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Identitätsdiebstahl im Netz

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Hast du dir schon mal einen "Scherz" erlaubt und dich als jemand, den du kennst, im Internet ausgegeben? Oder ist dir das selbst bereits passiert? Wann wird aus Spaß Ernst und wie kann man sich selbst vor Identitätsdiebstahl im Internet schützen?
Ein Identitätsdieb gibt sich als eine andere, wirklich existierende Person aus. Im Grunde "stiehlt" er dabei niemandem seine Identität, sondern nutzt oder missbraucht sie, um jemandem zu schaden, z.B. durch Rufschädigung oder Mobbing.

Identitäten können aber auch missbraucht werden, um einen Betrug zu begehen. In dem Fall wird der Person, deren Identität genutzt wurde, meist ein materieller Schaden zugefügt. Beides ist in Österreich unter bestimmten Voraussetzungen strafbar.

Nicknapping
Es gibt zwei Möglichkeiten für Identitätsmissbrauch im Web: Das Anlegen eines Internet-Profils unter dem richtigen Namen oder auch Klarnamen (Vorname und Nachname) einer real existierenden Person mit seinen Namen (auch zusammen mit Wohnort, Telefonnummern, Bildern, usw.) oder das sogenannte Nicknapping: Das Verwenden eines Nicks einer anderen Person, vor allem auf der gleichen Plattform. Der Begriff Nicknapping setzt sich zusammen aus den Begriffen Nick und Kidnapping. In vielen Foren, Communitys oder Chats ist es ja schon lange üblich, unter einem Nickname aufzutreten.

Wann wird Identitätsdiebstahl zur Straftat?
Wenn der Identitätsdieb unter der bereits existierenden Identität eine strafbare Handlung verübt. Strafbare Handlungen wären wirtschaftliche Delikte wie Betrug, also z.B. etwas (im Internet) zu bestellen und dafür die Daten einer anderen Person ohne deren Wissen anzugeben. Diese Form ist immer strafbar und Betrug nach § 263 Strafgesetzbuch (StGB).

Vor allem bei Jugendlichen findet Identitätsmissbrauch auch mit der Absicht statt, den Ruf des Betroffenen zu schädigen oder ihn im Internet zu mobben. Nicht wirklich schön, wenn jemand unter deinem Namen Nachrichten an deine Freunde schreibt und dich dadurch in Schwierigkeiten bringt. Ein Scherz ist das nicht, denn hier kommen – je nach Fall – verschiedene Gesetze zur Anwendung.

Wie wird Identitätsdiebstahl geahndet?
Das Strafmaß bei strafrechtlich relevanten Identitätsmissbräuchen reicht von Geldstrafe bis mehrjährigen Freiheitsstrafen, je nach Art und Schwere. Bei Datenfälschung ist bereits der Versuch strafbar.

Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, Identitätsdiebe zivilrechtlich zu belangen. Zivilrechtlich bedeutet, dass Betroffene sich einen Anwalt nehmen und dieser den Identitätsdieb z.B. auf Schadensersatz (Geld) verklagt. Bei sehr heftigen Mobbing-Fällen oder schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzungen kann das auch ziemlich teuer werden.

Wie kann ich Identitätsdiebstahl im Internet vorbeugen?
Die wichtigste Vorbeugung gegen Identitätsmissbrauch im Web ist der Schutz der eigenen Daten. Wenn du etwa Profile von dir allen Internetnutzern zugänglich machst und dort offen Geburtsdatum, Fotos und andere persönliche Daten angibst, kann es natürlich auch passieren, dass jemand das ausnutzt und deine Daten missbraucht. Vor allem in Communitys gilt daher: Lieber hohe Privatsphäre-Einstellungen und nicht jeden als Freund annehmen, auch wenn natürlich jeder Freund zählt.

Auch die Sicherheit deiner Passwörter ist wichtig. Logge dich deshalb immer aus, wenn du eine Website verlässt, bei der du mit einem Profil vertreten bist. Insbesondere gilt das natürlich für Rechner im Internet-Café oder in der Schule! Benutze für Passwörter am Besten eine Kombination aus Buchstaben (mit Klein- und Großschreibung), Zahlen und wenn möglich Sonderzeichen. Ändere deine Passwörter immer mal wieder. Wenn du reine Fantasiekombinationen nimmst, dann steigt die Sicherheit deines Passworts noch mal, denn so sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand dein Passwort durch Ausprobieren herausbekommt.

Und Missbrauch von Nicknames?
Es ist wesentlich schwieriger, gegen Nicknapping vorzugehen, weil es streng genommen kein Identitätsdiebstahl ist - ein Nickname ist keine Identität. Obwohl es nur wenige Möglichkeiten gibt, gegen den Missbrauch eines Nicks rechtlich vorzugehen, hast du immer noch die Option, dich an den Betreiber einer Plattform oder eines Chats oder an die Moderatoren eines Forums zu wenden. Normalerweise haben die nämlich auch kein Interesse daran, dass so etwas bei ihnen passiert und ihnen die Nutzer vergrault.

Informiere am Besten die Nutzer, die du persönlich kennst oder mit denen du schon häufiger kommuniziert hast, über dein Problem. So kannst du zumindest teilweise Irritationen und Streit vorbeugen, weil deine Freunde wissen, dass sich jemand fälschlicherweise als du ausgibt.

Was konkret tun bei Identitätsmissbrauch im Internet?
Als allerersten Schritt informierst du am besten die Betreiber oder Moderatoren der Plattform, des Forums oder des Chats, in dem sich jemand als du ausgibt. Gleichzeitig ist es ratsam, Beweise zu sichern. Je nach Schwere kannst du damit nämlich später zur Polizei gehen und (ggf. zusammen mit deinen Eltern) Anzeige erstatten.

Informiere deine Freunde und alle, von denen du denkst, dass sie es wissen sollten, von dem Identitätsdiebstahl. So trägst du zumindest etwas dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden, wenn der Identitätsdieb z.B. mit deinen Bekannten "als du" in Kontakt tritt.

Sprich auch mit deinen Eltern oder anderen Erwachsenen, denen du vertraust. Solltest du einen Verdacht haben, wer der oder die Täter sind, macht es eventuell Sinn, gemeinsam mit einem Vertrauenslehrer, Streitschlichter oder Sozialpädagogen (gibt es an vielen Schulen) das Gespräch zu suchen.

Wenn nichts hilft: Anzeige
Die Polizei ist verpflichtet, im Falle von Identitätsmissbrauch zu ermitteln. Vorausgesetzt, du erstattest Strafanzeige. Zu diesem Termin solltest du auf jeden Fall deine Eltern oder einen anderen Erwachsenen, den du magst und dem du vertraust, mitnehmen. Wichtig ist hierbei auch, dass du den Identitätsdiebstahl beweisen kannst – also: Screenshots machen, abspeichern und mitnehmen!

Sollte dir jemand auch finanziellen Schaden zugefügt haben, kannst du den mit Hilfe eines Anwalts einklagen. Auch hier sollten deine Eltern miteinbezogen werden, auch wenns schwerfällt.
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