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11. Oktober - Internationaler Coming-Out Day

Coming Out Day 2017 
iboys.at
© Shutterstock
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Der Coming Out Day wird am 11. Oktober 2017 von Schwulen, Lesben und Transgendern gefeiert. An diesem Tag wird weltweit dazu aufgerufen, sich zum Beispiel als schwuler Mann oder lesbische Frau zu outen und damit offiziell zu seiner Neigung zu stehen. Ausgehend von den USA wird der Coming-Out Day in immer mehr Staaten von LGBTIQ-Aktivisten und Organisationen begangen, um die Sichtbarkeit von LGBTIQs zu erhöhen und auch auf die Probleme, mit denen viele Menschen gerade während ihres Coming-Outs zu kämpfen haben, aufmerksam zu machen.
Noch immer kämpfen viele Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen mit Vorurteilen, Anfeindungen und Ablehnung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität. Der „Coming-Out Day“ soll daher dazu aufrufen, dass sich LGBTIQs öffentlich outen und einen sichtbaren Schritt des Coming-Outs setzen.

Unterstützung und Kampf gegen Vorurteile und Homo-/Transophobie

Der Coming-Out Day soll auch in Erinnerung rufen, dass auch im 21. Jahrhundert in als liberal geltenden Gesellschaften viele LGBTIQs mit Problemen kämpfen. Die Sichtbarkeit von LGBTIQs ist dabei das wirksamste Mittel gegen Vorurteile, Homophobie und Transphobie.
Zahlreiche Untersuchungen und Studien zeigen und belegen, dass Menschen, die Lesben, Schwule, Bisexuelle und/oder transidente Personen kennen, dieser Bevölkerungsgruppe deutlich offener gegenüber stehen. Phobie beschreibt auch die Angst vor dem Unbekannten.

Der „Coming-Out Day“ soll aber auch LGBTIQs, die sich gerade im Coming-Out Prozess befinden, helfen. Er soll Mut machen, dass mensch sich so annimmt und akzeptiert, wie mensch ist. Der Coming-Out Prozess ist häufig ein sehr schwieriger Weg, wo mensch sich innerlich zerrissen fühlen kann.

Gerade in diesem schwierigen Prozess, der eigentlich aus zwei Prozessen besteht, nämlich dem inneren Coming-Out und dem öffentlichen Coming-Out, ist Hilfe und Unterstützung wichtig. Studien belegen, dass junge LGBTIQs deutlich höhere Suizidraten aufweisen, als heterosexuelle Jugendliche in einem ähnlichen sozialen Umfeld.



Häufig fehlender sozialer Rückhalt bei/nach Coming-Out

Studien liefern Gründe für die höhere Suizidgeführ unter LGBTIQ-Jugendlichen. Über die Hälfte LGBTIQ-Jugendlicher hat üble Nachrede und Mobbing Gleichaltriger erlebt. Eine Studie des Niedersächsischen Ministeriums für Frauen, Arbeit und Soziales ergab 2001, dass etwa vier von zehn Befragten berichteten, dass sich FreundInnen zurückgezogen haben. Ebenso viele sind in der Öffentlichkeit beschimpft worden, knapp ein Drittel in der Schule. Häufig erleben SchülerInnen, dass LGBITQ zu Zielscheiben von Witzen und Verachtung werden, ohne dass Lehrkräfte darauf angemessen reagieren.

So verteidigen nur etwa 18% der Lehrkräfte Lesben/Schwule im Unterricht, über 27 % jedoch lachen mit oder stimmen homophoben Äußerungen zu. Körperliche Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität haben bereits 7 % der lesbischen und schwulen Jugendlichen in der Schule erfahren und 5,7 % in der Öffentlichkeit. Körperliche Gewalt im Elternhaus erleiden aufgrund Ihrer Orientierung/Identität 1,5 % der Jugendlichen.

Die Zahlen verdeutlichen: Homophobe Gewalt ist allgegenwärtig und spielt sich überwiegend auf der verbalen, psychischen Ebene ab. In der Mehrzahl der Fälle erleben die Jugendlichen die beschriebene Gewalt nicht einmalig, sondern mehrfach.



Lesbische und schwule Jugendliche haben eine vier- bis siebenmal höhere Suizidrate

So ist es wenig verwunderlich, dass die Suizidrate unter homosexuellen Jugendlichen deutlich höher ist, als unter heterosexuellen Jugendlichen. In einer Studie von Martin Plöderl im Rahmen seiner Dissertation hat dieser 358 schwule, lesbische und bisexuelle Personen befragt. 17 % der Lesben und 12 % der Schwulen haben bereits einmal versucht, sich das Leben zu nehmen.
Bei einer vorsichtigen Schätzung, dass ca 6 % der Bevölkerung sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt (die Zahlen variieren stark), würden ca 30 % aller Suizidversuche in Österreich von homosexuellen Personen begangen werden. Das würde bedeuten, dass bei homosexuellen Menschen das Suizidrisiko bis zu sieben Mal höher ist, als bei der heterosexuellen Bevölkerung.
Wie gefährlich das Fehlen sozialer Unterstützung ist, wurde in dieser Studie als Ursache angeführt:

”Es seien deutlich mehr Risikofaktoren festzustellen. Homo- und Bisexuelle hätten eine geringere soziale Unterstützung, vor allem durch die eigenen Eltern: 30 Prozent der Väter und 20 Prozent der Mütter seien zum Zeitpunkt der Befragung noch immer sehr negativ oder negativ zur Homosexualität ihres Kindes eingestellt gewesen.”

Es ist daher enorm wichtig, dass sich gerade LGBTIQ-Jugendliche bei Problemen oder etwaigen Suizidgedanken an Beratungsstellen wenden, die es in vielen kleineren und größeren Städten gibt.




„Coming-Out Day“ entstand in den USA

Am 11. Oktober 1987 nahmen rund 500.000 Menschen am „Second National March on Washington for Lesbian and Gay Rights“ teil. Nach dieser Demonstration wurde von Aktivisten die Idee geboren, einen nationalen Aktionstag zu organisieren, um Coming-Outs zu feiern. Als Termin wurde der Jahrestages des Marsches auf Washington gewählt.

Am 11. Oktober 1988 fand der erste „Naitonal Coming-Out Day“ in insgesamt 18 US-Bundesstaat statt. Tausende LGBTIQs ließen ihre Namen in Zeitungen veröffentlichen und hatten so das öffentliche Coming-Out.
In den letzten Jahren hat sich dieser Aktionstag auch außerhalb der USA etabliert und wird mittlerweile in vielen Staaten weltweit von LGBT-Aktivisten und Organisationen begangen.

Eine wichtige Botschaft zum Abschluss:
Auch wenn es dir womöglich von der Umwelt anders mitgeteilt wird, sei es durch psychische und physische Gewalt. Du bist einzigartig, wertvoll und nicht allein. Es gibt viele Menschen, die dich lieben und zwar genau so, wie du bist.

YouTuber*innen machen Mut

  • Umfrage: Coming-out in der Schule

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  • Bin nicht geoutet in der Schule. 59%
    Es gab überwiegend positive Reaktionen. 18%
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    Es gab nur positive Reaktionen. 6%
    Ich habe verbale Gewalt von einzelnen Personen erfahren. 3%
    Ich weiß nicht. 2%
    Ich habe verbale Gewalt von vielen Schülern erfahren. 1%
    Mir wurde von Einzelpersonen körperliche Gewalt zugefügt. 1%
    Mir wurde von vielen Schülern körperliche Gewalt zugefügt. 1%
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