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Schwule Mütter ohne Nerven

Spielfilm 
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Am 03. Juli 2005 wurde die Heirat gleichgeschlechtlicher Partner in Spanien gesetzlich erlaubt. Dieses Datum nimmt Manuel Gómez Pereira zum Anlass für seine quirlige Schwulenkomödie.
Bei den Vorbereitungen zur ersten homosexuellen Massenhochzeit lernen sich die Mütter und Väter dreier heiratswilliger Paare in Madrid kennen. Alle haben ihre Probleme mit den sexuellen Neigungen ihrer Söhne, und dazu kommen noch die eigenen Leidenschaften und Schwierigkeiten. Die nymphomanische Nuria landet mit ihrem zukünftigen "Schwiegersohn" im Bett, die Hotelbesitzerin Magda wird vom Streik ihres Küchenpersonals für den Tag des Hochzeitsessens überrascht, die bekannte Almodóvar-Schauspielerin Reyes kommt nicht damit zurecht, dass ihr Sohn ausgerechnet den Sohn ihres Gärtners ehelichen will. Und Ofelias Hund Marilina irrt frauchenlos durch die Stadt und löst einige Katastrophen aus. Eine temperamentvolle Besetzung, darunter mit Carmen Maura, Verónica Forqué und Marisa Paredes drei Diven aus Almodóvar-Filmen, gibt der Komödie Tempo, Dialogwitz und Esprit.

Reyes (Marisa Paredes), Nuria (Verónica Forqué) und Magda (Carmen Maura) verkörpern drei höchst unterschiedliche spanische Muttertypen, die jedoch eines gemeinsam haben: Ihre drei geliebten Söhne sind schwul und wollen den jeweiligen Lebenspartnern im Rahmen einer feierlichen Massenhochzeit gemeinsam das Jawort geben. Anlass ist die offizielle Anerkennung der Homo-Ehe durch den Staat, entsprechend groß ist das Medieninteresse. Doch hinter den Kulissen der sich politisch korrekt gebenden Mütter beginnt es heftig zu brodeln. Reyes ist eine hochnäsige, reiche Filmdiva, die sich als moderne, weltoffene Frau versteht. Dennoch ist es ihr ein Dorn im Auge, dass ihr Filius Rafa (Raúl Jiménez) schwul ist - und obendrein noch unter Stand heiratet, nämlich ausgerechnet den Rettungssanitäter Jonás (Hugo Silva), Sohn ihres Gärtners Jacinto (Lluís Homar). Nuria ist eine überdrehte Nymphomanin, die in allen möglichen und unmöglichen Situationen mit Männern anbändelt - und dabei unweigerlich auch mit ihrem künftigen "Schwiegersohn" Hugo (Gustavo Salmerón) im Bett landet. Magda schließlich ist eine geschäftstüchtige Unternehmerin, die mit einem Hotel für Homosexuelle, in dem das große Ereignis stattfinden soll, eine zeitgemäße Marktlücke entdeckt hat. Ihr Sohn Miguel (Unax Ugalde) will hier seine große Liebe Óscar (Daniel Hendler) ehelichen. Als aber das notorisch unterbezahlte Küchenpersonal streikt, obwohl Magda mit ihrem kubanischen Koch César (Jorge Perugorría) ins Bett geht, droht die glamouröse Zeremonie zu platzen. Erst als alle Frauen gemeinsam die Ärmel hochkrempeln - und dabei in eine ganz traditionelle Mutterrolle zurückfallen - kann die schwule Massenhochzeit doch noch stattfinden.

Ein treffender Titel für diese quirlige schwule Hochzeitskomödie aus Spanien wäre zweifellos auch "Alles über meine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs". Denn der Film von Manuel Gómez Pereira - bekannt durch sein erotisches Krimidrama "Die Last mit der Lust" - ist eine augenzwinkernde Verbeugung vor dem besonderen Stil, den Gender-Themen und dem speziellen Witz seines Landsmannes Pedro Almodóvar. Mit Verónica Forqué ("Kika"), Marisa Paredes ("Mein blühendes Geheimnis") und Carmen Maura ("Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs") treten nicht zufällig drei der wichtigsten Musen aus Almodóvars Schlüsselfilmen auf. Sympathischerweise verhehlt "Schwule Mütter ohne Nerven" nicht den Status einer Hommage. Dafür liegt im Fall Almodóvar die Messlatte zwar hoch, doch Pereira überspringt sie mühelos, auch dank einer überbordenden Fülle liebevoller Insidergags: Als etwa Marisa Paredes in der Rolle der Starschauspielerin sich den Freunden ihres Gärtners vorstellt, rufen diese begeistert aus: "Oh! Das ist ja Carmen Maura!"
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