First Real Love

schwule Geschichte

Teil II & III

28. August, der erste Schultag des 11.Jahrgangs des Mommsen-Gymnasiums. Liam und Matt haben beide den Deutsch Leistungskurs gewählt. Liam ist schwul und auch bereits geoutet, von Matt weiß es noch keiner an der Schule. Er ist der Schwarm der Mädchen aus den jüngeren Jahrgängen, so wie auch von Liams Schwester. Die erste Kursstunde, Liam und Matt sitzen sich gegenüber und ihre Blicke kreuzen sich. Matt schaut nach unten auf sein noch leeres Blatt Papier und Liam spürt, dass da mehr zu sein scheint. Ihn durchfährt ein leichtes Kribbeln in der Magengegend. Er will das nicht glauben, und trifft die Entscheidung, der Sache auf den Grund zu gehen.
II

5 Häuser von Liams Elternhaus entfernt klingelt der Wecker nur 10 Minuten später. Matthias ist allerdings schon wach, und steigt aus dem Bett. Die Aufregung vor dem ganzen Neuen, was ihn heute erwarten soll, hat ihn schon früh wach werden lassen, und so lag er bereits einige Zeit mit offenen Augen an die Decke schauend im Bett. Viele Gedanken gingen ihm dabei durch den Kopf. Was wird mich erwarten, schaffe ich den Einstieg ins neue Gymnasium, wie werde ich von den anderen in den Kursen aufgenommen. Und so in Gedanken erschrak er sich dann doch ein wenig, als der Wecker seine Arbeit aufnahm. Duschen, Zähneputzen, in die Jogginghose steigen und dann barfuß die Treppe runter in die Küche. Sein Dad ist schon los zur Arbeit, hat es aber nicht versäumt, ihm das Frühstück auf den Tisch zu stellen. An seiner Tasse lehnt ein Zettel auf dem er folgendes lesen kann:

Guten Morgen mein Großer, ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg heute für den Einstieg in den neuen Abschnitt. Du hast jetzt schon viel geschafft, und auch der heutige Tag wird kein Problem für dich darstellen.
Ich hab dich lieb, Matt.
Dad

Leise murmelt Matthias: „Ich liebe dich, Dad“ und er führt den Zettel an seinen Mund zu einem Kuss. Er gießt sich Kaffee in seine Tasse, belegt sich einen Toast mit einer Scheibe Käse, beißt hinein und verliert sich wieder in Gedanken.

Ja, Dad hat schon recht, er hat viel geschafft bisher. Aber er hatte es auch nicht leicht in der letzten Zeit. Seine Gedanken schweifen zurück zum Frühjahr. Die schwerste und traurigste Erfahrung in seinem bisherigen Leben. Seine Mum litt an Krebs und verlor den Kampf gegen die Krankheit. Für Matthias folgte ein Zusammenbruch in tiefer Trauer. Und wäre da nicht Dad und sein damaliger Psychologe gewesen, wüsste er heute nicht, wo er stehen würde. Durch sie wurde ihm aber auch klar, das es weitergehen muss und das seine Mum es auch nicht gewollt hätte, dass er sich selbst verliert.
Also stürzte er sich wieder ins Leben und gab alles dafür, seine abgesunkenen schulischen Leistungen wieder nach oben zu treiben. Jetzt erst recht wollte er das Abitur schaffen, um dann Medizin studieren zu können und gegen den Krebs zu kämpfen.

Immer wenn er einen freien Kopf brauchte, stieg er auf sein Rennrad und ließ sich den Wind um die Ohren blasen.
Auch Dad stürzte sich wieder ins Leben, bewarb sich auf eine neue Stelle im Job. Sie beide waren sich einig, dass ihnen auch ein Ortswechsel gut tun würde, und so zogen sie am Anfang der Sommerferien nach Berlin, in das Haus in dessen Küche er jetzt sitzt und sich den letzten Bissen des Käsetoast in den Mund schiebt. Matthias trinkt noch seinen Kaffee aus, nimmt den Zettel seines Vaters und geht nach oben in seine Etage. Da sie das Haus nur zu zweit bewohnen, hat sein Dad im die ganze obere Etage zur Verfügung gestellt, und so konnte er sich auf 3 Zimmer verteilen.

Er heftet den Zettel an die Pinnwand über seinem Schreibtisch und geht zum Kleiderschrank, um sich seine Lieblingshose herauszunehmen. Die Weiße. Weiß ist seine Lieblingsfarbe, er verbindet sie mit Reinheit und Unbeschwertheit. Dazu das grüne Shirt mit dem Aufdruck “Der Weg ist das Ziel” auf der Vorderseite und dem “Schaue nicht zurück” auf dem Rücken. Seine allerbeste Freundin Lina hat es ihm zum Abschied geschenkt, bevor er ins Auto stieg, um nun nach Berlin zu ziehen. Matthias hat sie umarmt, und ihr gesagt: “In den Herbstferien kommst du mich besuchen, die ganzen 2 Wochen lang.” Er hat sie geküsst und ihr mit dem Finger die Tränen von der Wange gewischt. Lina hat nur genickt und noch lange dem sich immer weiter entfernenden Auto nachgeschaut.

Er schiebt noch schnell einen Schreibblock und das Etui mit den Stiften in seine Umhängetasche, flitzt nach unten und steigt in seine Sneaker, um kurz darauf die Haustür hinter sich ins Schloss zu ziehen.


III

Cookie läuft bereits aufgeregt schwanzwedelnd vor der Treppe zum Obergeschoss auf und ab. Er weiß, dass er jetzt gleich die Nummer 1 sein wird. Bereits beim Schließen der Zimmertür ruft Liam von oben: „Cookie, bring die Leine“. Cookie flitzt los zu seinem Körbchen und zerrt die Leine vom Garderobenhaken, der direkt daneben angebracht ist. Mit der Leine im Maul setzt er sich vor die Tür, wo Liam schon in seine roten Sneaker schlüpft. „Braver Cookie“ sagt Liam und öffnet die Haustür: „und ab mit dir“ Der Hund stürmt nach draußen in den Garten und Liam ruft noch schnell in die Küche: „Ich bin mit Cookie raus, Mum“ Die Antwort folgt auch sofort: „Ok, aber verspielt nicht wieder die Zeit ihr beiden.“
Liam weiß, dass heute alles schneller von statten gehen muss, und Cookie tut ihm schon ein wenig leid, weil er es liebt, mit Liam durch den Park um die Ecke zu toben.

Auch Liam liebt es sehr in der Natur unterwegs zu sein. Er könnte stundenlang mit dem Hund draußen spazieren gehen, mit ihm um die Wette rennen, wobei er selbstverständlich stets den kürzeren zieht. Cookie kann eben schlecht verlieren, und lässt ihn nie gewinnen. Aber auch mit seiner Kamera ist Liam oft unterwegs einfach um die vielen kleinen Details einzufangen, die man oftmals gar nicht wahrnimmt, wenn man durch das Leben hastet. Und er sitzt auch gern auf einem seiner Fahrräder, um seine Welt in Etappen zu erkunden. In den Ferien ist er mit dem Rad an die Ostsee gefahren und hat es genossen, einfach für sich unterwegs zu sein. Hier und da ein nettes Gespräch, oder auch einfach mal am Ufer eines See zu sitzen und die Gedanken in seine Welt schweifen zu lassen. Auch über seine weiteren Ziele hat er nachgedacht und für sich entschieden, nach dem Abitur ein Studium der Psychologie zu beginnen. Und somit stand auch schnell seine Kurswahl für die kommende 11.Klasse fest. Neben dem Leistungskurs Deutsch sollten es auf jeden Fall noch Latein und Biologie werden.

Auf dem Rückweg zum Haus, bei dem Cookie selbstverständlich wie immer das Bummeln anfing, stellte er sich noch die Frage, wer aus seiner ehemaligen Klasse wohl die gleichen Kurse gewählt haben könnte. Von Sandy, seiner allerbesten Freundin, wusste er, dass sie auf jeden Fall auch Deutsch gewählt hat, weil Mathematik nicht so ihr Fach war. Liam dreht sich um zu Cookie und ruft ihm zu: „ Nun komm schon Schlappohr, heute Nachmittag machen wir wieder eine große Runde.“ Er hält ihm seinen Ball hin und wirft ihn auch gleich nach vorn, als der Hund auf ihn aufmerksam wird. „Reingelegt“ grinst Liam vor sich hin und eilt zügigen Schrittes hinter Cookie her. Wieder zu Hause angekommen, nimmt er seine Tasche vom Haken, ruft seiner Mum noch einen Abschiedsgruß in die Küche und holt sein Crossbike aus der Garage. Der Weg zur S-Bahn ist zwar nicht weit, aber mit dem Rad ist er einfach schneller und auch bequemer da.

Sandy ist auch gerade am Bahnhof angekommen und ist dabei ihr Fahrrad am Fahrradständer anzuschließen. Liam sichert sein Rad auf der anderen Seite und begrüßt Sandy mit einer Umarmung und einem Küsschen auf die Wange. „Als wäre es Jahre her, dabei waren wir vorgestern erst zusammen im Kino“, lacht Sandy und erwidert die Begrüßung ebenfalls mit einem Kuss auf die Wange. „Es ist eben immer wieder aufs Neue schön, dich zu treffen meine sonnige Freundin“, lacht Liam und Sandy rollt nur mit den Augen. „Die Freude ist ganz meinerseits mein liebevoll schleimendes Cutie. Es ist eine Schande, dass ich dich niemals heiraten kann“ Liam gibt ihr noch ein Küsschen und erwidert lachend: „Ja, mit dem Schicksal ist das so eine Sache. Jetzt aber auf den Bahnsteig mit uns, die Bahn sollte gleich da sein.“
Und Liam sollte auch recht behalten, denn genau in dem Moment als sie den Bahnsteig betreten fährt sie auch schon ein.
Sie suchen sich einen Sitzplatz und Liam kommentiert die Lautsprecheransage: „ S4 in Richtung Ernst des Lebens, verrückt bleiben“ Sandy schlägt sich leicht die Hand vor die Stirn und schüttelt den Kopf. „Wirst du eigentlich jemals erwachsen, Liam?“ Liam erwidert grinsend: „Vielleicht ja schon nächstes Jahr, mal schauen, ist ja noch ein wenig Zeit“
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