Coming Out Stories

Schwule Geschichten von Jungs für Jungs. Erzählt eure Coming-Out Story und gebt hilfreiche Tips.

Homo - Gedanke in Worte gefasst

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Eine Nacherzählung eines Filmes .... Gedanke in Worte gefasst

Es ist früher Abend. Eine Straßenbahn quitscht durch die schmale Gasse. Die Bahn ist leer abgesehen von einer alten Dame, einem 15-jährigen Jungen und seiner Mutter. Der Junge schaut aus dem Fenster während die Mutter sich über ihre liebsten Verse aus dem alten Testament Gedanken macht. Niemand spricht. Die Bahn hält. 2 Männer steigen ein. Sie setzen sich nicht. Sie halten Händchen. Die Mutter sieht sie entgeistert an. Müssen die beiden ihre perverse Liebesform in der Öffentlichkeit zeigen? Schämen die sich nicht?! Ihr Sohn guckt weiter nach draussen. Die Mutter ist froh darüber. Einmal mehr fällt ihr ein, dass Kinder – egal wie alt- unangenehme Fragen stellen konnten, auf die es ihr zu antworten peinlich war. Die beiden Männer umarmen sich. Plötzlich fällt der Mutter ein, dass jemand einmal gesagt hatte, man könne Schwule an ihrem Äußeren erkennen. Sie mustert die beiden und beobachtet sie . Der Blonde trägt eine Jacke, die sie an eine Art weißes Kunstleder erinnert. Er riecht nach Parfum, bestimmt ist es eines von Mooshammer, und sein Freund lispelt. So jemand muss ja schwul sein! . Beim genaueren Hinsehen meint sie sogar ,dass nicht nur ihre Kleidung, ihre Stimme und ihr Geruch, sondern auch ihre Art zu Gehen und ihre Gesichtszüge von ihrer abnormalen Neigung zeugen.
Wahrscheinlich sind die beiden nicht erzogen worden, wissen nicht was sich gehört, und haben noch nicht einmal einen Schulabschluss.
Sie blickt zu ihrem Sohn. Das ist ein anständiger Junge. Er bringt immer gute Noten mit nach Hause, liest viel, ist allzeit freundlich, benimmt sich vorbildlich und eine Freundin hatte er auch schon einmal gehabt. Sie muss lächeln als sie daran denkt wie sie die beiden mit ein paar Tricks verkuppelt hatte. Es hatte zwar nicht lang gehalten, aber aller Anfang ist nun einmal schwer.
Die beiden Männer küssen sich. Auf die Lippen.
Der 15-jährige Junge wendet sich vom Fenster ab. Er blickt zu dem Paar. Die Mutter starrt auf ihre Hände. Können die nicht aussteigen?
Sie würden noch ihren Sohn verderben, wo sie sich doch die Jahre zuvor so sehr bemüht hatte, ihn vor solchen Einflüssen abzuschirmen. Auf einmal ist sie sich nicht mehr sicher ob es überhaupt erlaubt ist, seine homosexuelle Neigung in aller Öffentlichkeit zu präsentieren? Früher wurde es hart bestraft, gewiss.
Damals hatten die Menschen noch Anstand, denkt sie, Hatte Tschaikowsky sich nicht umgebracht weil er sich für seine Liebe zu Männern schämte?
Sie überlegt krampfhaft weshalb die Bestrafung für diese Perversität abgeschafft worden war, doch es fällt ihr nicht ein.

An der nächsten Haltestelle steigen Mutter und Sohn aus. Sie ist erleichtert, dass er scheinbar recht unbeeindruckt von dem Gesehenen ist. Sie unterhalten sich kurz darüber. Sie weiß, dass er viel Wert auf ihre Meinung legt. Sie sagt ihm was sie darüber denkt. Sie erklärt ihm, dass man sich in die Lage der Eltern hinein versetzen müsse. Sie würden das Gefühl bekommen , dass die Erziehung und all ihre Mühen umsonst gewesen sind. So etwas besudelt das Ansehen der gesamten Familie- Wäre sie die Mutter von einem der Beiden , sie hätte sie eigenhändig umgebracht, wettert sie zum Schluss.

Wenige Tage später wird die Leiche eines 15-jährigen Jungen gefunden. Er hatte sich auf einem Spielplatz erhängt.