Intoleranz

schwule Geschichte

Martin, der Hauptheld dieser Geschichte, lebt mit seiner Mutter zusammen, die sich vor kurzem von ihrem langjährigen Freund getrennt hat. Bisher hatte er wenig Glück in Sachen Liebe. Auf einer Party lernt er Chris kennen, und sie verlieben sich ineinander. Auch seine Mutter findet jemand neues. Was sich daraus für Verwicklungen ergeben, lest selbst!
Ich kam von der Schule nach Hause, es war kurz nach zwei. Ich schloss die Wohnungstür auf und vernahm den seltsamen Duft von frischem Kuchen. Er war deshalb seltsam, weil meine Mutter nicht gerade die Beste im Backen war und sich normalerweise auch nicht sonderlich dafür begeistern konnte. Ich ging also unseren schmalen Flur entlang und dann durch die rechte Tür Richtung Küche. Ich streckte meine Nase in die Höhe und schnüffelte noch einmal. Es schien wohl Käsekuchen zu sein. Naja, Käsekuchen, nicht so mein Ding, aber wenn ich kein Stück probieren würde, wär meine Mutter wieder enttäuscht.

»Na, ist die Schule zu Ende?«, fragte sie mich, wobei sie gleichzeitig in den Ofen schaute, um zu gucken, ob dem Kuchen noch nichts geschehen sei. Anscheinend hatte sie ihn schon länger drin.

»Ja, ist fertig. Und jetzt Gott sei Dank sechs Wochen frei«, antwortete ich und schaute ebenfalls aus Neugierde in den Ofen. Es war komisch einen Kuchen dort zu sehen, den Anblick bekam man nicht alle Tage.

»Ist heute ein besonderer Tag oder warum konntest du dich heute fürs Kuchenbacken begeistern?«, fragte ich schließlich.

Sie nahm mich bei der Hand und sagte »Komm mal mit Martin, ich muss mal mit dir reden.« Oh oh. Wenn sie schon so anfing, konnte das ja nichts Gutes heißen. Ich ging erneut durch unseren schmalen Flur entlang, nur diesmal mit meiner Mum. Wir setzten uns in die Stube, wo es normalerweise immer etwas nach Nikotin roch, doch diesmal waren die Fenster sperrangelweit auf. Wir setzten uns aufs Sofa. Sandra, meine Mutter, griff zu ihrer Zigarettenschachtel und holte sich ein Feuerzeug vom Stubenschrank. Ich stand vor einer heiklen Situation. So wie sie sich bewegte, so wie sie heute sprach, so hab ich sie noch nie erlebt. Sie zündete ihre Marlboro an und zog an ihrer Zigarette. Der Filter war nun mit rotem Lippenstift beschmiert.

»Willst du auch eine?«, fragte sie schließlich, wobei sie bereits den nächsten Zug machte.

Ich nahm mir auch eine und zündete sie an.

»Weist du Martin«, begann Sandra das Gespräch, »Du bist kein kleines Kind mehr. Ich denke ich kann ganz offen mit dir sprechen.«

Ich saß auf dem Sofa und hörte ihr zu. »Ich war gestern unverhofft eher zu Hause, da ich so viele Überstunden hatte.«

»Habe ich den Fernseher angelassen?«, fragte ich, um die mir unbekannte Situation etwas lustiger zu stimmen, doch Sandra ging nicht näher darauf ein. Sie blieb ganz ruhig und aschte ab.

»Nein, das ist es nicht«, sagte sie ernst. »Ich schloss die Haustür auf und ging in mein Schlafzimmer, um zu bügeln. Und ich sah Achim mit seiner Ex-Freundin in unserem Bett!«

Ich war geschockt. Achim war ihr Freund. Sie waren nun schon seit 7 Jahren zusammen. Na gut, eigentlich mochte ich ihn noch nie so richtig, denn wo er war, herrschte immer nur Stress. Und wenn sich meine Mutter und er mal in der Wolle hatten, dann hörte man so einiges mal Wörter wie Schlampe, Nutte, halt die Fresse und so weiter. Um ehrlich zu sein, wusste ich jetzt nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Irgendwie war ich froh, ihn endlich los zu sein, andererseits tat es mir für Sandra leid.

»Oh, das tut mir leid«, sagte ich schließlich. Mehr brachte ich erstmal nicht heraus, noch dazu wollte ich ihr heute normalerweise sagen, dass ich schwul bin. Das hatte ich mir heut fest vorgenommen, aber in Anbetracht der Tatsachen war das wohl heut doch nicht der richtige Tag.

»Es ist jetzt endgültig aus. Morgen holt er seine Sachen ab. Du kannst dich ruhig freuen, wenn du willst«, sagte Sandra schließlich.

Stop mal. War das jetzt ironisch gemeint oder meinte sie es ernst? Ich nahm plötzlich, den Geruch eines verbrannten Käsekuchens auf. »Ähm, Sandra, dein Kuchen ...!«

Meine Mutter machte auf die Schnelle ihre Zigarette aus und sprang ab in die Küche, danach hörte ich nur ein »OH, NEIN!« Es schien also, als ob der Käsekuchen angebrannt ist. Was ich momentan nicht verstand war, dass Sandra im ersten Moment noch voll traurig war und jetzt schon wieder alles vergessen zu haben scheint. Vielleicht will sie sich ja nur von Achim ablenken. Ich ging jedenfalls erstmal die Treppen hoch in mein Zimmer. Ich schaltete die Anlage ein und lege die CD der Böhsen Onkelz (Live in Dortmund) in den Player. Ich setze mich aufs Bett und dachte nach. Wann sollte ich es ihr erzählen. War es vielleicht Schicksal, dass der Moment noch nicht gekommen war, indem ich es ihr erzählen sollte? Aber irgendwann musste es raus. Meine beste Freundin Didi (das war ihr Spitzname, in Wirklichkeit hieß sie Diane) wusste bereits von mir und meinen Neigungen, aber sie war bisher auch die Einzige. Nach einer Weile ließ mich das Telefon in meinem Zimmer hochschrecken. Ich ging dran. »Hallo?«, fragte ich. »Hi, hier ist Frank. Bist du Martin?«, fragte die Männerstimme am anderen Ende. »Ja, ich bin Martin. Mit wem spreche ich denn?« »Mein Name ist Frank, ich bin ein Kumpel von deiner Tante Carmen.« Ach so, jetzt wusste ich, wer am anderen Ende war. Es war Frank. Wie schon gesagt, ein Kumpel meiner Tante. Ich wollte damals immer, dass er mit meiner Mutter zusammenkommen würde, denn er hatte noch zwei Jungs, der eine 21 und der andere 16 Jahre, allerdings wusste ich nicht mal, wie sie hießen oder wie sie aussahen, doch ich wünschte mir doch immer Geschwister. Aber es hat damals nicht geklappt. Warte mal ... wenn er jetzt anruft ...

»Ach hi, wie geht's?«, fragte ich. »Gut, sag mal Martin, ist deine Mutter da?« »Ja, ihr ist gerade ihr Käsekuchen angebrannt, nur schon mal zur Vorwarnung!« Frank lachte. »OK, dann bin ich ja vorgewarnt. Kannst du mir Sandra mal geben?« »Klar doch. Moment ich stell durch!« Ich stellte das Gespräch in die Stube durch und meine Mutter nahm ab. Junge bin ich nervös. Vielleicht kommen sie ja zusammen? Und dann musste ich wieder an Markus denken. Er war meine erste große Liebe gewesen. Wir waren knapp 6 Monate zusammen, bis er per SMS Schluss machte. Das hatte mich damals sehr getroffen. Naja, jetzt ist er mit seiner besten Freundin Christiane zusammen. Sollen sie doch glücklich werden. Wenn er es sich nicht eingestehen kann, dass er schwul ist, dann bin ich mal gespannt, wann Christiane die entscheidende SMS von ihm bekommt und sie genauso verletzt wird wie ich damals. Aber wir hatten auch eine sehr schöne Zeit. Er hatte mir ja sogar ein Heiratsantrag gemacht. OK, wir wussten beide, das das wahrscheinlich sowieso nichts werden würde, aber ich war glücklich, dass er mich so etwas fragte, denn schließlich fragt man ja niemanden so etwas, den man nicht liebt oder?

Ich schaltete meinen Computer an und spielte ne Runde Autorennen. Endlich war es mir möglich, diesen blöden Computer zu besiegen, als es auch schon an der Tür klopfte. Meine Mum kam herein. Junge, sie war voll gestylt. »Wo solls denn hingehen?«, fragte ich neugierig. »Ich gehe heute mit Frank essen. Im Belgier«, antwortete sie glücklich. »Lass dich nicht aufhalten«, sagte ich, wobei ich um die nächste Kurve fuhr. »Und was machst du heute?«, fragte sie. »Ich treff mich heute Abend mit Didi. Wir fahren zur Oldie Party.« »OK, viel Spaß wünsch ich dir dann schon mal.« »Ja ich dir auch. Viel Spaß.« Danach schloss sie meine Zimmertür. Ich sah aus dem Fenster. Sandra stieg in ihren türkisfarbenen Opel Astra ein und fuhr davon. Stopp mal. Sollte Achim morgen nicht seine Koffer abholen?? Ich hab keinen Bock auf diesen Idioten. Also nahm ich die Koffer und stellte sie auf die Straße vor unserer Haustür. So, jetzt musste ich mich aber fertigmachen. In einer Stunde holt mich Didi ab. Ich sprang unter die Dusche und seifte mich von Kopf bis Fuß ein. Natürlich ging das nicht ohne Musik. Ich nahm den Ghettoblaster aus meinem Zimmer und schmiss das Album von "Linkin Park" rein. So, Stecker rein und ab geht's ...

OH oh, als das Lied "Crawling" kam, flippte ich in der Dusche total aus und wäre fast noch volle Breitseite ausgerutscht. Tja das wär's ja dann mit Oldie Party gewesen. Aber Gott sei dank ist ja nichts passiert.

So, was zieht man auf so einer Party an. Was hatte Emely gesagt? 60er Jahre Look. Jawohl, wo soll ich jetzt Sachen aus den 60ern herbekommen?? Noch dazu blieb mir keine Zeit, meinen Opa zu besuchen, denn der hebt grundsätzlich ja immer alles auf. Shit! Ich stand jedenfalls zuletzt mit einer schwarzen Schlaghose, Turnschuhen und einem bunten Hemd da. Den Peace-Anhänger hab ich mir schon vorher von Didi ausgeliehen. Wenn sie mich abholt, hätte sie ihn sowieso vergessen. Und die Haare ... ja. Hm, ein Seitenscheitel, beginnend vom linken Ohr, sollte reichen. Aber woher nehm ich die Haare dafür her. Meine sind doch voll kurz. Ach, letztendlich war es mir egal, wie die Haare aussahen, ich machte mir sie dann kreuz und quer durcheinander, als es dann schon draußen hupte. Junge junge, perfektes Timing. Ich rannte die Treppe hinunter, nahm meine West Ice vom Küchentisch und rannte nach draußen.

Ja, da stand er: Didis Fiesta! So wie immer. Junge, wo der uns schon überall hingebracht hat, wenn ich nur mal an die vielen Partys denke. Naja, ich stieg ein und sagte »Tag schön. Bist ja mal wieder pünktlich auf die Minute.« Ich schloss die Autotür und schnallte mich an. Dann erst drehte ich mich zu Didi. Danach hörte ich nur noch einen lauten Schrei, den man bestimmt noch 3 Kilometer entfernt hören konnte. Ups das war ja ich. Na kein Wunder, so wie sie sich zurechtgemacht hatte. Sie hatte mal wieder ihre braunen Haare nachtschwarz gefärbt, unterstützt wurde dieses Schwarz mit ihrem schwarzen Lippenstift und total schwarzen Klamotten. Es war ein schwarzes Kleid das sie an hatte. Man konnte es aber auch als irgendeinen langen Umhang bezeichnen. Irgendwie komisch geschnitten dieses Ding, dafür aber mit reichlich Ausschnitt. Ich dachte nur, was passieren würde, wenn die guten Dinger da rauspurzelten, worauf ich zu lachen anfangen musste.

»Dich soll mal einer verstehen, Martin. Erst schreist du wie ein abgestochenes Schwein und dann lachst du dich auch noch halb tot«, sagte Didi als sie sich von dem Schock, den anscheinend mein überraschter Schrei ausgelöst hatte, erholt hatte.

»Tja«, sagte ich »wenn du mich nicht verstehen kannst, wer denn dann?«

Und das traf auch zu, denn Didi und ich kannten uns seit der 3-ten Klasse. Und waren seither die besten Freunde. OK, ein paar Pausen unserer Freundschaft waren schon dazwischen, aber auch nur, weil wir mit der Zeit andere Freundeskreise hatten. Schließlich waren wir zwei völlig verschiedene Typen. Sie schloss sich der, ich erlaube es mir mal so zu nennen, Gruftiszene an und ich eher der Technoszene. Naja, und deshalb waren wir dann auch immer am Wochenende an verschiedenen Orten. Und in der Woche musste sie ja arbeiten. Sie macht eine Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel bei Aral. Tja und dann bleibt halt nicht viel Zeit für mich. Aber ich wusste, wenn ich Probleme hatte, konnte ich immer zu ihr kommen, und das wusste sie von mir auch. Aber genug gelabert ...

Wir fuhren also los, Richtung Emely. Gott sei Dank waren ihre Eltern bereits im Urlaub und einen fetten Partykeller hatten sie auch. Ich war sehr gespannt, wen man da alles kennenlernen würde, denn es brachten ja auch viele ihre Freunde und die Freunde der Freunde mit ... wie das halt so ist.

Während der Fahrt fragte ich noch »Was hat denn eigentlich dein Grufti Outfit mit den 60ern zu tun?« »Denkste da gab es noch keine Gruftis?« bekam ich als Antwort. Ja ja, Hauptsache Auffallen. Das ist Didi. Sie liebte es halt aufzufallen und zu provozieren.

Wir kamen bei Emely an. Ihr Haus lag etwas abgelegen, daher dürfte die laute Musik die Nachbarn auch nicht stören.

»Ahhhhhhhhh, da seit ihr ja endlich! Ich hab schon auf euch gewartet!«, brüllte Emely uns an und nahm uns beide in den Arm. »Junge sind wir beliebt«, sagte Didi darauf.

Die Party ist schon voll im Gange. Komisch, dabei hat sie gesagt so gegen 20 Uhr und wir hatten es nun gleich 10 nach. Naja egal.

Didi und ich nahmen uns ein Glas und tranken erstmal ein Glas Sekt. Hihi, diesmal hatte sie die Arschkarte. Ein Glas Sekt geht ja, danach ist Schluss, denn schließlich hat sie ja heute die Macht der 4 Reifen.

Ich merkte förmlich, dass das überaus schwarze Gewand für die wildesten Blicke sorgte und meiner beste Freundin gefiel das, wie man es ihr ansehen konnte und kontaktfreudig, wie sie war, laberte sie auch gleich den nächsten Typen an, der ihr gefiel. Ich zündete mir eine Zigi an und erinnerte mich daran, dass ich ihr die letzten beiden Typen zunichtegemacht hatte. Denn von Markus, wie bereits gesagt mein Ex-Freund, wollte sie ja auch was. Danach kam Roman, hinter dem sie her war, allerdings fand auch der mich viel attraktiver. Ich schmunzelte kurz und zog dann an der lecker Zigi, wobei ich mich etwas umherschaute. Der Partykeller war wirklich schön zurechtgemacht. Überall Lampions, Lichterketten und nette Bildchen und Juxsprüche, wie ich sie bezeichne. So wie zum Beispiel "8 Tage war der Vater krank, jetzt säuft er wieder; Gott sei Dank" Ja so was halt.

Whoops was sah ich denn da? Meine Ex Sabine war ja auch da. Sie sah mich und kam schnell rüber zu mir. »Hey Martin, bist ja auch da. Ich freu mich, dich zu sehen!« Natürlich war alles nur gespielt, denn wir verstanden uns nun nicht mehr so gut wie früher. »Ich freu mich auch, dich zu sehen. Wie geht es dir?« Oh ja und wie ich mich freute sie wiederzusehen. Aber immerhin hab ich jetzt jemanden zum labern. »Gut geht's mir. Und dir?« Ja man sah das es ihr gut geht, denn schließlich hatte sie schon reichlich intus. »Ja auch nicht schlecht. Wie kommt es, dass der Rest unserer Clique noch nicht da ist?«, fragte ich schließlich, und das natürlich sehr höflich und langsam, denn schließlich war sie blond. »Hast du sie noch nicht gesehen? Die sind an der Bar! Gleich da hinter der Ecke!« Oh, klar. Die Bar. Die hatte ich ja ganz vergessen. Wir beide trotteten also zur Bar, wo ich Tom, Sophi, Denise und all die anderen sah und ... WOW, wer ist denn das? Den hab ich ja noch nie gesehen. Wer war er? Ich war so in ihn vertieft, dass ich nicht sah, dass Denise ihren Fuß im Weg hatte und stolperte erstmal prompt drüber. Ich fand mich schließlich auf dem Boden wieder. Klar, dass ich jetzt alles Gelächter auf meinen Rängen hatte, was mir sehr unangenehm war, und ich begann langsam rot anzulaufen. Eine Hand streckte sich mir entgegen. »Das ist ja auch das Mindeste, dass du mir hoch hilfst, Denise!«, sagte ich. »Schon in Ordnung. Ich heiße zwar nicht Denise, aber ich helfe dir gern hoch!«, sagte eine Jungenstimme zu mir. Und wiederum brach alles in Gelächter aus ... komisch ... nur weil ich dachte es sei Denise, die ihren verkackten Fuß im Weg hatte? Als ich wieder mit beiden Beinen fest im Leben stand, schaute ich, wer mir denn nun geholfen hatte ... Mir stockte der Atem, das ist doch ... ist doch ... ja, der Süße, der ... ja der ... Süße.

»Oh, sorry, ich dachte ...«

»Schon OK. Ist ja nichts Schlimmes passiert!«, sagte der Junge, lächelte mich an und setzte sich wieder zu seinen Freunden an den Tisch.

Ich blieb verwirrt zurück und schaute dem Bengel hinterher, bis Denise, die sich noch immer halb totlachte, mich ansprach. »Und wie ist es so, sich hoch helfen zu lassen?« Ach jetzt verstand ich, warum schon wieder alles so lachte. Ich errötete also noch etwas mehr, was Tom wohl auffiel. Er ist übrigens der beste Kumpel von Emely. Er rückte mir einen Barhocker zurecht. »Setz dich lieber, bevor du den nächsten Fuß übersiehst«, sagte er. Ja das ist wohl wirklich das Beste, dachte ich mir.

Jetzt konnte die Party also beginnen. Sophie, meine Cousine, gab mir ein Glas Wodka-O und jetzt ging die Party los. Wobei ich aber immer ein Auge auf den süßen Boy am Tisch richtete. Erst jetzt fiel mir die Musik auf, die gespielt wurde. Man kam sich wirklich vor wie in den 60ern.

Bei "Take a chance on me" von ABBA stürmte ich erstmal mit Denise und Sophie auf die Tanzfläche. Naja, Tanzfläche ist wohl etwas übertrieben, es war halt eine Fläche ohne Tische und ohne Stühle, aber es sollte die Tanzfläche darstellen.

Jedenfalls war die Party echt geil, ausgenommen mein peinliches Malheur ganz zu Anfang. Ich hatte echt meinen Spaß und Didi anscheinend auch, denn sie verschwand gerade mit einem Jungen nach draußen.

Nach erneutem Abtanzen setzte ich mich erstmal wieder auf meinen Barhocker und suchte mein Glas. Komisch, ich hatte es doch hier hingestellt. Ja, gleich neben dem Teelicht. Wo ist es denn? »Suchst du dein Glas?«, fragte plötzlich eine Stimme. Ich drehte mich um und da stand er. Mein Süßer. »J.. Ja, das such ich. Wo ist es denn?«, fragte ich etwas beschämt. Was sollte er denn jetzt von mir denken? Erst mach ich den Reiher auf den Boden und nun bin ich zu schusselig, mein Glas wiederzufinden. Er zog seine Hände hinter seinem Rücken hervor und ich sah in jeder seiner Hand ein Glas. »Ich hab dein Glas. Ich hab mir erlaubt, uns mal einen schönen Drink zu mixen. Nimm es als kleine Entschädigung für vorhin. War nicht nett von mir, einen Scherz auf deine Kosten zu machen.« »Ach schon OK. Sah bestimmt auch ganz schön lustig aus, wie ich da so wie ein durchgeficktes Kaninchen auf dem Boden lag, oder?«

»Das kannst du laut sagen. Ach übrigens ich heiße Chris.« Hey, das läuft ja momentan ganz gut. Er stellt sich schon vor.

»Ich heiße ...«

»... Martin! Ich weiß!«

»Woher weißt du das?«

»Ach, ich kenn Sophie ganz gut. Man könnte sagen, ich bin ein alter Freund von ihr. Sie hat mich vorhin am Tisch besucht und dann kamen wir auf dich zu sprechen.«

»Ach! Ich hoffe sie hat dir nur Gutes erzählt!«

»Klar. Außerdem höre ich sowieso nicht auf irgendwelche Gerüchte. Ich versuche, mir immer selbst ein Bild von der Person zu machen. Aber jetzt erst mal Prost!«

Wir stießen an und dann machte ich mir erstmal ein Bild von ihm. Er war echt total süß. Er war ca. 1,80m groß, sportlich schlank, hatte kurze dunkelblonde Haare und voll die haselnussbraunen Augen. Zum Motto der Party passend, denke ich mal, hatte er sich lange Koteletten wachsen lassen. Kurz gesagt, er war der Traum von einem Jungen. Sein Alter war schwer zu schätzen, ich tippte so auf 19 oder 20 Jahre.

»Du scheinst dir wohl auch von jedem dein eigenes Bild zu machen oder täusch ich mich da?«, fragte er skeptisch.

Scheiße, oh nein, ich Idiot. Es ist ihm wohl nicht entgangen, dass ich ihn von oben bis unten musterte.

»Naja, man muss ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat!«, antwortete ich kurz darauf.

»Du scheinst mir das mit dem Hochkommen ja wirklich übel genommen zu haben.«

Phu, er denkt ich bin ihm sauer. Anscheinend hat er nicht gemerkt, dass ich total auf ihn stehe.

»Ja ich fands nicht so toll. Aber nu is ja egal. Du hast dich ja entschuldigt. Mit wem bist du eigentlich hier?«

»Mit einem Kumpel. Er heißt Daniel. Wir gehen auf die gleiche Schule.«

»Du gehst noch zur Schule?«

»Ja. Berufsschule. Und was machst du?«

»Ich mache mein Abi. Was lernst du denn?«

»Ich lerne Kfz Mechaniker. Ja ich habe schon immer gern an Autos und Motorrädern rumgebastelt. Deshalb wusste ich schon immer, was ich mal machen werde. OK, es bringt nicht gerade so viel Kohle, aber es macht mir total viel Spaß.«

Wir unterhielten uns noch sehr lange. Anscheinend schienen wir nun wieder in den 2000ern zu sein, denn die Musik war nun gar nicht mehr im 60er Style. Es lief gerade 'Teenage Dirtback' und ich sah zu Tom und den anderen auf der Tanzfläche herüber. Sie schienen wirklich schon sehr voll zu sein. Aber ich merkte auch, dass ich nun nicht mehr allein war, genauso wie Chris. Er verdrehte immer so niedlich die Augen, wenn er mich nun ansah. Daran hat wohl dieser komische Drink Schuld, den Chris andauernd mixte. Mit der Zeit merkte ich, dass er aber immer mehr nur noch nach Alkohol schmeckte.

»Hast du eigentlich ne Freundin?«, fragte Chris mich.

»Nein. Wieso fragst du? Hast du eine?«

»Ach nur so. Ich hab auch keine. Kann ich nicht verstehen, warum du keine Freundin hast.«

Oh, will er jetzt etwa anfangen, mit mir zu flirten?

»Wieso kannst du das nicht verstehen?«, fragte ich provokativ.

Jetzt kam er näher, er nahm meine Hand. Was sollte das jetzt werden? Es muss wohl Schicksal gewesen sein, dass ausgerechnet in diesem Moment "I´ve had the time of my live" gespielt wurde. Dieses Lied gab dem ganzem eine romantische Atmosphäre. Er kam noch näher mit seinem Gesicht. Wollte er mich etwa küssen? Hier? Vor allen Leuten? Schließlich fehlte nur noch eine Stecknadelbreite, dann würden sich unsere Lippen berühren. Ich schloss die Augen und wollte mich gerade darauf einstellen nun seinen Kuss zu empfangen, doch dann schob er seinen Kopf an mein Ohr und flüsterte »Na ja, auffallen tust du ja ohne Zweifel!«

Toll, jetzt spielt er schon wieder auf meine Bruchlandung an. Ich hörte ihn nur noch laut lachen, doch ich hatte nun endgültig die Schnauze voll. So gut er auch aussah, aber ich lass mich doch nicht zum Idioten abstempeln.

»Weist du was Chris?«, fragte ich ihn ernst. Er sah mich erwartungsvoll an während er einen Schluck aus seinem Alkmix nahm.

»Du bist voll von Scheiße!« Ich nahm meine Zigaretten und mein Glas und verdrückte mich nach draußen. Draußen unterhielt sich Didi mit ein Paar Leuten. Sie sah etwas wuschelig auf dem Kopf aus. Schien wohl schon heiß hergegangen zu sein bei ihr. Sie sah mich nur an und wusste, dass sie mich jetzt lieber nicht ansprechen sollte. Ich ging in Emelys Garten und setzte mich auf eine Bank. Ich nahm einen Schluck von Chris seinem bescheuerten Alkmix und dachte nach. Vielleicht hab ich ja zu stark reagiert. Ich mein, wie konnte ich nur annehmen, dass er mich wirklich küssen würde. So einer wie er könnte doch jede haben. Und darum wunderte es mich auch, warum er keine hatte. Er scheint wohl eine sehr unangenehme Art zu haben, dass kein Mädel es bei ihm aushielt. Und diese Seite hat er mir wohl auch gerade gezeigt. Aber vielleicht war es ja auch nur Spaß. Ich glaub, ich war eher sauer auf mich selbst. Ich zündete mir eine Zigi an und schaute in die Sterne. Ich sah den großen Wagen. Und sogar eine Sternschnuppe, doch ich wünschte mir nichts. Mir ist nun wirklich nicht danach. Und außerdem würde dieser Wunsch sowieso nicht in Erfüllung gehen. Deshalb lass ich es ganz sein. Nach ein paar Minuten hörte ich Schritte. Es war bestimmt Didi, die sich Sorgen um mich machte. Ich fühlte wie zwei Hände meine Schultern fasten.

»Didi, lass mich bitte in Ruhe ja?«

»Wie viel Namen willst du mir denn noch geben?«

Stop! Das kann nicht sein. Ich drehte mich um. Es war Chris. Er nahm meine Hand und ich stellte mich vor ihn. Er sah mir in die Augen.

»Es tut mir leid. Ich bin wirklich ein Ekel.«

»Das ...« Ich kam gar nicht zum Ausreden. Er legte seinen Zeigefinger auf meine Lippen und sah mich erneut an.

»Ich wollte eigentlich was anderes sagen«, sagte er dann, wobei sein Finger wie angewurzelt auf meinen Lippen verweilte.

»Ich kann es nicht verstehen, dass so ein hübscher Junge wie du keine Freundin hat. Wenn ich ein Mädchen wär. Ich würde dir beim ersten Mal, wenn ich dich sehen würde, verfallen!«

Wow, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Oder war es wieder eine seiner "Fallen"?

Schließlich durfte ich wieder sprechen.

»Ach, also nur als Mädchen verfällst du mir, ja?«

Er sah mich mit einem Grinsen an, strich mir übers Haar und kam mir nun immer näher. Kurz vor meinen Lippen stoppte er und ging Richtung Ohr. Was soll das denn jetzt schon wieder?

»Darf ich dich küssen? Auch wenn ich kein Mädchen bin?«

Hui, damit hab ich jetzt aber auch nicht gerechnet. Er hat wohl doch nette Seiten.

Ich antwortete nicht, sah ihn nur an und schloss meine Augen. Dann spürte ich seine Lippen auf meinen. Und dann spürte ich noch mehr ... seine Zunge in meinem Mund. Und dann verfiel ich ihm voll und ganz. Wir spielten gegenseitig mit unseren Zungen rum und ich hörte ein Klacken. So als ob man mit einer Kelle gegen einen Topf schlug. Unsere Lippen trennten sich, wir sahen uns an und sagten fast gleichzeitig »Hast du auch ein ...«

Weiter kamen wir nicht, weil wir laut loslachen mussten. Das war nun wirklich eine Überraschung. Er kam mir gerade wieder näher, als irgendwer seinen Namen rief.

»Chris? Bist du hier? Hey Alter, meld dich doch mal!«

Chris sah mich traurig an. »Das ist Daniel. Ich glaub wir müssen los.«

So ein Scheiß. Wir gingen zusammen nach vorne zur Eingangstür.

»Mensch, wo warst du denn? Ich hab dich überall gesucht.«, machte Daniel ihn an.

»Ich war mit Martin hinten im Garten. Wollen wir los oder was?«

»Ja, nun komm. Ich bin todmüde.«

Chris gab mir zum Abschied die Hand und flüsterte »Wir sehen uns wieder. Ich hab dich total gern, mein Kleiner!«

Dann stieg er auch schon in den Mondeo ein, den Daniel fuhr, und sie waren verschwunden.

Traurig sah ich ihnen hinterher und ging schließlich wieder rein, wo ich auch schon sehnsüchtig vermisst wurde.

»Mensch Martin. Wo warst du denn? Ich wollte doch noch mal ne Zigi von dir schnorren!« Tja wie gewonnen so zerronnen. Das ist mal wieder typisch Denise.

Lange blieben Didi und ich dann auch nicht mehr. Die Party war ja nun auch schon mehr oder weniger zu Ende.

Ich verabschiedete mich von Sophie, Denise, Tom und natürlich auch Emely, durch ihre Party hab ich schließlich Chris kennengelernt und Didi und ich fuhren nun auch heimwärts. Es hat mich ja gewundert, dass die neugierige Diane mich nicht gefragt hatte, was vorhin mit mir los war. Hat sie bestimmt schon wieder vergessen gehabt.

Zu Hause angekommen, legte ich mich sofort ins Bett. Ich dachte noch etwas an Chris. Ich glaub ich bin verknallt. Aber wie konnte ich nur so ein Glück haben? Ich denke mal, da gibt es bestimmt wieder mal einen Haken. Ich überlegte noch eine Weile und schließlich schlummerte ich ein.

Am nächsten Morgen klingelte mein Wecker um 8 Uhr. Hä, wieso das denn? Hab doch Ferien. Ich setzte mich auf mein Bett und trank ein Schluck Saft. Ach klar. Frühstücken. Didi kommt ja zum Frühstück. Warte, wann wollte sie kommen?? Stimmt, so gegen 9 Uhr. Junge ich bin ja noch ganz schön gerädert, dachte ich mir, als ich aufstand. Na ja erstmal unter die Dusche. Das war herrlich. Danach zog ich mich an, machte mir die Haare und deckte den Frühstückstisch. Ich schaute erstmal aus dem Fenster, um zu gucken ob meine Mum eigentlich nach Hause gekommen war. Whoops, kein Opel Astra zu sehen, na ja jedenfalls kein türkiser. Tja das scheint ja dann wohl mit Frank zu klappen. Hey das wär ja echt spitze, dann hätte ich endlich zwei Brüder. Einen Älteren und einen Jüngeren. Dann können wir jeden Tag Scheiße bauen. Moment mal, war ich dafür nicht ein wenig zu alt? Ich denke mal, mit 19 macht man so was nicht mehr. Na ja es kommt ja auch immer darauf an, was man mit Scheiße bauen meint. Das Telefon klingelte. Ich nahm ab

»Hallo?«, sagte ich halb gähnend in den Hörer.

»Oh, da hat wohl noch wer sein Kopfkissen im Gesicht wa?«, antwortete mir eine Frauenstimme. Es war Carmen, meine Tante, also die Kumpeline von Frank, bei dem eigentlich gerade mein Mum sein müsste.

»Hey Carmi! Was geht ab?«, fragte ich dann. Mit Carmen redete ich immer so, denn sie war mit ihren 33 Jahren noch ziemlich jung geblieben.

»Ja das wollte ich eigentlich dich fragen. Ist denn Sandra zu Hause?«

»Nein, die war gestern mit Frank aus und ist nicht nach Hause gekommen.«

»Ach hier«, sagte sie, »Dann ist ja alles OK, ich dachte schon, Sandra würde ihm absagen.«

Konnte ich mir ja gleich denken, dass Carmen das mal wieder so hingebogen hatte.

»Nein hat sie nicht. Ich glaub ich bin dir jetzt was schuldig.«

»Das kannst du laut sagen. Kannst mich ja mal auf ein Eis einladen.«

»Yup, kann ich machen. Meld dich, wenn du frei hast. Bis dann erstmal, ja?«

»OK, ich meld mich dann. Ciao Kleiner!«

Stopp mal ... Kleiner? Ich legte auf. Das kommt mir bekannt vor. Stimmt! Chris! Und dann erst viel mir alles wieder ein, was gestern passierte. Oh nein, noch dazu auch meine Bruchlandung, über die sich Chris so totgelacht hatte. Hmmmm, mein Chris ...

Meine Gedanken an ihn gerichtet, deckte ich in der Küche den Tisch. Ich setzte Kaffee auf und kochte ein paar Eier. Denn es geht doch nichts über ein schönes Eibrötchen am Morgen.

Kurz nach 9 klingelte es an der Haustür. Didi.

Ich drückte auf den Buzzer und Didi kam herein.

»Hey du Aufreisser.«

Oh, hatte sie etwa was mitbekommen?

»Wieso Aufreisser?«, fragte ich skeptisch, wobei ich pfeifend zur Decke guckte.

»Denkst du, ich hab das gestern nicht mitbekommen? Wie heißt deine neue Flamme denn?«

»Moment mal«, sagte ich überrascht, »Lass uns doch erstmal in die Küche gehen.«

Wir setzten uns hin und ich goss uns den Kaffee ein.

»Nun erzähl schon ...«, stichelte Didi. Und das schon am frühem Morgen.

»Mensch du bekommt aber auch alles mit. Apropos Aufreisser ... Wie war es denn gestern mit diesem Typen, mit dem du verschwunden warst?«, lenkte ich vom Thema ab.

»Ach, der war ne Niete. Viel hab ich von unserem Sex nicht mitbekommen. Er hat ihn 3 mal reingesteckt und dann hatten wir schon den Salat.«

Ich spuckte in meinen Kaffee und verschluckte mich.

»Junge, das du immer so direkt sein musst«, sagte ich noch halb hustend zu ihr.

»Na ja, es war doch so«, zischte Didi mit leichtem Lachen. »Der Typ war voll die Niete. Wie gesagt, ich hatte nicht viel von ihm. Er war zwar genau mein Typ, aber er bringt's nicht. Man gut das du dir den nicht ausgeguckt hast.«

Womit wir also doch beim Thema wären.

»Wie heißt er?«

»Chris!«, sagte ich, wobei ich langsam mein Brötchen aufschnitt, das ich zuvor aus dem Brotkorb genommen hatte.

»Chris? Aha, der ist ja auch voll die Schnitte. Hast einen guten Fang gemacht.«

»Ich habe noch gar nichts gefangen. Wir haben uns nur unterhalten. «

»Das kannst du mir nicht erzählen. Du lässt doch nichts anbrennen, Martin!«

»Spinnst du? Ich heiß ja nicht Diane!«, erwiderte ich zynisch.

»Hey, ich hatte schon seit 3 Monaten keinen Sex mehr. Es wurde mal wieder Zeit. Aber der, den ich gestern hatte, war ja auch nicht so toll. Aber nun erzähl doch erstmal.«

Da sie sowieso keine Ruhe geben würde, bis ich mit der Sprache rausrückte, erzählte ich ihr also die ganze Story von gestern.

»Was?«, brüllt sie auf einmal, »Ihr habt euch geküsst? Das ist ja süß!«, sagte sie ganz aus dem Häuschen.

»Nun halt mal den Ball flach«, antwortete ich »Ich habe dir schon wesentlich andere Sachen erzählt!«

»Spielst du auf Markus an?«

»Ja spiele ich. Da hast du auch schon schlimmere Sachen von mir gehört als einen Kuss!«

»Ja, aber das war Markus und nicht Chris. Was meinst du, läuft das mit euch beiden an?«

Ich schmierte mir lecker Nutella aufs Brötchen und überlegte kurz.

»Naja, als er los musste, hat er gesagt, dass wir uns wiedersehen werden und das er mich ganz doll lieb hat.«

»Na Super«, sagte Didi, wobei sie ganz aus dem Häuschen war. Ich freu mich ja, dass sie sich für mich freut, aber ich habe da so meine Bedenken gehabt, ob das mit Chris wirklich was werden sollte.

»Ich freu mich für dich! Sag mal, sind jetzt eigentlich Mädchen für dich gestorben? Endgültig?«

Hmm, das war eine gute Frage. Um genau zu sein, wusste ich es selbst nicht, oder wollte ich es gar nicht wissen. Mir fiel nur auf, dass wenn ich an mein Zukunft dachte, immer sofort meine Frau und mein Kind zu sehen waren und kein Chris. Das ist wohl immer noch dieses Klischeedenken. Aber ich war davon geprägt.

Der Rest des Frühstückes verlief so wie immer. Es flog etwas Wurst und Käse über den Tisch, es wurde viel gelacht und diskutiert und am Ende waren wir vollgefressen und spielten N64!

So gegen 19 Uhr verabschiedete sich Didi.

Ich setzte mich also an meinen PC und dödelte ein bisschen Free Cell. Ich sag euch, wenn man das Spiel erstmal verstanden hat, dann macht es auch Spaß.

So gegen 20 Uhr fragte ich mich dann so langsam mal, wo meine Mutter eigentlich abgeblieben sein konnte. Tja, die war wohl noch bei Frank. Ich war gespannt, wann ich ihn und seine beiden Söhne endlich mal kennenlernen konnte. So'n Mist! Ich muss mich doch noch um die Disko kümmern. Jedenfalls wie ich heute Abend da hinkommen soll. Schnell tippte ich ein paar Nummern und fragte mich durch. Gott sei Dank fand ich bei Jens noch einen Platz im Auto. Dem Diskoabend stand also nichts mehr im Weg. Jens wollte mich gegen 22 Uhr abholen.

Ich fing um 20:30 Uhr an mich fertigzumachen. Das hieß: Noch mal unter die Dusche, Haare neu machen, und dann ging's los ... was zieh ich an? Das ist bei mir immer das Schwierigste. Ich schaute also in meinen über alles gefüllten Kleiderschrank, und suchte erstmal nach einer Hose. Ich wurde diesmal schnell fündig, was mich selbst überraschte. Gott sei Dank hatte ich mir letzte Woche die Hose von Denise ausgeliehen, doch sie wusste nichts davon, denn Tom hatte sie mir gegeben, da sie ihm die ausgeliehen hatte. Ich nahm die Hose und dachte daran, wo meine schwarze Schlaghose wohl sein könnte, die ich Denise ausgeliehen hatte. Bei uns in der Clique ist es ziemlich schwer, den Überblick über seine Klamotten nicht zu verlieren. Jedenfalls zog ich die dunkelblaue Jeans von Denise an und entschied mich dann für ein ärmelloses engeres weißes Oberteil. OK, alles war perfekt. Die Haare lagen, noch etwas Duft versprühen und dann konnte es ja bald schon losgehen.

Ich setzte mich auf meine Couch und zündete mir eine Zigi an, auf einmal klopfte es an meiner Tür.

»Hey Martin. Ich bin wieder zu Hause!«

Die Tür öffnete sich und meine Mutter kam herein.

»Hey Mutter! Warst du noch so lange bei Frank?«

Die Tür öffnete sich weiter und da stand er. Frank! Endlich konnte ich ihn kennenlernen und dazu blieben mir noch genau 10 Minuten, denn Jens war immer äußerst pünktlich.

Frank kam mir entgegen und streckte mir seine Hand entgegen.

»Hallo Martin. Ich bin Frank. Schön dich kennenzulernen.«

»Hallo Frank. Ich freue mich auch, dich mal kennenzulernen. Wie geht es dir?«

»Oh, danke. Mir geht's gut. Und dir? Hast du heute noch was vor? Du siehst so gestriegelt aus?«

Man sah, der Mann hatte Geschmack. ;-)

»Ja, ich fahre heute noch in die Disko.«

»Ach«, sagte meine Mum, »schön, dass ich das auch mal erfahre.«

»Du warst ja den ganzen Tag nicht zu Hause!«, antwortete ich barsch.

»Hast ja recht«, sagte sie lächelnd. »Hier hast du 10 DM für den Eintritt.«

»Hey danke Mum.«, erwiderte ich und schaute auf meine Wanduhr.

»Oh, Scheiße ... ich muss los. Jens wartet bestimmt schon auf mich.«

»Na dann mal viel Spaß!«, sagte Frank. Meine Mum schaute mich an und ich sah zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder ihre Augen leuchten. Ich war froh, dass sie nun glücklich war und noch mehr freute ich mich natürlich auf meine neuen Brüder. Wann ich die wohl kennenlernen würde??

Ich lief die Haustür raus, bis vorne zur Bushaltestelle. Das waren ca. 2 Minuten. Angekommen sah ich schon Jens sein Auto. Ich stieg ein. Ich sah, dass er sichtlich genervt war.

»Sorry«, sagte ich leise, »aber meine Mutter hat mir noch ihren Neuen vorgestellt«

»Schon OK!«, sagte er, »du bist nicht der Einzige, der sich heute verspätet hat. Aber dann kann's ja jetzt losgehen.«

Junge jetzt hatte er es aber wirklich eilig. Den 1. zog er bis 40 km/h hoch. Man konnte förmlich die 5 DM Stücke aus dem Auspuff schleudern sehen. Aber Jens war schon OK. Er war mal Go-Go-Tänzer gewesen, doch dann musste er wegen seiner Arbeit umziehen. Es kommt selten vor, dass er mal wieder hier im Lande ist.

Egal. Wir waren nun endlich angekommen. Dann konnte es ja losgehen. Wir wurden, genauso wie alle anderen, erstmal von den Security Leuten abgetastet, bevor wir rein konnten.

»Wollen wir wieder auf unseren Stammplatz?«, fragte Jens.

Es war zu Anfang immer etwas schwer, hier drin etwas zu verstehen, wegen der lauten Musik halt. Aber ich konnte mit den Bruchstücken, die ich verstand, ihm antworten.

»Ja, klar. Willste dann auch ein Desperados?«, fragte ich.

»Klar, aber lass uns erstmal gehen.«

Gesagt-Getan. Unser Stammplatz war direkt neben dem Girly-Klo, in der Nähe der Theke. Ich ging gleich bestellen.

»2 Desperados bitte« schrie ich den Angestellten an.

»Kommt sofort.«

Ich wartete also und schaute mich so um, man sah halt die üblichen Gesichter. Die einen kannte man, die anderen halt nur vom Sehen und einige neue waren auch dabei. Also alles wie immer. Dann hörte ich mir die Musik an ... Oh, das war ja Jens und mein Lied: DJ Mirko Milano mit 'Stopp and Go'. Ich schaute zu Jens rüber. Er sah mich an und lächelte, wobei er abtanzte wie Schmids Katze.

Dann nahm ich die Getränke, bezahlte und ging zu Jens rüber.

Wir quetschten die Zitrone in die Flasche und tranken.

Ich entschloss mich nach einiger Zeit mal so ein bisschen umzuschauen. Also ging ich los. Ich traf Nadinß, Manuela, Verena, Sven und halt auch die ganzen anderen. Ich freute mich jedes mal wenn ich sie sah, auch wenn ich sie jeden Samstag zu Gesicht bekam.

»Wollen wir tanzen gehen?«, fragte mich Nadinß dann schließlich.

»Klar, machen wir.«

Wir standen auf der Tanzfläche und Nadinß ging dann aufs Podest und reichte mir die Hand. Oh, schon so früh aufs Podest. Eigentlich geh ich da immer hin, wenn ich schon etwas getrunken hatte, aber egal. Hoch mit mir. Ich gab ihr meine Hand und sie zog mich hoch. Dann konnte es ja abgehen. Nadinß tanzte mal wieder 1A. Ich zog also da oben meine Nummer ab und beobachtete gleichzeitig die anderen Leute, die gerade tanzten. Ich versuchte mir immer etwas von den anderen abzugucken, was mir gut gefiel.

Die Stimmung war nun auf dem Höhepunkt, es lief gerade Asys mit 'Acid Nightmare', als ich wieder zu den anderen ging, die gleich hinter dem DJ Pult standen. Wir laberten uns noch jeder ne Kante ans Bein, bis ich mich entschloss, mal wieder nach Jens zu schauen. Es war mittlerweile sehr voll geworden und es blieb kaum aus, jemanden nicht leicht anzurempeln, um durch die Massen zu kommen.

»Mensch Junge, hast du keine Augen im Kopf?« wurde ich angebölkt.

»Hey Sorry. Aber du siehst ja selbst, was hier los ist«, sagte ich und wollte weiter, doch der Kerl zog mich zurück.

»Wenn du das noch mal machst, dann gibt's auf die Fresse, damit wir uns gleich gut verstehen!«, brüllte er mich an und schubste mich in die Menge.

Das war nun wirklich zu viel. Ich ging zu ihm zurück und schubste ihn gegen seinen Tisch. Er pachte mich am T-Shirt und wollte mir gerade eine reinschlagen, als mich jemand von hinten wegzog und diesem Idioten eine in die Fresse schlug. Mittlerweile waren auch die Security Leute auf dem Weg zu uns.

»Komm mit!« hörte ich nur noch und jemand nahm meine Hand. Ich war zu verwirrt, um mich irgendwie dagegen zu wehren, ich wollte gucken, wer mich da an der Hand hielt, doch ich schaute immer noch zurück zu dem Idioten, der mir die Fresse polieren wollte. Wie ich solche Leute doch hasse. Die gehen doch schon mit dem Gedanken in die Disko, wie viel sie heut wieder abladen können, dachte ich mir, als ich merkte, dass ich im Auto saß und die Tür neben mir zugeschlagen wurde. Ich sah auf die Fahrerseite, um zu gucken, wer dort sitzen würde ... wer mein toller Retter sein könnte, denn ohne ihn hätte ich heute Abend wohl sehr alt ausgesehen. Ich drehte mich also um und sah ... ja, es war Chris!

Er schaute mich an ... »Ich hab doch gesagt, wir sehen uns wieder mein Kleiner!«, sagte er, wobei er mir ganz tief in die Augen sah.

Ich schaute einfach nur zurück. Wie konnte ich nur vergessen, wie gut er aussah?

»Na, jetzt bist du wohl sprachlos, wa?«, fragte er schließlich, wobei er meine Hand nahm.

»Nein,« antwortete ich nun endlich stotternd, »Ich hätte nur mit dir heute hier nicht gerechnet.«

Chris lächelte. Es ist wohl das bezauberndste Lächeln, das ich je gesehen hab.

»Wollen wir fahren?«, fragte er mich.

»Würde ich ja gern aber ...«

»Ich hab Jens schon Bescheid gesagt, dass ich dich mitnehme!«

»Du kennst Jens?«

»Klar, war mal ein Klassenkamerad.«

»Woher weißt du, dass ich mit ihm hergekommen bin?«

»Ich hab ihn drin getroffen und hab gefragt, mit wem er da ist. Und als dein Name fiel, hab ich gefragt, wie du aussiehst und dann wusste ich, dass du es warst. Dann hab ich dich gesucht und hab dich Gott sei Dank nicht zu spät gefunden.«

Ich grinste. »Da hast du recht.«

Er sah mir in die Augen und die Diskolichter vermischten sich mit dem Haselnussbraun seiner Augen.

»Wollen wir fahren?«, fragte er erneut.

»Wohin?«

»Lass dich überraschen!«

Und das tat ich dann auch. Chris fuhr los. Ich schaute die ganze Zeit auf die Straße, OK, des öfteren wagte ich auch mal ein paar Blicke zu ihm. Er war sehr konzentriert bei der Sache und hatte ein leichtes Grinsen auf den Lippen, als er die CD von seinem Autoradio austauschte. Er drückte auf Play...

Es war "My heart it feels like dub dub" von den It Girls.

»Kennst du dieses Lied noch?«, fragte mich Chris.

»Wieso fragst du?«

»Das Lied lief, als ich dir zur Entschuldigung einen Drink gemixt hatte. An Emelys Party.«

Er drehte laut auf. Er hat wohl eine Bassröhre im Kofferraum. Bin sowieso mal gespannt, wie das Auto von außen aussieht. Bestimmt voll tiefer gelegt, was weiß ich, was für Felgen drauf und so weiter...

Er bog nun in einen Feldweg ein, ganz langsam und vorsichtig fuhr er auf dem Holperweg. Anscheint hatte sich meine Vermutung mit dem tiefergelegten Auto bestätigt. Auf einmal hielt er an und stieg aus. Ich öffnete meine Tür und stieg aus.

»Und wo sind wir jetzt?«, fragte ich skeptisch

»Warte ab ... komm mal mit.«

Er nahm meine Hand. Ich zitterte innerlich und war vollkommen nervös. Doch ich versuchte, nichts nach außen durchdringen zu lassen. Wir gingen über eine große Wiese. Bis Chris auf einen Jagdstuhl hinwies. Wir gingen hoch und ich hätte auf der Stelle sterben können ... denn was ich da sah, das war wunderschön. Ich sah meine Heimatstadt im Tal liegen. Die vielen Lichter, die noch brannten, gaben eine romantische Stimmung. Gleich über der Stadt ein klarer Sternenhimmel. Chris drehte sich zu mir um, nahm meine Hände und sagte: »Diesen Platz habe ich bisher noch niemandem gezeigt. Ich fahre oft hier her, wenn ich mal Probleme habe oder so.« Er machte eine kleine Pause. »Aber so schön wie heute Nacht war die Aussicht noch nie! Das muss wohl an dir liegen!«

In mir brannte nun ein unglaublich heißes Feuer. Ich wusste nicht, was ich nun sagen sollte. Mir kamen die Tränen, doch ich wischte sie schnell weg. Ich schaute schüchtern auf den Boden. Chris hob mit seiner Hand meinen Blick zu sich und fing leise an zu singen: » My heart it feels like dub dub ...«

Er begann zu lächeln, sah mich an und begann mich zu küssen. Ganz vorsichtig und gefühlvoll. Er hörte auf.

»Hast du das auch gehört?«, fragte er.

»Nein, was denn?«

»Ich glaube da scheinen zwei Herzen ganz schön aufgeregt zu sein!«

Ich sah ihn in die Augen, grinste ihn neckisch an und antwortete »Ich glaube da haben sich zwei Herzen endlich gefunden?!«

Wir setzten uns auf die kleine Bank, die neben uns stand und Chris holte zwei kleine Feiglinge aus der Jackentasche.

»Was willst du damit?«, fragte ich ihn verwundert.

Er gab mir einen ab und sagte »Auf die beiden Herzen!«

Wir stießen an. Ich fand es voll niedlich, was er sich hat einfallen lassen. Also hatte er anscheinend alles geplant gehabt?

Er holte seine Lucky Schachtel aus der anderen Jackentasche und gab mir eine ab. Wir saßen noch lange da oben und genossen die Aussicht. Langsam ging die Sonne schon wieder auf. Es war nun Zeit zu gehen. Ich wollte schon die Leiter hinabsteigen, als Chris mich zurückzog, mich in den Arm nahm und sagte:

»Martin ... Ich liebe dich!«

Die ganze Zeit hatte ich auf diesen Satz gewartet und nun hat er ihn ausgesprochen. Ich konnte mein Glück noch immer nicht fassen. Da war er, der Boy meiner Träume, da, vor meinen Augen und er liebt mich.

»Chris, ich liebe dich auch!«

Er nahm mich fest in den Arm und küsste mich. Jeder Kuss von ihm brachte mein Herz zum Schmelzen.

Wir gingen zurück zum Auto und er fuhr mich nach Hause.

»So dann werde ich mal gehen«, sagte ich leise.

»Ich will dich gar nicht gehen lassen, mein Kleiner.«

»Ich muss doch aber nach Hause. Wann sehen wir uns wieder?«

»Ich ruf dich an! Ich liebe dich, mein Kleiner.«

»Ich liebe dich auch Chris. Machs gut.«

»Warte, du hast noch was vergessen!«

»Was denn?«

»Hier. Die möchte ich dir schenken!«

Chris gab mir eine Maxi CD. Natürlich 'My heart beates like a dub dub'.

»Danke!«

»Schon gut. Bis dann!«

Ich schlug die Autotür zu und er fuhr mit quietschenden Reifen los. Ich grinste nur und dachte : Hauptsache schocken.

Ich ging gleich in mein Zimmer und schaute auf die Uhr. Wir hatten es mittlerweile kurz vor 6. Ich schmiss die CD von Chris in den Player und legte mich ins Bett. Mit der CD Hülle auf meinem Bauch schlief ich ein.

Am nächstem Morgen weckte mich mein Handy. Die einzige Person, die mich fast jeden Morgen aus den Träumen reißt, ist eigentlich Lotti, meine Cousine aus der Nachbarstadt. Ich schaute verwirrt und schlaftrunken auf die Uhr. Waas? Kurz vor 4? Junge ist ja schon voll spät. Ich ging zum Handy, nahm ab

»Hey Lotti, was gibt's?«

»Junge, wie viele Namen willst du mir denn noch geben? Denise, Didi, aber Lotti ist ja nun wirklich die Krönung, man.«

Oh, es war Chris.

»Hey Chris. Tut mir leid. Normalerweise klingelt mich meine Cousine immer aus dem Schlaf.«

»Moment mal! Du hast bis eben gerade geschlafen? Fauler Sack. Ich bin schon seit 12 Uhr wieder auf den Beinen.«

»Wieso? Heute ist doch Sonntag. Musst du da arbeiten oder was?«

»Ne Quatsch. Muss ich nicht. Schraube nur gerade an meinem Auto rum.«

»Was machst du denn jetzt schon wieder mit dem armen Golf?«

»Ich habe gerade die Bremsen etwas erneuert. Mein Alter sagt zwar immer, ich soll die Finger von den Bremsen lassen, aber ich kenn mich damit aus.«

»Das hoffe ich.«

»Ja klar. Und außerdem bau ich gerade einen neuen CD Wechsler ein. Hast du meine CD heute schon gehört?«

Erst jetzt fiel mir auf, dass die die ganze Nacht bis jetzt durchlief.

»Ja, ich höre sie seit gestern Nacht oder besser gesagt, seit heute Morgen.«

»Schön. OK, ich wollte mich auch nur mal melden und sagen, dass wir uns erst Dienstag sehen können.«

»Wieso das denn?«

»Ja, heute muss ich noch zu nem Kumpel, wegen Test in der Schule. Und Montag bekommen wir Besuch.«

»Wer kommt euch denn besuchen?«

»Sorry muss jetzt erstmal Schluss machen, Daniel kommt. Erzähl ich dir ein anderes Mal. Bis dann. Ich liebe dich, Kleiner.«

»Ich liebe dich auch.«

Na toll, da hat man einen neuen Freund und dann ist er nicht da ... aber ich find ihn einfach toll. Ich liebe ihn wirklich von Herzen. Ich beschloss erstmal Didi anzurufen und ihr die neusten Neuigkeiten zu erzählen. Gleich nachdem ich sie angerufen hatte, stand sie auch schon vor der Haustür und wir gingen in mein Zimmer.

»ECHT?«, schrie Didi mal wieder wie aus der Kanone, als ich ihr alles erzählte.

»Ja, geil ne.«

»Ja, im wahrsten Sinne des Wortes.«

Typisch Didi. Die und ihr Sex ...

»Du denkst doch immer nur an das eine!«, sagte ich.

»Wo wir schon mal beim Thema sind. Ich war gestern ...« Und dann fing sie erstmal an zu labern. Sie erzählte mir, dass sie wieder einen Neuen hat und wie toll der doch im Bett ist. Sie hatten sich wohl von oben bis unten mit Baby Öl eingerieben und dann gepoppt bis zum bitteren Ende.

»Und wie war es?«, fragte ich schließlich etwas desinteressiert.

»Oh, Martin. Ich sag dir, das musst du auch mal ausprobieren. So ein Geflutsche ... das war echt geil!«

Naja, man gut, dass jeder eine Flasche Baby Öl zu Hause hat.

Ich holte meine Zigis vom Schreibtisch und zündete mir eine West Ice an.

»Oh, bekomm ich auch eine?«

Ach sch... ! Stimmt ja. Das waren die einzigen Zigaretten, die sogar Didi mochte, obwohl sie eine Nichtraucherin ist. Toll und ich hab nur noch so wenig. Naja, man will ja kein Schwein sein.

»Hier bitte.«

Also setzten wir uns auf die Couch in meinem Zimmer und rauchten eine. Wie ich Didi so beobachtete, merkte ich, dass sie mit ihrem neuen Freund wohl doch nicht so glücklich war. Ich denke mal, es war wieder nur ne reine Sexbeziehung. Sie sollte sich vielleicht endlich mal jemanden nehmen, den sie liebt und nicht nur nach den Erfahrungen im Bett gehen.

Nach ca 2 Stunden ununterbrochenem Diskutieren ging sie dann wieder nach Hause. Ich wollte mich auch gerade Schlafen legen, denn für heute war nichts mehr geplant, als meine Mutter mein Zimmer betrat.

»Hey. Wie war's gestern?«, fragte sie mich.

»Was war gestern?«, fragte ich.

»Na warst doch in der Disko. Wie war's denn?«

Ich überlegte kurz.

»Es war der schönste Tag meines lustigen Lebens!«

»Wieso das denn? Hast du jetzt endlich die Richtige gefunden?«

»Ja fast ...«

»Was soll das denn heißen?«

Ich überlegte kurz ob ich es ihr jetzt erzählen soll.

»Sag mal, wie läufts denn mit Frank?«

Ich war glaub noch nicht bereit dazu.

»Ganz gut. Ach übrigens. Wir fahren ihn morgen besuchen, damit wir uns alle mal kennenlernen. Da hast du doch Zeit oder?«

»Ja klar. Ich freu mich schon voll, die mal kennenzulernen.«

»Hoffentlich versteht ihr euch gut.«

»Was soll ich denn dann morgen anziehen?«

»Na wenn du keine anderen Probleme hast. Ich geh jetzt ins Bett.«

»Ist Frank denn hier? Schläft er hier?«

»Nein, der ist zu Hause. Der wollte mal bei seinen Söhnen nach dem Rechten schauen. Gute Nacht.«

»Ja, Gute Nacht.«

Und so schnell wie Sandra gekommen war, war sie nun auch schon wieder fort und zwar im Bett.

Ich wollte mich auch gerade bettfertig machen, als mein Handy anfing zu klingeln.

»Hallo?«

»Hey mein Kleiner! Wie heiß ich denn diesmal?«

»Chris!!!«

»Wow, man, 90 Punkte. Mensch, wie isses?«

»Ja ganz gut. Und bei dir?«

»Mir geht's blendend.«

»Hä, wieso das denn? Bist mit deinem Auto fertig, ja?«

»Nein, ich bin gerade bei meinem Schatz!«

Was? Also hat er mich doch verarscht. Die ganze Zeit verarscht. Das gibt's doch nicht.

»Hä? Wie jetzt?«

»Hab ich dir das denn gar nicht erzählt? Ich lebe in einer festen Beziehung, die ich nie hergeben will!«

»Ich glaub du tickst nicht mehr ganz richtig! Du hast mir nie was von einer festen Beziehung erzählt ... wenn du denkst ich ...«

Doch weiter kam ich nicht, denn er unterbrach mich.

»Weist du was? Mach einfach mal die Tür auf!«

Oh, nein. Er hat mich verarscht. Junge, fiel mir ein Stein vom Herzen.

»Du Arsch. Warte ich komme runter.«

Ich rannte also, natürlich ganz leise (denn meine Mutter schlief ja schon), die Treppe runter und drückte den Buzzer. Die Tür ging auf und da stand er: Mein Chris.

»Was machst du denn hier? Ich dachte du musst üben!«, fragte ich

»Ich wollte dich überaschen, Kleiner!«, seine Augen strahlten.

Wir gingen erstmal hoch in mein Zimmer und tranken ein bisschen O-Saft.

»Ich hab dir was mitgebracht«, sagte Chris.

»Was denn?«

Er öffnete seinen dunkelblauen Eastpak und holte eine Flasche Asti raus.

»Wir müssen das doch noch richtig begießen.«

Ich war echt hin und weg. Wieso bekam ich den hübschesten und dazu noch romantischsten Jungen auf der ganzen Welt als Freund? Ich war überglücklich. Ich holte 2 Sektgläser und wir stießen auf uns an.

Chris schaute mich an. »Du wirst von Minute zu Minute immer hübscher!«

Ich war geplättet. Wir schauten uns ein paar Videofilme an und tranken unseren Sekt.

»Ich kann es dir gar nicht oft genug sagen, aber ich bin echt total verschossen in dich Martin.«

Ich lächelte ihn an, nein ich strahlte ihn vielmehr an.

»Dann zeig es mir.«

»Wie soll ich das denn machen?«, fragte er und blickte mich mit neckischem Grinsen an.

»Schreib mir doch mal ein schönes Gedicht.«

Sein Grinsen verzog sich zu einem überraschten Ausdruck.

»Gedichte schreiben nur Mädchen«, sagte er.

Wir schauten uns schließlich 'Final Destination' an, doch ich schaute ihn vielmehr die ganze Zeit an und bewunderte ihn einfach, mehr tat ich nicht, ich bewunderte ihn nur. Anscheinend bemerkte er es nach einiger Zeit, denn er sah mich lächelnd an und strich mir gefühlvoll über mein Gesicht. Ich legte meinen Arm um seinen Hals und er kam näher. Diesmal übernahm ich den 1. Schritt und fing an ihn langsam zu küssen.

»Hey, so kenn ich dich ja gar nicht«, sagte er verwundert.

»Es gibt viele Seiten an mir, die du noch nicht kennst«, antwortete ich, wobei ich ihm über sein Haar strich. Es fühlte sich sehr fest an, denn genau wie ich benutze er immer etwas Zuviel von dem Gel. Unsere Lippen berührten sich erneut, erst ganz vorsichtig und dann immer intensiver. Dann küsste er langsam meinen Hals und ging mir unters T-Shirt. Der Fernseher war auf Viva eingestellt und es lief gerade Linkin Park mit 'Crawlin'. Chris stand auf und nahm meine Hand. Wir standen nun voreinander und ich ahnte schon, was nun passieren würde. Chris seine Hände wanderten erneut unter mein T-Shirt.

»Ich liebe dich Martin! Ich liebe dich mehr als du erahnen kannst!« Ich lächelte ihn an und wir begannen erneut uns zu küssen. Ich schmolz dahin, er war so lieb und gefühlvoll. Seine Augen leuchteten voller Sehnsucht und von seinem Gesichtsausdruck ging so ein Verlangen und so eine Erotik aus, dass es mir mittlerweile egal war, was nun geschehen würde. Langsam zog er mir mein T-Shirt aus und küsste mich auf meinen Bauch und umkreiste meinen Bauchnabel mit seiner Zunge, wobei sein Zungenpiercing natürlich nicht unbemerkt blieb. Nun zog auch ich langsam sein hautenges schwarzes T-Shirt aus. Nun erst sah ich, dass Chris am rechten Oberarm tätowiert war. Es war ein schwarzes Tribal. Auch ich küsste ihn überall auf seinen Bauch. Langsam legten wir uns aufs Bett. Er legte sich auf mich und streichelte mich überall. Ich öffnete vorsichtig den ersten Knopf seiner ATO Hose.

»Bist du dir sicher, dass du es auch willst?«, fragte er mich flüsternd.

»Ich wünsche mir nichts sehnlicher«, antwortete ich, wobei ich ihn auf die Wange küsste.

Er lächelte mich an und fing an auch meine Hose zu öffnen. So ein Kribbeln im Bauch hatte ich vorher noch nie gehabt. Ich ließ mich fallen und gab mich ihm voll und ganz hin.

Danach küssten und streichelten wir uns noch sehr lange und gefühlvoll.

»Es war wunderschön mit dir«, sagte Chris schließlich leise, wobei er sich eine Zigarette ansteckte und sie mir gab.

»Dann warte erst mal die anderen Male ab«, sagte ich mit einem breiten Grinsen, wobei ich an der Zigarette zog. Er zündete sich auch eine an und sah mich mit dem wundervollsten Lächeln an, das es auf der ganzen Welt gab. Wir rauchten auf und ich kuschelte mich in seinen Arm. Er strich mir über mein Haar und ich schlief schließlich ein.

Um 10 Uhr morgens läutete der Wecker. Wer hat den denn angestellt?

Ich weckte Chris auf. Erst wollte ich ihn ja schlafen lassen, denn er lag neben mir wie ein Engel. Es schien so, als würde er im Schlaf lächeln. Ich küsste ihn auf den Mund, keine Reaktion. Ich wollte es noch mal probieren, doch dann erschrak ich fürchterlich, denn Chris war bereits wach und zog mich über sich.

»Mensch ... musst du mich so erschrecken?«, fragte ich, wobei ich mich versuchte, von dem Schock zu erholen.

»Wie konntest du es wagen, mich aufwecken zu wollen? Selber Schuld!«

Er küsste mich.

»Ich hab dich aufgeweckt, um zu fragen, ob du gestern noch den Wecker gestellt hast.«

»Scheiße, wie spät ist es?«, fragte er wobei er sich hinsetzte.

»10:05 Uhr«, antwortete ich.

»Son Mist. Ich muss los. Ich hab dir doch erzählt, dass wir heute Besuch bekommen.«

Er zog sich hastig an.

»Wer kommt denn nun?«, fragte ich.

»Erzähl ich dir später, mein Kleiner. Sorry dass ich jetzt so schnell weg muss, aber ist wichtig. Mein Alter killt mich sonst.«

Chris gab mir einen Abschiedskuss und ich brachte ihn noch runter zu Haustür. Er stieg in seinen Golf ein und fuhr los. Dann kam mir der Gedanke, dass meine Mum ihn vielleicht gesehen hätte. Son Scheiß. Ich öffnete vorsichtig ihre Schlafzimmertür und da lag sie, schlafend wie ein Murmeltier. Doch plötzlich fing auch ihr Wecker zu klingeln an. Sie öffnete die Augen.

»Guten Morgen!«, sagte ich fröhlich.

»Hey Martin. Gut, dass du wach bist. Mach dich schon mal fertig«, antwortet sie schlaftrunken, wobei ich fast kein Wort verstand.

»Wieso das denn?«

»Na heute ist doch Montag. Wir fahren doch heute Frank und seine beiden Söhne besuchen. Ihr sollt euch doch mal kennenlernen.«

Ach stimmt ja. Ich stieg gleich unter die Dusche, gelte meine Haare und warf mich in Schale. Graue Stoffhose, Buffalos und ein kurzes Hemd drüber sollten genügen. Ich räumte noch schnell mein Zimmer auf und warf die Flasche Sekt von Chris in den Müll. Ich schmiss meine Anlage an und hörte Radio Sunshine, steckte mir eine Zigi an und setzte mich auf meine Fensterbank. Ich hörte, dass meine Mutter wie ein wilder Floh überall herumsprang, als sie sich fertig gestylt hatte. Ich war sichtlich nervös und ich stellte mir schon vor, wie es sein könnte, ich mein jetzt mit noch 2 Brüdern. Hoffentlich war wenigstens einer dabei, den ich mal CDs klauen, mich mit ihm über belanglose Sachen streiten und auch gut mit ihm reden kann. Das typische Klischee halt, was Brüder betrifft.

Dann schließlich hörte ich meine Mutter brüllen.

»Martin, jetzt komm schon. Wir haben es 13 Uhr. Wir sollten eigentlich schon da sein.«

Typisch, als ob es nun wieder an mir lag, dass wir zu spät waren. Ich sitze hier die ganze Zeit und warte auf sie und ich bin Schuld. Aber egal. Ich ging die Treppe runter und sah meine Mum auf dem Flur schon warten, gestylt wie immer.

»Gut siehst du aus«, sagte sie, nachdem sie mich von oben bis unten betrachtete.

Wie kommt es, dass sie auf einmal Gefallen an meinen Klamotten fand?

»Du siehst auch gut aus, Sandra.«

Wir gingen aus unserer Wohnung zum Auto, das brav auf unserem Parkplatz stand.

»Darf ich fahren, Mum?«

»Nein!«

Also alles momentan noch beim Alten.

Sie fuhr los. Ich wusste gar nicht, dass Frank in unserem Nachbardorf wohnte. Sandra hielt vor einem großen Haus.

»Ist das Franks Haus?«, fragte ich verwundet.

»Ja das ist es«, sagte Sandra lächelnd.

Ich sah mir das Haus genauer an. Es hatte 2 Stockwerke und war fast nur aus Holz. Dieser Frank muss ja ganz schön Geld haben, dachte ich mir. Er hatte 2 Garagen, die eine war offen und so konnte ich Franks Auto sehen. Ein Audi A4 Kombi. Naja, der war sicherlich auch nicht billig. Die andere Garage war zu, anscheinend hatte sein älterer Sohn auch schon ein Auto. Vielleicht kannte ich ihn ja schon vom Sehen, aus der Disko oder so. Junge, so langsam fing ich an, nervös zu werden. Wir stiegen aus und gingen zur Haustür. Sandra klingelte. Junge, die Klingel hörte sich an, als ob ein ganzes Regiment angreifen würde, ich fand sie sehr übertrieben. Man hörte Schritte, die zur Tür gingen, diese öffnete sich. Frank kam zum Vorschein, er war genauso gestylt, wie meine Mum. Das scheint wohl ansteckend zu sein.

»Hallo ihr beiden«, sagte er und gab meiner Mutter einen Kuss auf den Mund.

»Kommt doch rein.« Und das taten wir auch. Die Bude gab ganz schön was her. Es hatte alles viel Geschmack. Überwiegend dominierte der Blauton das gesamte Erdgeschoss. Er bat uns in die Stube. Eine sehr große Stube, wie ich bemerkte. Erhellt wurde sie durch 6 ganz große Fenster, sie gaben Auskunft über seinen Garten, der auch sehr groß war und in dem sogar ein kleines Holzhaus stand.

»Bitte setzt euch doch. Möchtet ihr was trinken?«, fragte Frank.

»Ich hätt gern eine Mezzo«, sagte ich.

»Ich nehm einen Kaffee, wenn du einen hast«, sagte Sandra.

»Kein Problem, den stell ich auf«, erwiderte Frank und begab sich in die Küche am Ende des großen breiten Flures, von dem eine Holztreppe zum 1. Stock führte. Ich schaute mich weiter um und war sehr beeindruckt.

»Gefällt dir das Haus?«, fragte meine Mum. Anscheinend hatte sie bemerkt, dass ich sehr erstaunt war.

»Ja das ist super. Noch dazu, dass fast alles blau ist«, erwiderte ich. (denn blau, zählte neben gelb zu meinen Lieblingsfarben)

Doch dann kam schon Frank zurück und stellte mir meine Mezzo auf den Tisch. Ich bedankte mich und nahm gleich einen Schluck.

»Ich habe Spagetti für uns gemacht. Ist das in Ordnung?«, fragte der Hausbesitzer.

»Ja klar. Ich habe auch mächtigen Hunger«, sagte ich.

Sandra grinste mich an.

»Das ist ja wunderbar.«

Frank stellte alles zurecht. 5 Teller, Besteck und die Nudeln und die Tomatensauce. Er ging zur Treppe.

»Hey André, Christopher kommt mal runter. Ich will euch meine neue Partnerin und ihren Sohn vorstellen.«

Man hört ein Getrampel auf der Holztreppe und einer der beiden kam herunter.

»Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht immer so trampeln sollst. Wo ist Christopher?«, fragte Frank.

Also musste dieser Typ André sein. Er trug eine Baggy Hose und ein langes Hemd drüber. Er war also ein Skater, was ich aus seiner Kleidung unschwer erkannte.

»Der kommt gleich, der wollte noch mal kurz aufs Klo«, sagte André.

Er kam zu uns an den Tisch und gab mir die Hand.

»Hey ich heiße André. Schön dich kennenzulernen«, fing er an sich vorzustellen.

»Hi, ich bin Martin«, erwiderte ich freundlich.

Dann ging er zu meiner Mutter und gab ihr auch höflich die Hand und stellte sich vor.

»Ich nehme den Stuhl neben dir. Ist doch in Ordnung oder?«, fragte mich André mit einem Lachen auf dem Gesicht.

Klar war das in Ordnung. Ich hatte Angst, irgendetwas falsch zu machen.

André rief noch mal seinen Bruder Christopher.

Ich nahm gerade einen Schluck als ich seinen Bruder hörte ...

»Ja bin schon unterwegs man.«

Ich hielt inne. Diese Stimme kannte ich doch.

»Warum trinkst du nichts? Ist eine Fliege im Glas oder was?«, fragte mich André.

»Ich bin doch schon da« ertönte es aus dem Flur.

Ich stand auf und drehte mich um, sah zum Flur, indem die Treppe stand. Ich sah Andrés Bruder an und er sah mich an ... es war Chris. Er sah mich mit großen Augen an und sein Mund stand sperrangelweit offen.

Oh, Gott! Chiris ist mein Bruder. Musste das heißen, dass nun Schluss ist? Sollte ich jetzt nur wegen dieses blöden Zufalls die Liebe meines Lebens verlieren? Was würden Frank und Sandra dazu sagen, wenn wir es ihnen erzählen würden?

»Hey habt ihr einen Geist gesehen?«, fragte Frank laut, der uns wohl beobachtet hatte.

»Nein, nein. Alles bestens«, sagte mein Großer. Er hatte sich wohl wieder einigermaßen gefangen. Chris kam auf mich zu und stellte sich vor. Es war eine ziemlich merkwürdige Situation. Er ging zu Sandra und stellte sich auch ihr vor.

Naja, jetzt bloß nichts falsch machen. Wir setzten uns an den Tisch und begannen zu essen. Chris und ich sahen uns beim Essen ab und zu immer mal wieder an. Ich konzentrierte mich mehr auf ihn als aufs Essen und somit gelang es einer Spaghetti, sich um mein Zungenpiercing zu schlingen. Ich sprang vor Schreck auf und lief ins Bad. Es war nicht schwer zu finden, denn die Tür wurde durch ein auffällig großes Schild, auf dem "Badezimmer" stand, verziert. Ich ging zum Waschbecken und fummelte an dieser Scheißspaghetti rum. Gleich hinter mir stand auf einmal Chris und schloss die Tür.

»Hast du es geschafft?«, fragte er mich grinsend.

»Ja, es geht schon«, erwiderte ich.

Er sah mich an und nahm mich ganz fest in seine Arme.

»Ich bin total verwirrt, mein Brüderchen«, sagte er lächelnd.

»Ja so geht's mir auch. Was heißt das denn jetzt für uns?«, fragte ich leise, wobei ich noch immer in seinen Armen verweilte.

»Mit uns? Da wird sich nichts ändern. Ich geb doch nicht durch so einen Scheißzufall meine Liebe des Lebens auf. Ich liebe dich Martin, ob du nun mein Bruder wirst oder nicht. Daran ändert sich nichts. Oder bist du da anderer Meinung?«

Er ließ mich los und sah mich fordernd an. Ich sah in seinen Augen etwas Angst schimmern.

»Nein, bin ich nicht. Ich liebe dich auch.«

Wir küssten uns. Es war eigentlich sehr riskant, das nun zu tun, denn jeden Moment hätte Sandra, Frank oder André in der Tür stehen können. Doch Gott sei Dank ist nichts geschehen.

Wir gingen zurück zum Esstisch und ich erzählte kurz mein Missgeschick. Sandra und Frank lachten.

»Ich hab dir doch von Anfang an gesagt, dass ich nicht will, dass du dir dieses Werkzeug in die Zunge machen sollst«, sagte Sandra, wobei sie die Spaghetti um die Gabel wickelte.

Frank sah kurz zu Chris und sagte »Mein Großer ...« Hey Chris ist doch mein Großer. »... hat auch so ein Ding in der Zunge.«

Und dann ging's erstmal los. Thema Piercingschmuck. Angefangen von den Gefahren, die dabei auftreten können, über das Geld, bis hin zum bitteren "stört das denn nicht" wurde nun alles ausdiskutiert.

Chris sah mich lächelnd an. Unsere Nervosität war nun etwas verflogen. Wir machten das Beste draus.

Nach dem Essen war es dann soweit.

»Hey, Martin. Komm mal mit, ich will dir mal mein Zimmer zeigen«, sagte Chris zu mir. Er stapelte dabei die Teller übereinander und räumte ab.

»Ja, gern. Kein Problem«, antwortete ich und half ihm bei seiner Arbeit.

Sandra und Frank setzen sich auf die Couch vor den Breitbildfernseher und tranken ein Glas Sekt.

»Hey Martin. Ich möchte gern was trinken. Fährst du?«

Da haben wir es wieder. Man darf also nur fahren, wenn es der Königin Mutter mal gerade so in den Kram passte. Ich verzichtete auf meinen Konterzug und bejahte.

André war schon länger verschwunden. Ich hoffte, er war auch in seinem Zimmer, so konnte er mich und Chris wenigstens nicht stören. Mein Großer ging also voran, die Holztreppe hoch. Hier war also der 1. Stock.

»Eine Etage müssen wir noch, dann sind wir da.«

Also die nächste Treppe hoch. Im 2. Stock angelangt, bog Chris gleich nach links ein und öffnete die 2-te Tür auf der linken Seite.

»Komm rein. Dies ist mein Zimmer«, sagte Chris stolz.

Ich sah mich natürlich erstmal ganz genau um. Genau gegenüber der Tür war sein Bett, allerdings etwas größer als meins. An der rechten Seite stand ein Schrank, mit Vitrine, in dem Automodelle und Gläser angeordnet waren. Auf der linken Seite standen seine Anlage und sein PC. Links neben der Tür war eine kleine Sitzecke zu sehen. Eine Couch in blau mit Holztisch. Sein Fernseher stand gegenüber seinem Bett.

Chris schloss hinter mir die Tür ab und nahm mich an der Hand. Er streichelte mit beiden Händen über mein Gesicht und begann mich zu küssen, wobei er mich Richtung Bett schob.

»Endlich. Darauf hab ich schon die ganze Zeit gewartet«, sagte er.

Ich grinste, »Jetzt weiß ich auch, wer euch besuchen kommt.«

Chris schubste mich aufs Bett und streichelte mich am Bauch. Es war einfach traumhaft, seine Hände auf meiner Haut zu spüren. Ich zog ihm sein Hemd aus und er fing leise an zu stöhnen.

»Ich glaub, du weist gar nicht, wie sehr ich dich liebe, Martin.«

»Ich kann es mir vorstellen, wenn du mich so sehr liebst wie ich dich, Chris«, flüsterte ich leise.

Er zog meine Hose aus und seine Hand glitt in meine Shorts. Ich war höllisch erregt und ich spürte, dass er es auch war. Nun schob auch ich meine Hand in seine schwarze Shorts. Wir küssten uns immer inniger, bis er mit seiner Zunge immer tiefer ging. Es war ein wunderschönes Gefühl, mit ihm zu schlafen. Als ich fertig war, legte ich ihn aufs Kreuz.

»Mach dich auf was gefasst mein Süßer.«, flüsterte ich ihm ins Ohr. Nun rutschte auch meine Zunge immer weiter nach unten. Ich spürte, wie er sich mir hingab, er ließ sich förmlich fallen. Als auch er fertig war, legte ich mich auf ihn und küsste ihn liebevoll, dann kuschelte ich mich in seine Arme.

»Wie fühlst du dich, mein Kleiner?«

»Ich fühl mich wohl in deiner Nähe.«

»Glaub mir, Martin. Auch wenn wir beide vielleicht wirklich bald Brüder sein werden, ich bereue es keineswegs, dich schon vorher kennengelernt zu haben und mit dir zusammen zu sein.«

Anscheinend belastete ihn das doch noch etwas, aber es war ja nun auch wirklich eine doofe Situation mit uns.

»Daran hab ich nie gezweifelt.«

»Du darfst mich niemals verlassen. Ich liebe dich über alles. Ich möchte für immer mit dir zusammen sein.«

Ich sah ihn an, in seine total braunen Augen. Sie schwammen etwas und dann wischte er mit seiner Hand über seine Augen. Waren das Tränen gewesen? Ich war überglücklich. Ich legte meinen Arm über seinen Bauch und drückte Chris fest an mich.

»Wir werden nie auseinandergehen, da kann kommen was will«, sagte ich, wobei ich ihm immer noch in die Augen sah.

Doch dann plötzlich eine Stimme.

»Chris, bring Martin mal wieder runter. Sandra will los.«

Chris und ich sprangen erschrocken auf. Schnell zogen wir unsere Sachen an und gingen die beiden Treppen herunter. Unten angekommen, verabschiedeten wir uns alle und Frank gab seiner neuen Partnerin einen Abschiedskuss, dann verließen wir Franks Haus und auch Chris. Ich sah im Rückspiegel, dass er mir nachsah.

Wir kamen zu Hause an. Ich stellte das Auto auf den Parkplatz und kam gleich nach Sandra in die Wohnung.

»Es scheint, als würdest du dich gut mit Christopher verstehen«, sagte sie und zog ihre Jacke aus, die sie an die Garderobe hängte. Ich drehte mich zu ihr um. Sie grinste mich an. Wusste sie etwas? Hat sie vielleicht doch mitbekommen, dass Chris zuvor hier geschlafen hatte?

»Ja, der Chris ist ganz OK. Ich versteh mich ganz gut mit ihm. Wir hören die gleiche Musik«, antwortete ich nüchtern.

Sandra kam auf mich zu, nahm meine Hand und zog mich in die Küche.

»Setz dich«, forterte sie mich auf.

»Seid ihr zusammen?«

Wie bitte? Wie kam sie darauf? Also hatte sie doch was bemerkt?

»Was? Hä? Wie kommst du darauf? Nur weil wir uns gut verstehen, heißt das doch nicht, dass wir zusammen sind!« antwortete ich barsch und zündete mir eine West Ice an.

»Du sollst mich nicht anlügen Martin. Abgesehen davon kannst du das gar nicht, weil sich schon seit deiner Kindheit deine Nase rot färbt, wenn du lügst«, sagte sie in einem Lachen.

Ich fand's gut von ihr, dass sie das Thema nicht so steif ausdiskutieren wollte.

»Sandra! Ja ich bin schwul!«, kam es auf einmal wie aus der Kanone geschossen aus mir raus, sodass ich mich selbst erschrocken habe, ihr diesen Satz zu sagen. Doch endlich war er raus, dieser Satz, um den sich momentan mein Leben drehte.

»Und ich bin mit Chris zusammen!«, fügte ich noch schnell hinzu.

Meine Mutter überkreuzte ihre Beine.

Für einen Moment herrschte totale Stille, doch dann sah mich meine Mum an. »Die Art wie ihr euch ansaht. Die Blicke, die ihr euch beim Essen zugeschoben habt. Die Art wie ihr miteinander geredet habt, all dies hat euch verraten. Eine Mutter merkt sowas«, sagte sie mir, während sie dann doch wieder auf den Boden schaute.

Ich blieb stumm. Der Schock war noch zu groß, dass es nun raus war.

»Und letztendlich«, fuhr Sandra fort, »haben euch eure verwuschelten Haare verraten, nachdem ihr auf Chris seinem Zimmer wart!«

Oh, das war mir jetzt aber peinlich. Jetzt war nicht nur meine Nase rot, sondern mein ganzes Gesicht.

»Liebst du ihn?«, fragte meine Mum.

»Ja, das tu ich.« Es war mir auf irgendeine Art peinlich, es ihr so direkt zu sagen.

»Das freut mich. Du hast dir da einen sehr hübschen und netten Bengel geangelt. Allerdings ist er vielleicht bald dein Bruder!«

Was jetzt? Einerseits freute ich mich, dass meine Mum das mit mir so gut verstand, doch auf der anderen Seite kam jetzt der Punkt, über den Chris und ich auch noch nicht so ganz hinwegkamen.

»Ist das ein so großes Problem?«, fragte ich verschämt.

»Naja, eigentlich habt ihr ja Glück im Unglück. Denn wenn ich schließlich Frank mal heiraten werde, was allerdings noch in den Sternen steht, dann wärt ihr zwar Brüder, doch keineswegs blutsverwandt. Daher dürfte das halt kein so großes Problem darstellen. Seit wann wisst ihr das denn?«

»Seit heute, als wir uns bei Frank sahen.«

»Ach deshalb habt ihr so komisch geguckt.« Sandra lachte. »Ihr hättet euch mal sehen müssen.«

Nun begann auch ich zu lachen und die Situation wurde etwas lockerer. Doch was war nun mit der Tatsache, dass ich schwul war?

»Bist du enttäuscht von mir, dass ich schwul bin?«, fragte ich dann leise.

»Ich wär enttäuscht gewesen, wenn du dich jetzt immer noch verleugnet hättest. Aber so ... nein! Das ist doch heutzutage nichts schlimmes mehr. Und deshalb wirst du doch immer noch der gleiche Martin bleiben, der vor 20 Jahren das erste Mal das Licht der Welt erblickt hat. Es ist nur schade. Immerhin wollte ich doch Oma werden«, grinste Sandra mich an.

Ich grinste zurück, drückte meine Zigarette aus und ging in mein Zimmer. Es war zwar schön, dass ich diesen Ballast endlich von mir geworfen habe, doch muss ich es mir jetzt noch nicht antun, die ganze Zeit darüber zu reden.

Ich setze mich auf meine Couch und schaltete den Fernseher auf Pro 7 an. Um diese Zeit kam gerade Akte X. Naja, es kam nichts anderes, also ließ ich es laufen. Gucke ich sowieso mal ganz gerne. In der Werbung nahm ich meinen Ascher und setzte mich bei offenem Fenster auf meine Fensterbank. Es war noch sehr hell. Ich steckte mir eine an. Der Rauch zog an mir vorbei. Wenn man genau in den Himmel sah, konnte man hier und da schon mal ein paar Sterne sehen. Ich aschte in den Aschenbecher, wobei ein nerviges Klappern zu hören war. Ich versank in Gedanken. Das hatte Markus damals auch immer genervt. Stimmt Markus, den gibt's ja (leider) auch noch. Was er wohl gerade machte? Ob er noch mit Christiane zusammen war? Ich dachte ein bisschen an unsere schönen Zeiten, die immerhin 5 Monate anhielten. Es überraschte mich selbst, dass ich diesmal im Guten an ihn dachte, denn schließlich war es eine Sauerei, was er damals mit mir abgezogen hatte. Ich erfuhr von Emely, die auch unser Geheimnis kannte, dass er nun abstritt, dass wir je zusammen waren. Vielleicht fehlten dem 21 jährigen Jungen ja noch ein paar Jahre, um erwachsen zu werden. Ich fragte mich, mit welchen Dingen es möglich war, dass von totalem Vertrauen und sehnsüchtiger Liebe so ein Hass entstehen konnte. Die einzige Möglichkeit, dies zu erklären, fand ich nun wirklich nur in der, dass er es sich einredet, mich zu hassen, weil ich nun halt mal auch ein Junge bin. Doch rechtfertigt das seine Reaktionen. Ich hoffte nur, dass es mit Chris und mir nicht so weit kommen würde, denn genau wie Chris war auch Markus damals immer total nett und lieb zu mir. Genau wie er war er damals in mich verliebt und zeigte mir das in jeder freien Minute. Aber Chris ... nein ich konnte nicht glauben, dass auch er mir einmal so wehtun würde.

Ich zog ein weiteres mal an meiner Zigarette.

Apropos Chris. Ich schaute auf mein Handy. Keine Kurzmitteilung erhalten. Ich hab gedacht, dass er sich noch einmal melden würde. Ich schmiss schließlich meine Zigi aus dem Fenster (wieso nahm ich eigentlich den Ascher mit) und kippte es an. Ich sah zum Fernseher, Akte X lief bereits wieder. Ich lies mich auf meiner Couch nieder, trank ein Schluck O-Saft und machte es mir gemütlich.

Doch dann, ganz plötzlich, klingelte mein Handy. Ich schaute aufs Display meines Nokias und sah den Namen Christiane. Ich überlegte. Warum sollte mich Christiane so spät noch anrufen. OK, wir waren mal so was wie beste Freunde, aber seitdem sie mit meinem Ex zusammen war, hat sie sich nie mehr gemeldet. Und jetzt auf einmal ruft sie mich an? Na gut, mal sehen, was ich zu hören bekam.

»Hallo?«

»Hey Martin ich bin's, Christiane!« Nunja das wusste ich bereits. Aber was mich wunderte war, dass ihre Stimme total verheult klang.

»Hey Christiane, was ist denn mit dir los?«, fragte ich sie ganz ruhig. Ich konnte mir schon vorstellen, was passiert war. Ich hatte die Vermutung, dass nun auch sie eine SMS von Markus bekommen hatte.

»Es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber ich brauche nun unbedingt einen Rat von dir.« Bingo. Also hatte ich wohl recht.

»Wieso was ist denn los? Von wem hast du denn eine SMS bekommen?«

»Von Markus«, ihre Stimme war kaum mehr zu verstehen.

»Hey, Kleine. Mal ganz ruhig. Soll ich kurz mal vorbeischneien?«

»Ja, bitte komm mal vorbei.«

»Ok, dann bis gleich.«

Sie legte auf. Ich konnte gut nachempfinden was sie momentan durchmachte. Hatte ich ja auch schon alles hinter mir. Ich könnte diesen Typen echt verfluchen. Wenn man mit jemandem Schluss macht, dann kann man das auch persönlich machen, das ändert zwar nichts daran, dass nun mal Schluss ist, aber es zeugt von Anstand und Mitgefühl.

Ich verließ mein Zimmer und ging zum Auto. Ich ließ den Motor an und fuhr vom Parkplatz Richtung Christiane.

Als ich an dem Haus ihrer Eltern ankam, sah ich sie bereits draußen auf dem Tritt sitzen.

»Martin!«, sagte sie wie in Trance und kam auf mich zu. Sie umarmte mich ganz fest und ich konnte beinahe den Schmerz fühlen, den sie momentan durchmachte.

»Hey, Kleine! Ganz ruhig. Hat er Schluss gemacht?«

Sie schluchzte.

»Ja. Das hat er. Dabei waren wir doch so glücklich zusammen gewesen.«

Sie erinnerte mich an mich selbst vor knapp 4 Monaten.

Wir gingen auf ihr Zimmer. Auf dem Tisch stand eine Flasche Apfelkorn, Zigaretten lagen verstreut auf dem Tisch vor ihrer gelben Couch.

Ich setzte mich neben sie und nahm sie in den Arm. Ich sagte kein Wort nahm sie einfach nur ganz fest in den Arm. Ich denke, jedes schlechte Wort über Markus hätte das Fass nun zum Überlaufen gebracht. Ich strich über ihr langes Haar und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht.

Wir saßen lange Zeit so einfach da, bis sie sich fing.

»Hat er dir auch geschrieben, dass wir gute Freunde bleiben können?«, sagte sie, während sie mich anschaute.

Ich sah ihre rot verheulten Augen.

»Ja, mir hat er es genauso geschrieben, nur aus der Freundschaft wurde nichts, was ich allerdings nun auch nicht mehr bereue!«

Sie überkreuzte ihre Beine und strich ihr Haar über ihre Schulter, ja sie war wirklich hübsch. Ihre Hand holte die Flasche Apfelkorn und öffnete den VerSchluss.

»Du auch einen Schluck?«, fragte sie und setzte zum Trinken an.

»Ne, ne. Muss noch fahren!«

Sie trank sehr schnell und viel auf einmal. Dann stand sie auf und ging zu ihrer Anlage. Sie legte eine CD ins Laufwerk, kam zurück, nahm ihre Fernbedienung in die Hand und drückte auf Play. Eine Melodie fing an zu erklingen.

»Kannst du dich noch daran erinnern?«, fragt sie mich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

»Ich kenne das Lied, aber an was soll es mich erinnern?«, sagte ich und überlegte.

»Das war unser Lied!«

»Wie unser Lied?«

»Weist du nicht mehr? In der Disko? Du warst noch mit Markus zusammen und ich wollte damals was von dir. Wir küssten uns die ganze Zeit bei diesem Lied.«

Stimmt, jetzt wo sie es sagte. Es war von Scooter Possy. Ich wusste damals nicht, ob ich in sie verliebt war oder nicht, vielleicht wollte ich sie ja nur, um von mir abzulenken. Damals hatte ich Markus mit ihr betrogen. Aber ich muss zu meiner Entschuldigung sagen, dass er genau in dieser Zeit sehr abweisend zu mir war. Ich hatte mich damals so manches Mal in den Schlaf geweint wegen ihm. Was ich von ihm nicht mehr bekam, holte ich mir von Christiane. Aber ob man das so entschuldigen kann, ist wiederum eine andere Sache.

»Stimmt Christiane.«

»Wie fandest du es damals?«, sie schaute mich fordernd an. Ihre Augen waren noch immer voller Tränen.

»Es hat mir gefallen. Ich fand's schön«, antwortete ich ihr und steckte mir eine an.

»Mir hat es auch gefallen.« Sie guckte verschämt auf den Boden. Mir wurde dieses Gespräch unangenehm und ich begann abzulenken.

»Geht's schon wieder?«

»Ja es ist nur so ... es tut halt nur weh.« Ihre Lippen wanden sich zu einem sehr traurigen Lächeln.

»Ich weiß, wie du dich fühlst. Da schenkt man einer Person vollstes Vertrauen und all seine Liebe und dann wird man per SMS abgeschrieben und weiß nicht mal warum«, sagte ich wie in Gedanken und dachte an mich selbst, wie ich damals da saß, auf meinem Bett, genauso wie Christiane jetzt.

»Stimmt.«

Ich zog an meiner Zigi und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht, ihre Augen waren angeschwollen.

Sie drehte sich zu mir um und nahm mich noch einmal ganz fest in den Arm. Sie legte ihren Kopf an meine Schulter. Es war total merkwürdig, denn ich merkte, dass es mir gefiel, ja am liebsten hätte ich sie jetzt geküsst. Ich erschrak. Wie kann das sein? Ich mein, sie ist doch ein Mädchen!? Und ich bin doch schwul. Ich strich über ihren Kopf und mir wurde heiß und kalt zugleich. Stop! Das durfte so nicht sein. Ich sprang auf.

»Hey Christiane. Es tut mir leid aber ich muss fahren!«

Sie sah mich erschrocken an. Sie flehte mich mit ihren Augen an, doch noch etwas bei ihr zu bleiben, doch ich drückte sie nochmal und fuhr dann nach Hause. Ich hatte ein total schlechtes Gewissen ihr gegenüber und natürlich auch Chris gegenüber. Ich liebte ihn. Ja das wusste ich ganz genau, ich liebte ihn sogar sehr. Doch was war mit mir los? Ich hatte kein Bock länger nachzudenken und legte mich ins Bett und schlief sofort ein.

KLOPF KLOPF.

»Ja, herein!«, antwortete ich noch im Schlaf.

Ich hörte die Tür aufgehen und ein paar Schritte und dann schrie ich nur noch. Kaltes Wasser am Morgen ist nicht so angenehm, noch dazu eine quietschende Stimme, die dir ins Ohr schreit, dass du aufstehen sollst. Ich stand senkrecht im Bett und schaute mir die Person meines Leidens an.

»Didi! Bist du bekloppt?«, brüllte ich sie an, doch ihrer guten Laune an diesem frühen Morgen um 12 Uhr schien nichts im Wege zu stehen.

»Aufstehen mein Jung. Heut ist ein schöner Tag und wir beide gehen heute schwimmen. Also mach dich fertig, sonst verschwindet die Sonne, wenn sie dich so sieht.«

Ich war geplättet und verwirrt. Ich mein, wenn man so gerade aufwacht und schon die ganze Welt sich auf dich stürzt, ist das wirklich etwas zu viel.

»Ach wir gehen schwimmen? Davon wusste ich noch gar nichts!«

»Kannst du auch nicht, denn ich weiß es selbst erst seit ner halben Stunde.«

Na ja, ich dachte, dass ich wirklich an diesem heißen Tag mal eine Abkühlung gebrauchen konnte, also packte ich meine Sachen zusammen und wir fuhren zum See, aber nicht ohne noch vorher Chris anzurufen.

»Stimmt, was ist eigentlich mit Chris und dir?« Didi war mal wieder sehr neugierig, wunderte mich ja, dass sie nicht gleich fragte, ob wir schon gepoppt haben.

»Ja eigentlich alles bestens.«

»Und schon gepoppt?« Ich wusste es.

»Ja und schon gepoppt, aber erwarte jetzt nicht von mir, dass ich näher ins Detail gehe.«

»Ne ne. Schon OK, mehr wollte ich ja gar nicht wissen.«

Komisch, irgendwie glaubte ich ihr das jetzt nicht.

»Da gibt es aber noch ein Problem mit uns.«

»Ja und ...?«

»Chris ist der Sohn von Sandras Neuem.«

»Was? Echt jetzt? Und jetzt? Was ist jetzt?«

»Also Chris und ich haben gesagt, dass wir auf Grund dieses, ich nenne es mal "Missgeschickes" nicht unsere Liebe aufgeben werden.«

»Das find ich gut. Aber es ist doch schon irgendwie komisch oder?«

»Ja klar ist es das, aber was willste machen?«

»Ja ist auch wahr. Was willste machen? Sag mal, weiß Sandra schon Bescheid?«

»Ja ich habe es ihr gesagt, oder eher gesagt, sie hat es bemerkt und dann hab ich mich auch noch vor ihr geoutet.«

»Jetzt wird's doch verrückt. Und du rufst mich nicht mal an, um mir die Sachen zu erzählen?«

»Ich hatte keine Zeit, aber ich muss jetzt erst Mal Chris anrufen.«

Ich ging zum Telefon, das auf meinem Schreibtisch stand, und wählte seine Handynummer.

»Ja hallo!«

»Hey Großer, ich bin's!«

»Hey Martin, wie geht's?«

»Ja ganz gut. Ich dachte du meldest dich noch mal aber ...«

»Ja tut mir leid. Aber ich habe nachgedacht. Nochmal über unsere Eltern.«

Ich zuckte etwas zusammen, konnte ja schließlich etwas Schlechtes sein.

»Und über was hast du nachgedacht?«

»Ich bin mir nicht mehr sicher, ob das so gut ausgehen würde.«

Eine leichte Lähmung machte sich über meinen Körper zu schaffen.

»Wie meinst du das?«, fragte ich ihn leise, wobei ich zu Didi schaute und mich zu ihr aufs Bett setzte. Sie bemerkte meine Angst und sah mich mitleidig an.

»Ich mein, wenn deine Mutter und mein Papa heiraten würden und wir wären Brüder ... ich glaub, ich komm damit doch noch nicht so ganz klar, Martin!«

Ich musste mich kurz beruhigen, ehe ich antwortete.

»Aber ich hab Sandra schon erzählt, dass wir zusammen sind und sie hat es super aufgefasst und hat nichts dagegen, auch nicht wenn wir Brüder wären.«

Chris Stimme erhielt nun einen Ton, den ich vorher noch nie von ihm kannte.

»Was hast du gemacht? Bist du bescheuert? Du kannst doch nicht über mich entscheiden, wem ich das sagen möchte. Wie steh ich denn vor meinen Kumpels da, wenn das rauskommt. Entschuldige Martin, aber damit bist du einen Schritt zu weit gegangen.«

Ich begann zu weinen. »Chris! Wie meinst du das?«

»Das weiß ich selbst noch nicht. Lass mir Zeit zum Überlegen. Ich melde mich bei dir, wenn ich Bescheid weiß. Machs gut!«

Und dann hörte ich nur noch das Tuten des Telefons. Ich saß stocksteif auf meinem Bett. Didi sah mich an und legte ihren Arm um meine Schultern.

»Was hat er denn gesagt?«, fragte sie mich und nahm mit ihrer anderen Hand meine Hand.

»Er war enttäuscht, dass ich ihn bei meiner Mutter sozusagen geoutet hab. Aber ich hatte doch keine Wahl. Was sollte ich denn machen?« Die Tränen liefen mir über die Wangen. »Er hat Angst, dass seine Kumpels erfahren könnten, dass er einen Freund hat. Und er macht sich Gedanken über Sandra und Frank.«

Didi sagte dazu gar nichts. Sie hielt mich einfach nur fest. Sie lehnte ihren Kopf an meinen und da sah man, dass sie mit mir litt. Es war schön, so eine Freundin zu haben, sie denkt zwar meist ans Poppen, aber wenn's ernst wird, dann ist sie da.

Nach einiger Zeit hatte ich mich etwas gefangen.

»Sorry Didi aber das mit dem Schwimmen gehen wird wohl nichts.«

»Ist schon OK, ich bleib noch etwas bei dir.«

»Sorry, aber ich möchte jetzt gern allein sein.«

Sie schaute mich verständnisvoll an und packte ihre Sachen.

»Nicht sauer sein, ja?«

»Nein, ist in Ordnung. Ich kann dich verstehen. Ich meld mich ja? Machs gut«

Und dann schloss sie die Tür und verschwand. Das Gefühl, dass ich momentan empfand, war kein neues. Nur erst jetzt wusste ich wieder, wie es sich anfühlte. Aber das hätte mir auch erspart bleiben können. Ich nahm mir erst mal eine Zigi und dachte nach. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er Schluss machen würde. Außerdem wusste er doch gar nicht, wie es gewesen ist.

Ich beschloss etwas durch unsere Stadt zu gehen, um mich abzulenken, bis ein Mondeo neben mir hielt.

»Hey Martin.«

Ich drehte mich zur Seite. Oh, das war Daniel, der Kumpel von Chris. Es wunderte mich etwas, dass er wegen mir hier anhielt, denn schließlich haben wir uns nur einmal gesehen.

»Hey Daniel. Du kennst mich noch?«

»Klar, du bist doch Chris zukünftiger Bruder oder nicht. Das hat er mir erzählt. Was ist eigentlich mit dir los? Siehst so bedrückt aus!«

Sah man mir das wirklich so sehr an?

»Wie kommst du darauf?«

»Das sieht man doch. Komm steig ein.«

Na ja, hatte sowieso nichts Besseres zu tun. Ich stieg ein und schnallte mich an.

»Na sag schon. Was gibt's...?

»Ach Stress mit Mutter!«, antwortete ich.

»Das kannst du deiner Großmutter erzählen! Komm, wir gehen erst mal einen Kaffee trinken.«

Und das taten wir. Er gab mir einen aus. Dann redeten wir über Chris.

»Der ist neu verliebt. Wusstetst du das, Martin?«

»Ja klar der ist doch ... ja ... ja ... mit irgendeiner aus dem Nachbardorf zusammen!«, rettete ich meinen beinahe Versprecher.

»Es hört sich vielleicht komisch an, aber ich dachte erst, dass du mit ihm zusammen wärst.«

Buff! Das hat gesessen. Wie kam er denn bloß darauf.

»Was soll das denn heißen? Denkst du, ich wär schwul? Bist du bekloppt?«

»Na ja, war ja nur so ein Gedanke. Weil ihr damals so lange weg wart, bei Emelys Party.«

»Ach Quatsch. Ich hatte Liebeskummer und er hat mir geholfen.«

»Na dann ist ja alles in Ordnung. Auch wenn ihr beide schwul wärt, hätte ich da nichts gegen.«

Es schien, als konnte man ihm vertrauen. Wir setzten uns wieder ins Auto und dann schaltete Daniel das Radio an. Es kam 'My Herat it beates like a dub dub'. Jetzt war Schluss. Die ganze Zeit hatte ich es geschafft, meine Tränen aufzuhalten, doch jetzt konnte ich nicht anders, als an Chris zu denken und loszuflennen.

»Was ist denn mit dir los?«, fragte Daniel besorgt.

Ich musste nun einfach mit irgendwem darüber reden also redete ich mit Daniel über Chris und mich. Er konnte es erst gar nicht glauben, was ich ihm erzählte, aber er fasste es gelassen auf. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte. Dann fuhr er mich nach Hause. Es hat gut getan, mit jemandem zu reden.

Zu Hause angekommen legte ich mich ins Bett und döste etwas bis mein Handy klingelte.

»Ja?«

»Hey, sag mal, bist du voll bescheuert? Wieso outest du mich jetzt auch noch bei Daniel? Ich werde jetzt von allen meinen Kumpels gehänselt! Hey Martin, ich komm damit voll nicht klar. Ich kann nicht mehr. Das hast du ja super hinbekommen!«

Jetzt war mir klar, warum Daniel so freundlich zu mir war. Er wollte mich nur aushorchen, was ihm ja auch gelungen war. Wie konnte ich nur so bescheuert und naiv zugleich sein?

»Chris, ich dachte ...«

»Ein Scheißdreck denkst du. Jetzt ist echt das Maß voll. Mir reicht's. Du brauchst jetzt nie mehr ankommen.«

Seine Stimme wandelte sich von Wut zu einem leichten Weinen.

»Du bist für mich gestorben Martin, für immer!«

»Aber Chris ...«

Tja, ob ich nun noch weiterredete oder peng. Er hatte aufgelegt. Einfach aufgelegt. Jetzt war also Schluss. Ich konnte es nicht begreifen. Es war Schluss mit uns. Aber wir lieben uns doch, ja sogar sehr. Es kann doch nicht einfach Schluss sein ...

Ich schmiss mich aufs Bett und weinte mich in den Schlaf.

Ich träumte von Chris. Wie wir uns begegneten und uns das erste mal küssten. Ich fühlte wieder die Wärme, die er mir gab. Ich hörte seine Worte, die sagten: 'Ich liebe dich'. Ich fühlte sein Verlangen. Dann sah ich ihn hinter Frank stehen und er kam nicht an Frank vorbei ...

Ich wurde durch ein heftiges Ruckeln geweckt.

»Martin ... Martin wach auf ... es ist etwas geschehen.«

Ich öffnete meine Augen und sah Sandra, wie sie mich mit beiden Händen wachrüttelte. Ihre Augen waren weit aufgerissen und verschwommen.

»Was ist denn los?«

»Schnell, zieh dir was an, wir müssen ins Krankenhaus. Chris hatte einen schweren Autounfall!«

Ich konnte gar nicht fassen, was ich da zu hören bekam.

»Was? Wie geht's ihm?«

»Die Ärzte sagten, es ging ihm ziemlich schlecht.«

Sandra nahm mich an die Hand und sah mir ernst in die Augen.

»Ich will es dir lieber selbst sagen. Chris liegt auf der Intensivstation. So wie es momentan aussieht, wird er die Nacht nicht überleben. Es könnte nur noch ein Wunder helfen!«

Ich sah meine Mutter an und sah durch sie durch. Mir liefen die Tränen die Wangen hinunter und mein Herz klopfte wie wild.

Wir setzten uns ins Auto und fuhren ins Krankenhaus.

Mit dem Lift fuhren wir auf Etage 4: Intensivstation. Frank und André warteten bereits auf dem Flur.

»Martin. Er will dich sehen. Es geht ihm allerdings sehr schlecht. Er darf sich nicht aufregen«, sagte Frank mit roten Augen zu mir.

Eine Schwester nahm mich bei der Hand und führte mich ins Zimmer 401. Dort lag Chris, versehen mit sämtlichen Schläuchen von vielen Machinen.

Ich setzte mich zu ihm und nahm seine Hand. Es war mehr als schrecklich, ihn hier zu sehen. Seinen fröhlichen Gesichtsausdruck hatte er verloren. Seine haselnussbraunen Augen wirkten nun mehr grau.

»Martin. Es ist schön, dass du hier bist, mein Kleiner«, sagte er ganz leise mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

»Was machst du bloß für eine Scheiße?«, ich begann zu weinen und drückte seine Hand ganz fest. Ich wollte nicht, dass er geht.

»Martin ich konnte nicht mehr. Ich wollte mir das Leben nehmen.«

Ich zuckte zusammen.

»Warum? Chris. Warum?«

»Weist du was das für ein Gefühl ist, wenn man von jedem ausgelacht wird, nur weil man schwul ist?« Nun kamen auch ihm die Tränen. Er weinte. Ich hatte Chris noch nie weinen sehen!

»Eins kannst du mir glauben Martin.« Ich schaute ihn an. Er war etwas verschwommen zu sehen. »Ich habe dich immer geliebt und werde dich immer lieben! Ich habe den größten Fehler meines Lebens gemacht, indem ich mich von dir trennte!«

Ich umarmte ihn und war froh bei ihm zu sein.

»Ich liebe dich!«, antwortete ich mit heulender Stimme.

»Ich werde immer bei dir sein, mein Kleiner. Ich passe auf dich auf von dort oben!«

Ich sah Chris an. Er wurde immer blasser.

»Schwester. Schwester. Holen sie schnell einen Arzt.«, schrie ich sie an.

»Nein Kleiner. Ich merke, dass es zu Ende geht. Doch ich geh nicht als dein Bruder. Ich gehe als dein Freund. Versprich mir eins bitte.«

Ich hielt immer noch Ausschau nach der Schwester, die bereits den Arzt verständigt hatte, dann schaute ich wieder zu Chris.

»Was immer du willst.«

»Werde glücklich. Steh dazu, dass du anders bist und kämpfe dafür. Ich würde es auch tun, dass hab ich nun begriffen. Doch nun ist es zu spät. Wenn ich könnte, würde ich nun zusammen mir dir kämpfen.«

Er drückte meine Hand.

»Ich werde nicht zulassen, dass dir was passieren wird.«

Chris strich ein letztes Mal mit seiner Hand über mein Gesicht und über meine Lippen. Ich sah erschrocken zu ihm. Seine Augen starrten ins Leere.

»Nein! Chris! Komm zurück, lass uns zusammen kämpfen. Wir schaffen das. Du wirst sehen!«

»Er ist von uns gegangen Martin«, sagte meine Mutter und nahm mich in den Arm.

»Nein das ist er nicht. Er ruht sich nur aus. Er ist nicht tot. Er ist nicht tot. Chris sag ihnen, dass du nicht tot bist.«

Jetzt erst kam der Arzt. Wir wurden aus dem Zimmer gebracht und die Ärzte versuchten ihn wiederzuholen, vergebens ...

Seine Beerdigung war an einem Donnerstag. Mir wurde der Mensch genommen, den ich über alles liebte und nur, weil einige mit Menschen die anders sind nicht klarkommen.

Nach der Beerdigung kam André zu mir.

»Hey Martin. Er wollte es dir eigentlich selbst geben aber er hat es ja nun nicht mehr geschafft.«

Es war ein Buch. Ich schlug es auf. Es waren Gedichte, geschrieben über mich und uns, Martin und Chris das Traumpaar.

Am Abend betete ich für ihn und ich war mir sicher, dass er mich hörte ...

Ein paar Monate später outete ich mich in der Schule und vor meinen Freunden und Bekannten. Die Meisten reagierten positiv oder halt neutral, nur wenige fanden es abstoßend, doch auch wenn mich irgendwer deswegen anmachen sollte, werde ich mich keineswegs vor ihm verstecken. Er soll mich so akzeptieren, wie ich bin und dafür kämpfe ich nun. Schließlich habe ich es Chris versprochen, den ich nie in meinem ganzen Leben vergessen werde ...

Chris, halt mir einen Platz an deiner Seite frei.
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Kommentare (6)
  • Wirklich sehr traurig zum Schluss aber dennoch eine sehr sehr schön geschrieben 😢❤️

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  • Echt mega gute Geschichte. Eine der wenigen, die nicht vom Sex handeln.

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  • Mega gut geschrieben. Bin echt sprachlos

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  • Also ich muss sagen, dass die Geschichte mich wahnsinnig mitnimmt. Man kann sich so richtig rein fühlen. Das fühlt sich so real an. Danke für diese Geschichte auch wenn sie echt traurig ist, aber das ist leider oft Realität und nicht so weit harausgegriffen! Danke dir auf jeden Fall dafür! Die Geschichte spiegelt viel meine Emotionen wieder!!

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  • Wirklich sehr toll geschrieben, ich bin sprachlos, nicht immer das übliche wo es zum großteil nur um Sex geht. Schade das es ein trauriges ende nahm.

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  • i n s p i r i e r e n d

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