Coming Out Stories

Schwule Geschichten von Jungs für Jungs. Erzählt eure Coming-Out Story und gebt hilfreiche Tips.

Mein erstes Mal

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Eigentlich wußte ich schon lange, dass ich schwul bin. Allerdings gehe ich auf eine ziemlich konservative Schule in einer kleinen Stadt am Rhein.

Eigentlich wußte ich schon lange, dass ich schwul bin. Allerdings gehe ich auf eine ziemlich konservative Schule in einer kleinen Stadt am Rhein. Ich habe viele Freunde sowohl Mädchen als auch Jungen, doch durch viele Gespräche und auch oft Witze, dachte ich, dass es für sie ein Problem sein könnte, wenn ich mich outen würde. Weil ich große Angst hatte meine Freunde zu verlieren habe ich mich nicht vor ihnen geoutet. Mir war es lieber eine Freundin zu haben und nicht wirklich glücklich zu sein als meinen Freundeskreis zu verlieren.
Doch in der Nacht dachte ich oft daran wie schön es sein würde in den Armen eines Mannes einzuschlafen. Und beim onanieren konnte ich auch nur an Jungen die ich in der Werbung oder in Schwulenpornos gesehen hatte denken.

Doch dann kam dieser Sommer, der Sommer 2002 in dem ich ohne alle meine Freunde in der Provence meine Schwester Jana in Avignon besuchen würde die dort ein Auslandssemester absolvierte.

Eine Woche lang lebten wir zusammen in ihrer kleinen Wohnung, dann in der zweiten Woche kam ihr Freund Lukas mit seiner Schwester Carolin ebenfalls zu Besuch und wir fuhren nach Cassis einer kleinen Stadt direkt am Meer um dort zu zelten. Carolin war ein sehr nettes Mädchen und wir verstanden uns sehr gut. Vielleicht war sie die erste Person der ich anvertrauen würde, das ich schwul bin.

Carolin und ich schliefen in einem Zelt, Lukas und Jana in dem anderen. Am ersten morgen nach unserer Ankunft wurde ich losgeschickt um einen Bäcker zu suchen. Das Problem war nur, ich hatte Latein in der Schule und sprach kein Wort französich.

Ich konnte gerade eben Croissants und Baguette kaufen. Ich brauchte fast eine halbe Stunde bis ich den Bäcker gefunden hatte. Ich trat ein, sagte noch in Gedanken Bonjour, blickte auf... und sah direkt in die schönsten Augen die ich auf der Welt je gesehen habe.

Ich war vollkommen perplex und wußte absolut nicht was ich sagen sollte, erst nicht auf französisch, daher stotterte ich irgendetwas unverständliches. Der Junge lächelte mich an und fragte mich etwas auf französisch. Ich verstand kein Wort, sagte schnell, dass ich zwei Baguette und vier Croissants haben wolle, lief knallrot an und verließ so schnell es möglich war den Laden. Ich fing an zu laufen und hörte erst kurz vor dem Zeltplatz wieder auf. Ich schwebte auf Wolke sieben. Ich hatte mich verliebt, auf den ersten Blick!

Als ich zu unserem Platz kam lächelte ich, bemerkte dies aber erst als mich Carolin von der Seite anguckte und fragte was denn so witzig sei. Fast wäre ich mit der Sprache rausgeplatzt und hätte ihr alles erzählt, so glücklich war ich.

Doch ich konnte mich Gott sei Dank zusammenreißen.

Den ganzen Tag saß ich versunken in Gedanken am Strand und Carolin wurde fast ein bißchen sauer weil ich mich nicht genug um sie kümmerte. Am Abend kam meine Schwester mit ihrem Freund von dem Ausflug, den sie unternommen hatten, zurück. Kurz nach dem Abendessen nahm Jana mich mit zu einem Spaziergang an den Strand.

Lukas und Carolin blieben beim Zelt. Erst unterhielten wir uns über ihren Tag, dann grinste sie mich schief an und fragte:" Sag mal was läuft da eigentlich zwischen dir und Carolin?" Ich guckte sie erstaunt an und mußte mir ein Lachen verkneifen.

"Ich und Carolin verstehen uns einfach gut, wir sind Freunde!"

"Ach gute Freunde, da habe ich aber was anderes gehört..." antwortete sie ! Ich guckte sie verständnislos an dann meinte sie :
"Naja Lukas hat mir erzählt das Carolin sich wohl ziemlich in dich verguckt hat und sie meinte, dass von dir wohl auch nicht gerade wenig Zuneigung kommen würde."

Da hatten wir den Salat. Daran hatte ich ja überhaupt nicht gedacht. Ich hatte mir endlich ein

paar Wochen ohne dieses blöde aufgesetzte Heterogehabe gewünscht und dann passierte sowas. Und das dann auch noch jetzt wo ich mich das erste Mal verliebt hatte und fast soweit war alle meine Bedenken fort zu werfen und in die Welt hinauszuschreien, dass ich Männer liebe.

Am Abend saßen wir vier am Lagerfeuer am Strand. Gegen zwölf standen plötzlich meine Schwester und Lukas auf, meinten mit einem breiten Grinsen sie wollten uns beiden jetzt mal in Ruhe lassen und verschwanden in Richtung Zelt. Da saßen wir beide nun und ich hatte ein richtig mulmiges Gefühl.

Langsam kam Carolin näher an mich herangerückt. "Mir ist kalt. Kann ich mich an dir wärmen ?" Etwas zu schnell zog ich meinen Pullover aus um ihn ihr zu geben. Sie schien ein bißchen enttäuscht und zog ihn an.

Dann legte sie plötzlich den Arm um mich, strich mir ein Haar ein Haar aus dem Gesicht und flüsterte:"Ich mag dich sehr, Janosch !"

Dann dreht sie langsam meinen Kopf und wollte mich küssen. Doch ich drückte sie sanft zurück stand schnell auf, guckte sieht mehr an.

Ich lief schnell in das Zelt. Erst nach ca einer Stunde kam Carolin zurück. Ich tat so als würde ich schlafen. Leise kam sie in das Zelt und legte sich gleich in den Schlafsack. In der Nacht wachte ich auf und hörte, dass sie weinte...

Den nächsten Morgen konnte ich kaum erwarten endlich würde ich IHN ( ich wußte seinen Namen überhaupt nicht !!! ) wiedersehen. Ich lief bis zur Ecke der Strasse in der die Bäckerei war. Dort überprüfte ich mein Aussehen in einem Fenster und betrat langsam den Laden. Da stand er : ca 1.90 groß, mit muskulösem Oberkörper der unter dem engen weißen T-Shirt noch besser zur Geltung kommt, schwarze kurze Haare und diese Augen. Ich nahm allen meinen Mut zusammen, lächelte und bestellte. Er schien mich nicht gehört zu haben sondern lächelte mich nur verträumt an. Fast wäre ich im Boden versunken, so glücklich machte mich sein Lächeln.

Dann schien er zu sich zu kommen, wurde ein bißchen rot, murmelte Pardon und gab mir schnell meine Bestellung. Ich tat so als suchte ich etwas, dann wurde es mir etwas peinlich, lächelte ihm noch einmal zu und verließ den Laden. Als ich mich noch einmal draußen umschaute sah ich ihn am Fenster, wie er mir nachschaute. Er lächelte und winkte mir zu.

Ich war so glücklich, dass ich allen Streß den ich mit Carolin hatte ganz vergaß. Jäh wurde ich in die Realität zurückgeholt als ich Carolin begegnete. Sie schaute mich an als wolle sie mir gleich an den Hals springen. Ich guckte schnell weg und ging weiter um den Tisch zu decken. Als ich die Croissants auspackte fiel ein Zettel aus der Bäckertüte. Ich hatte keine Ahnung was das sein sollte hielt es für Werbung, wollte es schon wegschmeissen als mich irgendetwas davon abhielt und ich mir den Zettel in die Tasche steckte. Das Frühstück war das schlimmste Frühstück meines Lebens. Carolin guckte nur auf ihren Teller und sagte kein Wort. Ich traute mich auch nicht aufzugucken. Meine Schwester und Lukas schienen überhaupt nichts zu merken, unterhielten sich laut und lachten viel. Das schlimmste aber war, dass sie uns ständig blöde anguckten. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, sagte ich wolle spazieren gehen und verließ den Zeltplatz so schnell wie ich konnte.

Ich konnte und wollte nur noch an ihn denken. Erst am späten Mittag kam ich zurück. Als ich an den Strand kam sah ich Carolin. Sie war allein. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und setzte mich zu ihr. Sie schaute kurz auf sah aber gleich wieder weg als sie mich erkannte. Wir schwiegen lange. Dann plötzlich sagte sie leise :

"Es tut mir leid wegen gestern, ich hätte dich nicht so überfallen dürfen. Ich dachte nur du würdest mich genauso mögen. Ich wußte ja nicht dass du eine Freundin hast.
Hast du doch oder ?"

Er wußte ich nicht was ich sagen sollte, doch dann sagte ich : "Naja eine Freundin habe ich nicht, aber ich bin verliebt !" Somit hatte ich nicht gelogen. Sie lächelte und meinte :"Na dieses Mädchen darf sich aber freuen !"

Ich wußte es kostete sie Überwindung doch ab diesem Zeitpunkt waren wir Freunde. Ich hatte auch den Entschluß gefasst ihr zu sagen, dass ich schwul bin.

Sie hatte wirklich diese Offenheit verdient.

Nach Abendessen fiel mir plötzlich der Zettel wieder ein. Ich ging zu Carolin und bat sie ihn zu übersetzen. Sie las den Text, dann nocheinmal, blickte mich ungläubig an und fing an zu kichern.

"Wo hast du denn das gefunden ?"

"Das war in der Bäckertüte !" antwortete ich irritiert. Sie lachte und meinte :" Das ist ein Liebesbrief. Irgendein Dominiquè möchte sich um 11 am Leuchtturm treffen. Er sagt er habe sich in den Empfänger des Briefes verliebt.

Nur wer ist der Empfänger ?"

Ich hörte schon garnicht mehr zu. Mein Herz war fast stehen geblieben. Er hieß Dominique.

Er wollte sich mit mir treffen. Er hatte sich auch in mich verliebt !

Nur wie sollte ich jetzt eine Ausrede finden um allein weggehen zu können. Gegen halb elf saßen wir alle am Feuer. Da kam mir endlich, nachdem ich eine Stunde lang Höllenqualen durchlitten hatte, der rettende Einfall. Ich fing an zu gähnen und sagte ich werde wohl krank, ich wolle ins Bett. Gott sei Dank kam niemand mit.

So schnell ich konnte rannte ich zum Leuchtturm. Es war 5 nach elf als ich dort ankam.

Es war niemand da. Fast hätte ich geweint, als mir plötzlich jemand von hinten die Hand auf die Schulter legte. Ich drehte mich um. Es war er - Domoniquè.

Wir schauten uns lange in die Augen dann küßten wir uns ohne ein Wort gesagt zu haben. Ich verbrachte die ganze Nacht mit ihm. Es war die schönste in meinem Leben. Ich lerne jetzt französich und möchte nach meinem Zivildienst in Frankreich studieren. Zusammen mit meinem Freund. Dominique.

Vor Carolin habe ich mich geoutet.

Sie hat meiner Schewster nicht erzählt, dass ich die ganze Nacht weg war. Sie ist und bleibt meine beste Freundin. Vielleicht habe ich auch bald den Mut mich vor meinen anderen Freunden zu outen...

  • Ohhhhh :3 wie schön :D