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Prayers for Bobby

Coming out Drama 
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Der Film erzählt die wahre Geschichte von Mary Griffith, einer Fundamentalchristin, die es nicht akzeptieren kann, dass ihr Sohn Bobby homosexuell ist sowie von ihrem Wandel nach dem Freitod ihre Sohnes zu einer Kämpferin für das Recht von Homosexuellen Menschen. Der Weg dahin ist lang, aber der Film zeigt dies auf eindrucksvolle und bewegende Weise. Von ziemlich heftigen Szenen über die Auslegung der Bibel in Bezug auf gleichgeschlechtliche Liebe bis hin zu Monologen, die Augen öffnen sollten.
Bobby Griffith (Ryan Kelley) ist der Liebling der gläubigen Familie. Als er jedoch merkt, dass er sich zu anderen Männern hingezogen fühlt, bekommt er Angst. Sogar er sieht seine Neigung als Sünde an und fürchtet sich, nicht mit seiner Familie im Jenseits vereint zu sein, so wie es seine Mutter Mary (Sigourney Weaver) immer sagt.

Nach einem Selbstmorversuch erzählt er seinem Bruder Ed (Austin Nichols), dass er sich zu Männern hingezogen fühlt und nimmt ihm das Versprechen ab, ihren Eltern nichts zu sagen. In der Realität sah das etwas anders aus. Dort hat Ed zwei Jahre geschwiegen und erst aus Sorge nach einem missglückten Selbstmordversuch seinen Eltern erzählt, dass Bobby schwul ist. Im Film wurde das arg verkürzt, macht aber rein gar nichts, da es so gut passt.



"Ich möchte nicht schwul sein.", sagt Bobby zur Psychiaterin, zu der seine Mutter ihn schickt. Es wird alles versucht, das Thema Homosexualität unter den Tisch zu kehren, Bobby soll sich ändern und auf Gott vertrauen, dass er ihn "heilt". Der Film spielt zwar Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre, aber bei solchen Dingen muss man mit dem Kopf schütteln.

Mit dem Thema Homosexualität wird hart ins Gericht gegangen im Bezug auf die Bibel. Sie sei Sünde und die Menschen landen im ewigen Höllenfeuer. Klar, dass Bobby hin- und hergerissen ist. Er merkt jedoch schnell, dass es keine Entscheidung ist, ob er schwul ist oder nicht, sondern dass er es einfach ist. Das ist eine Tatsache, die vielen Menschen in ihrer Akzeptanz fehlt, nicht nur Mary im Film, was schade ist, da jeder Mensch das Recht auf ein Leben hat, wie er es möchte. Und genau diesen Gedanken bringt Prayers for Bobby auf eindrucksvolle Weise rüber.



Nachdem Bobby zu seiner Cousine nach Portland zieht, wo er einen jungen, netten Mann kennengelernt hat, ist er zunächst glücklich. Doch er muss feststellen, dass er ziemlich alleine auf der Welt ist und dass seine Mutter ihn niemals akzeptieren würde, was man an seinem Geburtstagsgeschenk sieht. Eine Broschüre über "AIDS - Die Strafe des Herrn".

Nachdem er sich von einer Brücke stürzt ist die Trauer in der Familie groß. Für Mary ist es jedoch wichtig, herauszufinden, ob Bobby trotz seiner Homosexualität und des Selbstmordes in den Himmel kommt. Sie muss jedoch noch mehr lernen durch Bobbys Tagebuch und einer anderen Auslegung der Bibel, die ihr bisheriges Bild zerrüttet, sie Bobby aber verstehen lässt.



Von Akzeptanz seitens Bobbys Familie ist wenig zu spühren, Bruder und Schwester schon eher, aber von seitens der Mutter gibt es keinerlei Verständnis. So bietet der Film einen fantastischen Wandel und zeigt schließlich einen Einblick eines verwirrten jungen Mannes zwischen den Fronten sowie einer Mutter, die nur das Beste für ihren Sohn will, aber aus den Augen verliert, dass sie ihn genau damit kaputt macht.

Es gibt Dialoge, die einen wirklich zum nachdenken anregen können und sogar ein wenig schockieren. "Ich habe keinen schwulen Sohn" - "Dann hast du keinen Sohn" - "Okay"... Das sind heftige Sachen und man denkt als Zuschauer nur, was wohl damals in den Menschen vorgegangen sein muss.



Bis dahin gibt es schon emotionale Szenen. Der Sohn, der innerlich zerrissen ist, die Mutter, die ihren Sohn nicht versteht und voller Angst ist. Richtig emotional wird es aber erst nach Bobbys Freitod nach knapp der Hälfte des Films, dass es daraus hinausläuft, wird aber bereits in der ersten Szene deutlich. Ignoranz in der eigenen Familie hat zu einer solchen inneren Zerissenheit seitens Bobby geführt, dass er sich das Leben genommen hat.

Von da an startet die Entwicklung von Mary. Sie setzt sich mit dem Pfarrer der Kirche, in die Bobby gegangen ist, in Verbindung, wo ihr die Augen geöffnet werden. Aber auch durch sein Tagebuch erfährt Mary, was wirklich in ihrem Sohn gesteckt hat und wie es in ihm ausgesehen hat. Das schildert der Film mit hervorragenden und rührenden Monologen und tragischen Szenen im Hintergrund, dazu passt auch ein guter Score, der einem in besonders einer Szene eine Gänsehaut beschert.



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Der Film ist zwar "nur" eine TV-Produktion für das amerikanische Fernsehen, aber davon merkt man absolut nichts. Das liegt nicht zuletzt an der packenden und emotionalen Umsetzung einer interessanten und erschütternden Geschichte, sondern auch an den hervorragenden Schauspielern. Jeder Schauspieler macht seine Sache unbeschreiblich gut, herausstechen tun aber zwei Darsteller. Ryan Kelley spielt Bobby so authentisch, dass man ihm seine Zerissenheit und seine Angst abkauft. Sigourney Weaver ist eine fantastische Schauspielerin und ihre Leistung ist wirklich hervorragend. Sie spielt unglaublich glaubhaft und man kann mit ihrem Charakter mitleiden, auch wenn man sie und ihren Glauben nicht verstehen mag. Das hätte wohl nicht jede Schauspielerin geschafft. Sympathien bringt sie nach ihrem Wandel auch viele auf, besonders aber durch eine Rede, die sie im Fernsehen gehalten hat. Danach kann man dem Charakter einfach nicht böse sein.

"Hätte ich meinem Sohn einfach zugehört, als er mir sein Herz ausschütten wollte, dann würde ich heute nicht vor Ihnen stehen, voller Reue. [...] Es war nicht Gottes Wille, dass Bobby über die Brüstung einer Autobahnbrücke geklettert und direkt vor einen LKW gesprungen ist ... Bobbys Tod war eine direkte Folge der Ignoranz seiner Eltern und unsere Angst vor dem Wort "Homosexuell". [...] In unseren Gemeinden sitzen Kinder wie Bobby, ohne dass sie es ahnen, werden sie zuhören, wie Sie "Amen" sagen, nur ihre Gebete werden sehr schnell verklingen, ihre Gebete zu Gott um Verständnis und Akzeptenz und um Ihre Liebe. Aber Ihr Hass und Ihre Furcht vor dem Wort "schwul" wird die Gebete verstummen lassen, also... bevor Sie zu allem "Amen" sagen, daheim und in Kirchengemeinden, denken Sie nach, denken Sie immer daran: Ein Kind hört zu!" Fazit: Ein fantastischer, kleiner Film über das Thema Homosexualität sowie Toleranz und Intoleranz im Bezug darauf. Zwar bietet der Film harten Tobak, geht aber insgesamt mit dem nötigen Respekt an das Thema heran, ist sehr ernst und emotional. Eine tragische Geschichte, packend umgesetzt und fantastisch gespielt.

Trailer

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  • Sehr tolle story, filmische Umsetzung naja... Lebt v.a. von Ryan Kelleys gutem Aussehen XD und Sigourney Weavers toller Performance! Allerdings ist die Aussage sehr gut rübergebracht, i.d.S. unbedingt anschaunen, gibts auf yt

  • TOP Film, echt empfehlenswert. Sollt man sich ansehen!