Coming Out Stories

Schwule Geschichten von Jungs für Jungs. Erzählt eure Coming-Out Story und gebt hilfreiche Tips.

Damit war klar ich bin ihr Sohn und das ich schwul bin ändert daran auch nichts.

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Bei mir begann alles mit meinem besten Freund (damals noch Freundin - ja er ist ein Transmann, auch wenn wir es damals noch nicht ahnten). Wir hatten eine Freistunde, die wir im Schatten eines Baumes genossen und redeten.

Das Gespräch wurde persönlich und irgendwann kam von ihm die Frage: "Kann es sein, dass du schwul bist?" Ich denke viele werden die typischen Sprüche "schwul oder was?!", "schwule Sau!" oder "Schwuchtel!", auf dem Schulhof kennen und die Antworten dazu, wie "ne sehe ich so aus oder was?" und natürlich „ne du?“. Das mir diese Frage in einem nicht anklagenden oder beleidigenden Tonfall gestellt wurde, in einer Atmosphäre von Freundschaft und Akzeptanz, hat mich erst so vollkommen irritiert, dass ich aus Reflex „nein!“ antworten wollte. Das sagte ich allerdings nicht, sondern dachte darüber nach und stellte etwas verwirrt fest, dass ich zu keiner Antwort kam. Ich hatte mir eben nie Gedanken gemacht, ich wusste kaum was dahinter steckt schwul zu sein. Ganz verdutzt habe ich erst mal mit "könnte sein" geantwortet.

Daraufhin folgten drei Jahre Findungsphase. Das diese so lange dauerte lag einerseits daran, dass ich es für mich behielt und die Situation für mich alleine, ohne Hilfe regeln wollte. Andererseits war ich zu feige ein schwul/lesbisches Jugendzentrum aufzusuchen. Nach vielem überlegen ob oder nicht, kam ich zu der Entscheidung: ich bin schwul.

Einen Berg Überwindung weiter schaffte ich es zum together in Gelsenkirchen. Zittrig, Puls auf gefühlten 180, hoffend, dass mich keiner erkennt wenn ich hinein gehe, stand ich vor dem together und schlenderte daran vorbei – 1-2-3 mal, dann endlich: Mut zusammengenommen und ich war drin. Dann veränderte sich alles! Ich hatte Leute, denen es ähnlich ging, mit denen ich reden und scherzen konnte, wo mein Charakter endlich Entfaltung finden konnte – ohne Einschränkungen. Ab diesem Zeitpunkt war es definitiv, denn da war ich ganz ich – und ich bin schwul.

Nachdem ich mich im together am richtigen Ort fühlte, war das Outing das nächste. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne meine Mutter gemacht. Als ich mich mit ihr an den Tisch setze und herum druckste und dann irgendwann die Worte „Mama, ich bin schwul…“ heraus bekam, war ihre recht trockene Antwort: „Erzähl mir was Neues, das weiß ich seit 8 Jahren.“ Damit war klar das ich ihr Sohn bin und das ich schwul bin ändert daran auch nichts. In meinem Fall ein Happy End.