wenn sie deine unterstützt hat.“

War ich wirklich so egoistisch? Aber irgendwie hatte ich Leonards Ablehnung wohl verdient. Auch wenn sie mir so weh tat, wie nichts anderes vorher.

„Na gut. Ich sollte wohl lieber jetzt gehen. Sag mir einfach bescheid, wie du dich entschieden hast.“, seufzte ich und wollte aufstehen.

„Wie hast du dir das eigentlich vorgestellt?“

„Ich? Ich habe keine Ahnung.“

„Interessant! Du weißt nicht, was du tun sollst.“, brummte Leonard bissig.

Als ich ihn nur gekränkt ansah, schien sich Leonard für seine Aussage zu schämen. Schließlich lächelte er mich schüchtern an.

„Tut mir leid, ich hätte das nicht sagen sollen. Aber manchmal kommt die Bitterkeit einfach zurück.“, versuchte er zu erklären.

„Es ist gut, Leonard, auch wenn du mir das nicht glaubst, verstehe ich dich wirklich.“

„Oh Mann! Mein Leben ist einfach zu kompliziert!“, seufzte Leonard und setzte sich auf das Sofa.

Ein paar endlos scheinende Momente schwiegen wir nun beide. Schließlich war es Leonard, der unser Schweigen brach.

„Wohin willst du denn eigentlich fahren? Also, wenn es klappt.“

„Also eigentlich wäre ich gerne einmal wieder in meine Heimat nach Australien gefahren, aber das wird wohl nicht funktionieren. Somit hatte ich gedacht Italien oder Griechenland wären schön.“

„Eigentlich keine schlechte Idee.“, für ein paar Sekunden schien er wirklich nachzudenken. „In Ordnung Jack! Ich werde mitfahren! Die Kanzlei kann ich geschlossen lassen, meine Mandanten sind zum Großteil auch im Sommerurlaub. Aber ich hätte trotzdem eine Bitte an dich.“

„Jede!“

„Du lässt mich in Ruhe!“

„Ich versteh dich nicht. Was meinst du?“

„Ganz einfach! Ich fahre mit, weil ich Ethan seinen Wunsch erfüllen möchte. Nur habe ich absolut keine Lust darauf, dass du diesen Urlaub dazu nutzt, dich wieder an mich heran zu machen. Ich werde mir von dir mein Herz nämlich nicht noch mal brechen lassen!“

„Äh… Ja… In Ordnung!“, stotterte ich nur. Denn eigentlich hatte ich keine Ahnung, wie wir uns bei einem gemeinsamen Urlaub soweit aus dem Weg gehen sollten, aber wenn Leonard es so wollte, würde ich es zumindest versuchen.

„Wir sollten dann auch irgendwann mal klären, wann und wohin wir genau fahren. Aber ich denke, dass Larissa bei diesem Gespräch dabei sein sollte.“, meinte Leonard nachdem wir eine Weile geschwiegen hatten.

„Ja, sicher.“, erwiderte ich trocken. „Ich geh dann jetzt.“

Ohne Leonards Antwort abzuwarten, war ich im nächsten Moment aufgesprungen und aus der Wohnung gerannt. Keine Sekunde länger ertrug ich seine Anwesenheit. Wie ich eigentlich an diesem Nachmittag nach Hause zurück kam, weiß ich bis heute nicht mehr. Alles woran ich mich erinnere ist die Tatsache, dass ich in meinen Wagen gestiegen war und losfuhr…
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