Coming Out Stories

Schwule Geschichten von Jungs für Jungs. Erzählt eure Coming-Out Story und gebt hilfreiche Tips.

Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

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Mein Leben lief immer wieder so, wie es niemand will. Doch die vielen positiven Momente geben mir Kraft und mein Coming Out ist einer meiner größten positiven Momente. Ich bin stolz auf mein Leben und werde es auch immer sein...

"Wie war das für dich, als Du gemerkt hast, dass mit dir etwas anders ist - was war das für ein gefühl, wie bist du damit umgegangen?"

Tja, alles begann, als ich in der 8. Klasse war. Die meisten Jungs hatten schon eine Freundin, nur ich nicht. Ich wusste jedoch noch nicht ganz warum. Ich habe es immer wieder versucht, eine Freundin zu finden und hatte auf die eine oder andere Weise auch Glück. Die Beziehungen hielten jedoch nicht lange, weil ich kaum Gefühle für die Mädchen hatte. Das ging so bis ich in die 10. Klasse kam und ich einen Jungen aus der 8. kennen lernte. Die Gefühle die in mir aufgekommen sind kannte ich zwar, hielten aber bei Mädels nie so lange an wie bei diesem einen Jungen. Und nach mehreren einmaligen Sachen mit verschiedenen Boys war mir klar, das ich schwul bin. Das Eingeständniss von mir selbst hatte ein leicht befreiendes Gefühl für mich, außerdem hatte und habe ich immernoch ein so großes Wertgefühl, dass ich mich so akzeptiere wie ich bin, denn ich kann mich schlecht von meinen Gefühlen trennen.

"Wie bist Du mit der Situation im Hinblick auf Deine Eltern umgegangen - was hast Du bezüglich Deiner Eltern an Reaktionen erwartet?" und "Wie haben Deine Eltern reagiert, was haben sie gesagt?"

Ja ja, die befremdliche Situation mit den Eltern. Für mich waren meine Eltern nie das Thema, denn ich hatte und habe immernoch eine so starke Bindung zu meiner Mutter, dass ich keine Angst vor meinem Outing bei ihr hatte. Mein Vater war wohl eher einen oder zwei Gedanken wert, denn er hat was das Thema Homosexualität angeht ähnliche Ansichten wie die Kirche. Mir gingen alle möglichen Gedanken durch den Kopf, sobald ich nur daran denken musste, mich bei meinem Papa zu outen. Das war auch der Grund, warum ich mich nur bei meiner Mutter geoutet habe. Wir haben uns an den Küchentisch gesetzt und ich habs ihr einfach gesagt. "Mama, ich bin schwul." dann war kurz Ruhe und dann kam auch schon die erste Frage von meiner Mutter, so direkt wie sie ist "Und, hast du einen Freund ?" Ich habe sie nach 30min. Frage-Antwort-Spiel endlich fragen können, wie ich das meinem Vater erklären soll. Sie sagte, dass ich es ihm erstmal noch nicht erzählen sollte. Und dabei blieb es dann auch. So vergingen dann 2 Wochen und dann sagte mir meine Mutter, das sie es meinem Vater erzäht hat. Seine Reaktion könnt ihr euch ja vorstellen...
Papa: "Was, er ist schwul. Das kann und werde ich nicht akzeptieren"
Mama: "Entweder du akzeptierst es oder ich setz dich mit gepackten Sachen vor die Tür."
Und dieser Rückhalt von meiner Mutter hat tief beeindruckt...

"Was hast Du von Deinen Freunden für eine Reaktion erwartet? Hattest Du nie bedenken dass sie blöd reagieren oder ähnliches?" und "Wie war das für dich, als du das erste mal einem Freund/einer Freundin gesagt hast dass Du schwul/bi bist - und wie haben sie reagiert?"

Oh Gott, die Erwarungen der Reaktion von Freunden. Erwartungen eher keine, weil ich mir gedacht habe "Wer mich als Freund mag, wird es akzeptieren. Und wer es nicht akzeptiert hat meine Freundschaft auch nicht verdient" Als erstes hab ich mich bei meinem Besten Kumpel, der Junge aus der 8. Klasse, geoutet. Seine Reaktion war, sagen wir mal positiv. Er hat mich umarmt und hat mir ins Ohr geflüstert, dass er es schon seit dem Tag an dem wir uns kennen gelernt haben, geahnt hat. Er würde mir nach wie vor sein Leben anvertrauen. Als nächstes hat es meine beste Freundin erfahren. Die Reaktion war so positiv wie bei meinem besten Freund, nur der Satz von ihr wahr: "Endlich bekomm ich ma Komplimente von 'nem Kerl, der keine Hintergedanken hat." In meiner Klasse hab ich mich erst letztes Jahr im April geoutet, habe jedoch auch da eig. nur positive Reaktionen erlebt. Nur die Fragerei ging mir nach einer Weile auf die Nerven... Also im ganzen hab ich nur positive Reaktionen erlebt. Selbst bei mir in der Feuerwehr.

"Hast Du mal irgendwas negatives in Verbindung mit Deinem Coming-Out erlebt - oder immer nur positives?"

Wie schon gesagt, eigentlich nur positive Reaktionen bis auf ein paar Leute die deshalb die Freundschaft beendet haben. Aber auf diese Leute kann ich auch verzichten. Wenn in meiner Schule jemand einen blöden Kommentar brüllt, komm ich nichtmal dazu etwas zurück zu brüllen. Meine Klassenkameraden sind meistens schneller. ^_^

"Und was würdest Du nem Jungen, der das bei sich bemerkt, mit auf den Weg geben und raten? Wie soll er sich (deinen Erfahrungen nach) am besten mit dem Thema verhalten?"

Seid ihr selbst und macht euch keine unnötigen Gedanken. Eure Familie wird euch so akzeptieren wie ihr seid, denn das haben sie all die Jahre davor auch. Und positiver Nebeneffekt, finde ich jedenfalls, ihr merkt, wer wirklich Freund ist und wer nur irgend ein Mensch in eurem Leben ist. Traut euch, denn ihr könnt euch nicht euer ganzes Leben lang verstecken und könnt kein Leben führen, dass ihr nicht leben wollt.