Coming Out Stories

Schwule Geschichten von Jungs für Jungs. Erzählt eure Coming-Out Story und gebt hilfreiche Tips.

Und das ist mein Coming-Out

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Hey, ich bin Kevin, 16 Jahre alt und komme aus einer kleinen Stadt nähe Frankfurt am Main. Ich bin schwul und werde, so gut ichs noch hinbekomme, versuchen euch von meinem Coming-Out zu erzählen.

Also ich war noch in der Grundschule als ich mich das erste mal in einen Jungen verliebte. Ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht evtl. schwul zu sein. Ich wusste das und konnte damit leben. Allerdings waren meine Eltern zu dem Zeitpunkt noch sehr religiös und ich hatte angst vor ihrer Reaktion. Deshalb lebte ich ca. 8 Jahre mit dieser Lüge und meinem kleinen Geheimnis.

Mit ca. 15 Jahren war ich dann bei Freunden auf einer Party. Wir wollten den Ferienanfang der Winterferien etwas feiern. Auch der Alkohol war mal wieder dabei. Nachdem wir dann alle schon ein wenig beschwipst waren kam ein Freund von mir auf die glorreiche Idee mich küssen zu wollen. Ich fand ihn einfach heiß muss ich sagen und hatte dann natürlich kein Problem damit. Nachdem wir uns geküsst hatten und das nicht nur einmal haben wir den Rest des Abends miteinander verbracht. An diesem Abend hab ich mich unsterblich in Vinzenz verliebt muss ich sagen. Das habe ich ihm allerdings nie gebeichtet, da ich wusste, dass er nicht auf Jungs stand. Ich bin ihm dann ein gutes dreiviertel Jahr hinterher gerannt, ohne das er wusste, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Bis dahin wusste immer noch keiner von meiner Homosexualität.

Am 23. März 2007 war es dann so weit. Ich war mit meiner besten Freundin auf Lebenszeit in der Stadt, da wir am Abend ihren Geburtstag nachfeiern wollten. Allerdings mussten wir noch darauf warten, dass meine Schwester mit der Arbeit fertig war. Als wir also auf sie warteten alberten wir ein bisschen rum. Ich hatte sie schon öfter damit "verarscht", dass ich schwul sei. Allerdings wusste sie bis dahin nicht dass das nie eine Verarsche war. Wir kamen so ins Gespräch und ich weiß eigentlich garnicht mehr warum aber ich hab ihr dann gesagt, dass ich wirklich schwul bin. Das wollte sie mir allerdings erst nicht glauben, weil sie ja der Meinung war ich würde sie - wie so oft - verarschen. Als sie dann begann mir das zu glauben, war sie erstmal stink sauer, weil ich es ihr nicht früher gesagt hatte. Außerdem muss man dazu sagen, dass Rebecca meine Ex-Freundin ist, was sie zusätzlich schockte und auch traurig machte. Ich weiß heute nämlich, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch immer in mich verliebt war. Am Abend war dann die Party und wie sollte es auch anders sein, Vinz war auch eingeladen. Und mal wieder war er betrunken und ließ nicht die Finger von mir, was meinen Plan, mich von ihm zu entlieben nicht gerade leichter machte.
Trotzdem war es ein schöner Abend.

Irgendwann war ich dann aber auch über ihn hinweg. Glücklicherweise. Ich hatte danach auch einigen anderen Leuten gesagt, dass ich schwul bin. Keiner davon fasste das irgendwie negativ auf, bzw. wandte sich von mir ab oder sonstiges.

Mein eigentliches Coming-Out, also das vor meiner Familie, kam erst einige Monate später. Es war rein zufällig. Ich stand mit Noelle, meiner kleinen Schwester und meiner Stiefschwester im Bad und machte Noelle die Haare. ich weiß nicht mehr wie ich darauf kam aber ich sagte dann zu ihr: "ist doch toll en schwulen Bruder zu haben oder?". Wie kleine Kinder nun mal sind, waren sie der Meinung, dass ich sie nur verarschen will und rannten runter zu meinem Dad und meiner Stiefmutter um die freudige Nachricht zu überbringen :D

Mein Dad machte einen etwas verblüfften Eindruck. Glücklicherweise wollte ich mit zwei Freundinnen in einen Club und musste mich nicht weiter mit meinen Eltern auseinander setzen. Am nächsten Tag allerdings, nach dem Abendessen, wollte mein Dad mit unserem Hund gehen und fragte mich ob ich nicht mitkommen will. Ich hatte keine Lust und hatte auch garnicht mehr daran gedacht wieso und weshalb er das von mir wollte. Er sagte nur, dass wir mal reden sollten. Ich wusste schon ungefähr was er von mir wollte. Nun wurde ich doch etwas nervös. Mein Dad fragte dann "Wie hast du das eigentlich gestern gemeint". Ich sagte nur "Ernst". Wir hatten ein langes Gespräch. Aber er fasste es total cool auf und tolerierte und akzeptierte es, was ich nie gedacht hätte.

Nach und nach haben es dann auch meine Stiefmutter und meine Geschwister erfahren. Und auch in der Schule ging es rum wie ein Laubfeuer. Der eine oder andere machte immer mal wieder dumme Bemerkungen wie "der schwule Emo" oder "schwuchtel". Ich lache über sowas und steh voll und ganz drüber. Finde es eher lustig, dass sich Leute so viel Mühe geben mich irgendwie mit Worten zu verletzen. xD

Später hatte ich dann auch den einen oder anderen Freund, insgesamt drei. Und mit dem einen war ich sehr sehr glücklich und meine Familie akzeptierte das voll und ganz und nahm ihn sofort in die Familie auf. Die Beziehung ging aber leider in die Brüche.

Aber meine Familie und meine Freunde haben meine Homosexualität immer toleriert.

So das war meine Geschichte. Ich kann nur jedem das Coming-Out empfehlen. Auch Stress mit den Eltern ist besser als sich selbst zu belügen und sich selbst zu verstecken. Meistens reagieren die Menschen um einen herum sowieso ganz anders als man erwartet hätte.